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Christoph Metzelder. - © AP Images
Christoph Metzelder. | © AP Images

Kinderpornografie-Ermittlungen Ex-Profi Metzelder verlässt eigene PR-Agentur und engagiert Topanwalt

Gegen den ehemaligen Fußball-Nationalspieler laufen Ermittlungen wegen des Verdachts der Verbreitung kinderpornografischer Inhalte

05.09.2019 | Stand 05.09.2019, 15:54 Uhr

Hamburg/Köln (SID). Christoph Metzelder ist weiter auf Tauchstation. Nachdem die Staatsanwaltschaft gegen den früheren Fußball-Nationalspieler ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Verbreitung kinderpornografischer Inhalte eingeleitet hat, engagierte der Vizeweltmeister von 2002 einen Top-Anwalt. Aus dem engsten persönlichen und geschäftlichen Umfeld des Ex-Nationalspielers gab es ebenfalls keine Stellungnahme. Metzelder betraute den Düsseldorfer Top-Anwalt Rüdiger Deckers mit der Vertretung seiner Interessen. Dessen Sozietät tdwe vertrat unter anderem schon in spektakulären Prozessen den Bielefelder Unternehmer Thomas Middelhoff, den früheren Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sowie den Kunstberater und früheren Präsidenten von Fortuna Düsseldorf, Helge Achenbach. "Ich habe die Verteidigung übernommen. Es ist alles so frisch, dass ich mich erst informieren muss", sagte der Strafrechtsexperte der Bild-Zeitung, nachdem er Metzelder in dessen Haus in Düsseldorf einen Kurzbesuch abgestattet hatte. Zudem verlässt Metzelder die von ihm mitgegründete PR-Agentur. Diese Entscheidung habe man gemeinsam getroffen, sagte sein Geschäftspartner Raphael Brinkert. Eine gemeinsame Fortführung der Agentur „BrinkertMetzelder" sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, sagte Brinkert. Die Vorwürfe und Ermittlungen hätten ihn genauso überrascht wie die Öffentlichkeit.Polizei holte Metzelder in Sportschule ab Am Vortag hatte die Staatsanwaltschaft Hamburg den Fall öffentlich gemacht und auch Metzelder namentlich genannt, nachdem die "Bild" ausführlich über die Aktion des LKA Hamburg berichtet hatte. Gegen Metzelder wird wegen des Verdachts der Verbreitung kinderpornografischer Inhalte ermittelt. Die Beamten hatten den ehemaligen Schalke- und Dortmund-Profi am Dienstag in der Sportschule Hennef abgeholt und anschließend Metzelders Haus in Düsseldorf sowie seine Büroräume durchsucht. Unter anderem sollen sein Handy, ein Computer und ein Laptop beschlagnahmt worden sein. Kein Grund für Haftbefehl Für Metzelder gilt aber nach wie vor die Unschuldsvermutung, er bleibt nach dem aktuellem Stand der Ermittlungen auch auf freiem Fuß. "Er ist ein freier Mann", sagte Liddy Oechtering, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hamburg, am Donnerstag. Derzeit bestehe kein Grund für einen Haftbefehl. Da bei Metzelder, der sich kooperativ gezeigt, aber nicht zur Sache geäußert habe, auch keine Flucht-, Verdunkelungs- oder Wiederholungsgefahr bestehe, gebe es auch keine Auflagen. Der 38-Jährige könne sich frei bewegen und grundsätzlich auch das Land verlassen, erklärte die Behördensprecherin. Derweil teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit, dass die Teilnahme Metzelders am aktuellen Trainerlehrgang in Hennef aufgrund der Ermittlungen "einvernehmlich bis zur Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe" ruht. Auch die ARD hatte am Vortag bekannt gegeben, dass man bis zur Aufklärung des Falles auf Metzelder als Experten verzichte. Löw äußert sich nicht Bundestrainer Joachim Löw wollte am Donnerstag auf der Pressekonferenz in Hamburg auf das Thema nicht näher eingehen: "Da ich die ganze Sachlage nicht aus erster Hand weiß, kann und möchte ich mich dazu absolut nicht äußern." Klarheit wird es wohl auch nicht so schnell geben. Polizei und Staatsanwaltschaft würden nun mit der gebotenen Gründlichkeit das beschlagnahmte Beweismaterial sichten, was eine gewisse Zeit in Anspruch nehme. "Es ist nicht davon auszugehen, dass es von uns in Kürze in dieser Angelegenheit eine neue Pressemitteilung geben wird", sagte Oechtering. Rückendeckung von FDP-Politiker Sollte sich der Vorwurf gegen Metzelder aber erhärten, muss er mit weiteren Konsequenzen rechnen. Für das Verbreiten von Kinderpornografie sieht der Gesetzgeber eine Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren Gefängnis vor. Unterdessen erhielt Metzelder, der über die Kommunikationsplattform WhatsApp-Bilder mit kinderpornografischem Inhalt an eine Empfängerin in Hamburg geschickt haben soll, Rückendeckung von prominenter Seite. FDP-Vize Wolfgang Kubicki warnte in der ARD-Talkrunde Maischberger vor einer Vorverurteilung des 47-maligen Nationalspielers, den er persönlich kenne. Der Politiker erinnerte an den Fall von Moderator Jörg Kachelmann. Der Schweizer war 2010 wegen des Verdachts der Vergewaltigung einer Frau festgenommen worden und im Mai des folgenden Jahres freigesprochen worden. Seine Reputation würde bis heute aber unter dieser Angelegenheit leiden. Kubicki, selbst Anwalt, sieht deshalb ein grundlegendes Problem: "Ich muss niemanden verteidigen hier. Aber Herr Metzelder ist fertig nach zwei Tagen, bevor überhaupt irgendetwas rausgekommen ist. Der ist gebrandmarkt für den Rest seines Lebens als Päderast oder jemand, der Kinderpornografie verteilt."

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