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Die Freiburger Vincenzo Grifo (l.) und Christian Guenter (2.v.l.) feiern mit ihren Teamgefährten das 2:2 gegen Borussia Dortmund. - © AFP
Die Freiburger Vincenzo Grifo (l.) und Christian Guenter (2.v.l.) feiern mit ihren Teamgefährten das 2:2 gegen Borussia Dortmund. | © AFP

Bundesliga-Kommentar Die "Kleinen" halten die Bundesliga spannend

Der SC Freiburg ist das gallische Dorf der Bundesliga

Peter Burkamp
05.10.2019 | Stand 05.10.2019, 19:15 Uhr

Die Bundesliga ist spannend wie selten. Die Bayern stolpern nach der 7:2-Gala in der Champions League bei Tottenham daheim gegen Hoffenheim. Leipzig lässt Federn in Leverkusen. Der SC Freiburg trotzt Borussia Dortmund ein Unentschieden ab. Das erste Tabellendrittel liegt ganz eng beieinander. Dass ein oder zwei Klubs davonziehen, ist nicht in Sicht. Immer wieder sind es die Duelle Klein gegen Groß, die das Fußball-Wochenende interessant machen. Wobei die Hoffenheimer nicht wirklich als „klein" zu bezeichnen sind. Jedoch ist ihr Sieg in München die Überraschung des Samstags.

Abstiegskandidaten als Stolperstein

Die Großen zu ärgern, sie ins Stolpern zu bringen, wie jüngst der SC Paderborn die Bayern, ja sogar zu schlagen, wie Union Berlin die Dortmunder – das gelingt den vermeintlichen Abstiegskandidaten immer mal wieder. Eine noch viel größere und bedeutendere Leistung ist es jedoch für diese Klubs, am Ende der Saison über dem Strich zu stehen. Ein weiteres Jahr dazu zu gehören, eine weitere Saison die im Vergleich zur 2. Liga deutlich höheren TV-Gelder zu kassieren. Das gilt aktuell für Mainz, Augsburg, Düsseldorf, Paderborn, Union Berlin und die Freiburger. Diese Klubs plus die jeweiligen Aufsteiger zählen vor der Saison automatisch zu den Abstiegskandidaten. Das ist nachvollziehbar, wenn man ihre finanziellen Möglichkeiten mit denen der Top-Clubs vergleicht.

Freiburger sind erfahrene Abstiegskämpfer

Die Freiburger sind erfahrene und erfolgreiche Abstiegskämpfer. Von den vergangenen 27 Jahren verbrachten sie 20 im Fußball-Oberhaus. Sie haben es regelmäßig geschafft, Traditionsclubs wie den 1. FC Köln, Hannover 96, den VfB Stuttgart, den Hamburger SV oder den 1. FC Nürnberg hinter sich zu lassen. Aktuell läuft für die Freiburger das fünfte Erstligajahr in Folge. Vergleicht man die Möglichkeiten der Breisgauer mit denen der meisten anderen Erstligisten, wirken sie wie das gallische Dorf, das in den Asterix-Heften der römischen Übermacht widersteht. Sportvorstand Jochen Saier, Klemens Hartenbach als Sportdirektor und Leiter Scouting – Namen, die wohl nur den interessierteren Fußballfans ein Begriff sind – und natürlich Trainer Christian Streich sind dafür verantwortlich. Abseits der Öffentlichkeit machen die SC-Verantwortlichen einen tollen Job.

Die Arbeit der Breisgauer verdient Respekt

Sie profitieren von ihrem starken Nachwuchsleistungszentrum. Sie arbeiten viel mit Leihgeschäften. Ein gutes Beispiel dafür ist Torwart Alexander Schwolow, der sich bei Arminia Bielefeld gut entwickelte. Der Marktwert eines Großteils der Freiburger Spieler entwickelt sich positiv. Demnächst ist das neue Stadion bezugsfähig, was wirtschaftlich neue Möglichkeiten eröffnen wird. Dennoch werden die Freiburger weiter zu den Abstiegskandidaten zählen.

Und der gute Saisonstart bedeutet keineswegs, dass der SC schon für die nächste Bundesligasaison planen darf. Es wird immer eng bleiben. Beim SCF ist man das gewohnt. Sich hart an der Kante Jahr für Jahr zu bewähren, verdient großen Respekt. Wenn der SC Freiburg erneut die Klasse halten sollte, ist dieses Ergebnis höher zu bewerten, als das Erreichen eines Champions-League-Platzes für Bayern, Dortmund oder Leipzig.

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