0
Holland ist K.o.: Beim Freundschaftsspiel am 15. November 2011 schiebt Mesut Özil genüsslich zum 3:0-Endstand ein. Tatort: Hamburg. - © Verwendung weltweit
Holland ist K.o.: Beim Freundschaftsspiel am 15. November 2011 schiebt Mesut Özil genüsslich zum 3:0-Endstand ein. Tatort: Hamburg. | © Verwendung weltweit

Fußball-Klassiker Deutschland gegen Holland - die wildesten Duelle

Der Klassiker Deutschland gegen die Niederlande blickt auf eine dramatische Historie zurück. Nur einmal gab es für die Nachbarn Gladiolen - zumindest in dieser Hitliste

Uwe Kleinschmidt
05.09.2019 | Stand 05.09.2019, 16:48 Uhr

Bielefeld. Die nächste Folge in der Reihe der Klassiker steht an. An diesem Freitag kreuzen die Erzrivalen in Hamburg erneut die Klingen. In aller Regel gibt es mindestens einen Foulelfmeter, manchmal auch zwei. Auch diesmal steht viel auf dem Spiel, besonders für Oranje. In der EM-Qualifikation verloren die Niederländer das Heimspiel in Amsterdam schon mit 2:3, Sportchef Nico-Jan Hoogma sagt deshalb: "Es besteht Zugzwang. Jeder geht davon aus, dass Deutschland und die Niederlande sich in dieser Gruppe durchsetzen. Doch ich gebe nichts auf die berühmte Papierform. Spiele werden nicht auf dem Papier, sondern auf dem Platz entschieden." Gut gesprochen - das war schließlich schon immer so.

Hier die Hitliste der sechs wichtigsten Spiele der Nachbarn gegeneinander:

Platz 6: 14. Juni 1980, EM-Vorrunde, 3:2

Der Angriff der DFB-Elf ist prominent besetzt: Horst Hrubesch, Klaus Allofs und Karl-Heinz Rummenigge, Klaus Fischer war verletzt. Diesmal ist es Allofs vom DFB-Pokalsieger Fortuna Düsseldorf, der das Statistische übernimmt. Er erzielt alle drei Tore bis zum 3:0 in der 66. Minute. Dann feiert ein Jüngling namens Lothar Matthäus sein Nationalmannschaftsdebüt, säbelt den Niederländer Bennie Wijnstekers direkt einmal vor der Strafraumgrenze um, woraufhin der französische Schiedsrichter Robert Wurtz generös einen Elfmeter spendiert. Deutschland gewinnt nur mit 3:2, weil Johnny Rep und Willy van de Kerkhof noch treffen. Die Niederländer spielen knochenhart, Rep verpasst Torhüter Toni Schumacher einen Tritt in den Magen, und Verteidiger Karl-Heinz Förster meint: „Die hassen uns so viel mehr, als wir sie hassen." Deutschland wird schließlich durch ein 2:1 über Belgien Europameister.

Platz 5: 13. Juni 2012, EM Vorrunde, 2:1

Bei der EM in Polen und der Ukraine, dem Zwischenschritt zwischen Platz drei bei der WM 2010 in Südafrika und dem Titelgewinn 2014 in Brasilien, bekommen es die beiden Rivalen in der "Todesgruppe" gemeinsam mit Portugal und Dänemark miteinander zu tun. In Charkow heißt der deutsche Matchwinner Mario Gomez. Der erzielt zwei beinahe identische Tore, die ihm jeweils Bastian Schweinsteiger mit Steilpässen (die heute Vertikalpässe heißen) in Szene setzt. Robin van Persie macht die Angelegenheit noch einmal spannend (73.), doch die Deutschen sind im Flow. Die Niederlage hat für Holland Konsequenzen: Der Mitfavorit muss mit drei Pleiten nach Hause fahr'n.

