0
Sichtlich angefressen: Thomas Müller ist beim FC Bayern nur noch Ersatzspieler. FOTO: imago images/Revierfoto - © imago images/Revierfoto
Sichtlich angefressen: Thomas Müller ist beim FC Bayern nur noch Ersatzspieler. FOTO: imago images/Revierfoto | © imago images/Revierfoto

Kommentar Bayerns höchst ungeschickte Personalplanung

Der FC Bayern ohne Thomas Müller? Undenkbar seit 2009. Doch schneller als gedacht, könnte aus Spekulationen Realität werden

Uwe Kleinschmidt
09.10.2019 | Stand 09.10.2019, 22:54 Uhr

Die Debatte um Thomas Müller ist eine rein emotionale. Darf ein Verein, ein Trainer, die Statue der Mannschaft demontieren? Den so verdienten, so schalkhaften, so beständigen und über die Landesgrenze hinaus beliebten Thomas Müller aufs Abstellgleis schieben? Die Antwort ist relativ klar: Natürlich darf ein Verein das. Er darf grundsätzlich alles, von dem er glaubt, dass es den Verein weiterbringt. Es wäre nur gut, wenn er das schlau täte. Mit einem Plan. Das ist nicht der Fall.

Salihamidzic als Überraschungs-Sportdirektor

Die Thomas-Müller-Bredouille ist das Ergebnis zumindest ungeschickter Personalpolitik der vergangenen Jahre. Sie führte den Klub nach vergeblichem Werben um Ex-Profi Philipp Lahm und Mönchengladbachs Max Eberl zum Überraschungs-Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Der kassierte im Werben um taktisch sinnvolle Verstärkungen wie Callum Hudson-Odoi vom FC Chelsea, Marc Roca von Espanyol Barcelona oder Leverkusens Kai Havertz Körbe. Zu schlechter Letzt scheiterten Salihamidzics Verhandlungen mit Manchester City um Leroy Sané. Ein Transfer hätte schon weit vor Sanés Kreuzbandriss Anfang August perfekt sein müssen. So aber geriet Salihamidzic in Not, aus der ihm erst der Vorstandsvorsitzende höchstselbst, Karl-Heinz Rummenigge, mit seinen vorzüglichen Kontakten zum FC Barcelona half: Die Bayern liehen Philippe Coutinho aus. In der neuen Statik im Spiel um den „Zehner" Coutinho ist für Müller kein Platz. Logisch.

Lassen die Bayern Müller ziehen, setzen sie sich selbst unter Druck

Der Satz von Trainer Niko Kovac, wenn Not am Mann sei, werde Müller Minuten bekommen, war nur die Konsequenz. Wahrscheinlich war es besonders dieser Spruch, der es in Müller nun brodeln lässt.

Lassen die Bayern Müller frühzeitig ziehen, setzen sie sich damit zwangsläufig selbst unter Druck, Coutinho im Sommer 2020 für 120 Millionen Euro fest verpflichten zu müssen. Fraglich, ob dann der nächste 100-Millionen-Mann Leroy Sané noch folgt. Was sagt der als Sportdirektor in dieser kritischen Situation der Mannschaft unbedingt geforderte Sportdirektor Salihamidzic? Nichts.

Eine sinnvolle Lösung scheint schwer möglich

Die Bayern haben den Wechsel der Ikone Bastian Schweinsteiger zu Manchester United 2015 gut moderiert und verkraftet, das Karriere-Ende von Philipp Lahm 2017 ebenfalls. Weil sie gut vorbereitet richtige Entscheidungen getroffen haben. Für eine würdige und sportlich sinnvolle Lösung im Fall Müller sieht es da ganz anders aus.

Links zum Thema
Parade-Bayer Müller in «Not»-Lage - Abschied im Winter?

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
realisiert durch evolver group