0
Im Zwielicht: HSV-Offensivspieler  Bakery Jatta  sieht sich mit Zweifeln an seiner Identität konfrontiert. - © picture alliance/dpa
Im Zwielicht: HSV-Offensivspieler  Bakery Jatta  sieht sich mit Zweifeln an seiner Identität konfrontiert. | © picture alliance/dpa

Zweifel an Identität HSV mit Jatta zum Pokalduell nach Chemnitz

DFB-Kontrollausschus und Bezirksamt ermitteln nach Verdacht gegen Gambier. Verein sagt Spieler Unterstützung zu. Prüfte HSV schon 2016?

09.08.2019 | Stand 09.08.2019, 14:54 Uhr

Hamburg (sid/dpa). HSV-Trainer Dieter Hecking setzt trotz des Wirbels um Bakery Jatta in den vergangenen Tagen im DFB-Pokal auf den Angreifer aus Gambia. "Natürlich nehmen wir ihn mit. Warum denn nicht? Aus meiner Sicht gibt es gar keinen Grund, ihn hier zu lassen", sagte Hecking mit Blick auf das Duell am Sonntag (18.30 Uhr/Sky).

Die Sport Bild hatte zuvor mit einem Bericht Zweifel an Jattas Identität aufgeworfen. Demnach könnte der Offensivspieler eine Vergangenheit als Bakary Daffeh haben und zweieinhalb Jahre älter sein als bislang angenommen. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sowie das Bezirksamt Hamburg-Mitte haben in dem Fall Ermittlungen aufgenommen, der 1. FC Nürnberg legte Einspruch gegen die Wertung des Punktspiels vom Montag (0:4) ein.

Trainer Hecking: "Thema runterfahren"

"Am Ende des Tages muss man erstmal die Beweislage abwarten", sagte Hecking auf der Pressekonferenz: "Ich bitte euch wirklich, das Thema mal etwas runterzufahren." Für ihn zähle die Unschuldsvermutung, ergänzte Hecking, Jatta sei "relativ entspannt" mit der Thematik umgegangen.

Das Bezirksamt Hamburg-Mitte hat inzwischen ein Anhörungsverfahren in Fall des angeblich unter falscher Identität spielenden Fußballprofis Jatta eröffnet. Ein Schreiben mit Fragen des Amtes an den Offensivspieler des Zweitligisten Hamburger SV sei verschickt worden, sagte eine Sprecherin am Freitag.Im Rahmen der Anhörung solle Hinweisen auf angebliche Falschangaben Jattas bei seiner Einreise nach Deutschland nachgegangen werden.

Sport Bild hatte berichtet, der HSV-Offensivspieler könnte einen anderen Namen haben und älter sein.Jatta war 2015 als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aus Gambia nach Deutschland gekommen und hatte zunächst in Bremen eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten. Seit 2016 spielt er beim HSV, wo er bis 2024 unter Vertrag steht.

Spieler droht eventuell die Abschiebung

Der Verein kündigte an, den Spieler zu unterstützen. „Wir stehen voll hinter Bakéry und werden ihn auch weiterhin voll umfänglich im Trainings- und Spielbetrieb einplanen, zumal er ein wertvoller Spieler und voll integrierter, geschätzter Teamkollege ist", erklärte HSV-Sportvorstand Jonas Boldt.

Nach Angaben des Bezirksamtes hat Jatta jetzt zwei Wochen Zeit, um Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen. Es stehe ihm frei, dies auch in schriftlicher Form zu tun, sagte eine Sprecherin. Sollte sich der Verdacht auf Falschangaben bestätigen, droht dem Fußballprofi die Rücknahme der Aufenthaltsgenehmigung und letztlich auch die Abschiebung in sein Heimatland.

Spiegel-Bericht: HSV untersuchte Fall Jatta schon 2016

Der Hamburger SV hat womöglich schon vor der Verpflichtung von Bakery Jatta im Juli 2016 Untersuchungen zur Identität seines Spielers angestellt. Wie der Spiegel berichtet, belegen dies Dokumente der Enthüllungsplattform Football Leaks. Der HSV wollte sich dazu zunächst nicht äußern. Laut des Spiegel-Berichts soll ein Spielerberater einen HSV-Mitarbeiter bereits am 18. Januar 2016 auf Zweifel an der Identität Jattas hingewiesen haben. Ein Klubangestellter habe daraufhin versucht, den Spuren nachzugehen. Belastende oder entlastende Beweise habe er nicht gefunden.

Sein "Hauptverdacht" sei, schrieb er laut Spiegel-Angaben Ende Januar 2016 in einer Mail, "dass es sich bei dem Spieler tatsächlich um Bakary Daffeh handeln könnte". Nach dem Bericht der Sport Bild, der Zweifel an Jattas Identität und Alter aufwarf, hatte HSV-Sportdirektor Jonas Boldt mitgeteilt, dass Jatta dem Klub "die Korrektheit seiner Passangaben noch einmal bestätigt" habe: "Wir stehen voll hinter Bakery."

Links zum Thema

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group