Platz 4: 21. Juni 1988, EM-Halbfinale, 1:2

Es geht zur Sache: Beim EM-Halbfinale 1988 schreit Hollands Torwart Hans van Breukelen (l.) den am Boden liegenden Frank Mill zusammen. - © Witters
Es geht zur Sache: Beim EM-Halbfinale 1988 schreit Hollands Torwart Hans van Breukelen (l.) den am Boden liegenden Frank Mill zusammen. | © Witters

Zugegeben, ein Sieg der Niederländer gehört auch dazu. Der tat allerdings besonders weh, denn er glückte dem Nachbarn in Deutschland, bei der Heim-EM, in Hamburg. Und natürlich ging es nicht ohne Foulelfmeter: Den deutschen verwandelte Lothar Matthäus (55.), den der Niederlande Ronald Koeman (74.). Ein Patzer Jürgen Kohlers entscheidet das Spiel unmittelbar vor der Verlängerung. Marco van Basten ist einen Schritt eher am Ball und schiebt ihn an Eike Immel vorbei zum 2:1 ins Tor. Koeman wischt sich nach dem Trikottausch mit Olaf Thons Jersey noch auf dem Spielfeld demonstrativ den Allerwertesten ab. Nach dem Titelgewinn durch ein 2:0 über die UdSSR spricht van Basten von einem „wunderbaren Gefühl, besonders, weil wir auf dem Weg ins Finale diese widerwärtigen Deutschen rausgeworfen haben".

Platz 3: 24. Juni 1990, WM-Achtelfinale, 2:1

Im Giuseppe-Meazza-Stadion zu Mailand kommt es nach der Vorrunde zum Aufeinandertreffen der großen Rivalen. Der argentinische Schiedsrichter Juan Carlos Loustau hat alle Hände voll zu tun, bis es ihm in der 22. Minute zu viel wird. Frank Rijkaard und Rudi Völler waren mehrfach aneinandergeraten, Loustau schickt kurzerhand beide mit Roter Karte vom Platz. Nun ist es übersichtlicher. Im Fernsehen ist deutlich zu erkennen, dass Rijkaard Völler zweimal bespuckt hat. Fußball gibt es aber auch. Vor allem von Jürgen Klinsmann. Der rennt für Völler mit und trifft in der 50. Minute zum 1:0. Die Kommentatoren Heribert Faßbender und Karl-Heinz Rummenigge meinen unisono: „Jaaaaaaaaa!" Andreas Brehme legt in der 84. Minute das 2:0 nach, ehe die Niederländer noch einen Elfmeter bekommen. Ronald Koeman trifft zum Anschluss. Deutschland wird im Finale durch ein 1:0 über Argentinien Weltmeister.

Platz 2: 7. Juli 1974, WM-Finale, 2:1

Die Niederländer gelten als spielerisch besser, was sie auch sogleich demonstrieren. Noch in der ersten Minute foult Uli Hoeneß Johann Cruyff - leider im Strafraum. Johann Neeskens bezwingt per Elfmeter Sepp Maier. Doch Bernd Hölzenbein verschafft, gefoult von Wim Jansen, auch Deutschland einen Strafstoß. Der 23-jährige Paul Breitner schnappt sich den Ball, versenkt ihn kühl bis ans Herz und fragt sich später beim Anschauen der Szene: „Was mache ich da eigentlich?". Gerd Müller trifft
kurz vor der Pause nach einer Flanke von Rainer Bonhof zum 2:1. In der zweiten Halbzeit verhindert Maier praktisch im Alleingang den Ausgleich. Die Holländer laufen pausenlos an, es nützt aber nichts. Da die FIFA einen Trikottausch verboten hat, tauschen Breitner und Johnny Rep halt Krawatte und Jacket.

Platz 1: 15. November 2011, Freundschaftsspiel, 3:0

Ausgerechnet in Hamburg, wo die Niederländer 1988 das EM-Halbfinale gewonnen hatten, ersetzt der deutsche Zauberfußball die letzten Überbleibsel des niederländischen „Voetball total". Das neue magische Dreieck bilden Mesut Özil, Thomas Müller und Miroslav Klose. Die drei tauschen Tore und Vorbereitungen untereinander aus. 1:0 Müller, Vorlage Klose, 2:0 Klose, Vorlage Özil, 3:0 Özil, Vorlage Klose. Das letzte Tor demütigt die Niederländer vollständig, als Klose frei vor dem Tor generös auf Özil ablegt. Die niederländische Presse - hier Volkskrant - legt sich blumig fest: „Deutschland war ein harmonisches Orchester, die Niederlande eine angetrunkene Blaskapelle ohne Dirigenten." Bundestrainer Joachim Löw sagt kühl: „Ich denke, dass wir heute Spielfreude und Leichtigkeit gezeigt haben, das hat die Niederländer auch ein bisschen überfordert."

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
realisiert durch evolver group