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Unter Druck: Unternehmer, Fußball-Fan und Schalke-Aufsichtstrats-Chef Clemens Tönnies. - © Christian Weische
Unter Druck: Unternehmer, Fußball-Fan und Schalke-Aufsichtstrats-Chef Clemens Tönnies. | © Christian Weische

Gelsenkirchen Tönnies: Was der Schalke-Ehrenrat beschließen könnte - und was nicht

Nach den rassistischen Äußerungen entscheidet der Ehrenrat heute Abend über die Zukunft von Clemens Tönnies in seinem Leib- und Magenverein. Der Ausgang ist völlig offen

Stefan Schelp
06.08.2019 | Stand 06.08.2019, 21:10 Uhr

Gelsenkirchen/Bielefeld. Es klingt ein wenig nach Tribunal - am Dienstagabend muss sich Clemens Tönnies nach seinen rassistischen Äußerungen beim Tag des Handwerks in Paderborn verantworten. Und tatsächlich sind drei Richter Mitglied dieses Gremiums. Klaus Bernsmann ist Professor und Leiter des Lehrstuhls für Straf- und Prozessrecht an der Ruhr-Universität Bochum. Götz Bock ist Richter am Hessischen Finanzgericht und Kornelia Toporzysek, einzige Frau des Gremiums, ist Richterin am Oberlandesgericht Düsseldorf. Bernhard Terhorst bringt als Steuerberater den Finanzsachverstand mit. Und Schalke-Pfarrer Hans-Joachim Dohm, pensionierter Pastor, sorgt für den christlichen Segen, der auf der Veranstaltung liegt. Tönnies könnte von sich aus zurücktreten Die Befugnisse des Ehrenrats sind - wie sich das gehört - in der Satzung des Vereins festgeschrieben. Das Gremium hat folgende Optionen: Nach den rassistischen Aussagen kann der Ehrenrat Tönnies die Mitgliedschaft aberkennen und ihn aus dem Verein ausschließen. Diese Variante gilt allerdings als wenig wahrscheinlich. Der Ehrenrat könnte Tönnies auch als Aufsichtratsvorsitzenden absetzen. Auch eine vorübergehende Suspendierung ist möglich. Denkbar ist auch, dass der Unternehmer als Aufsichtsratsvorsitzender abgesetzt wird, aber weiter ein mächtiges und wortgewaltiges Mitglied des Vereins bleibt. Und natürlich könnte Tönnies auch von sich aus abtreten. Welche der Varianten heute Abend gezogen wird, gilt als unsicher, nachdem der Druck auf den Fleisch-Unternehmer in den vergangenen Tagen eher größer geworden ist. Bekenntnis zu den Grundsätzen der Menschenrechte Der Schalker Ehrenrat kommt immer dann zusammen, wenn es Streit um einen möglichen Vereinsausschluss geht. Er kann darüber hinaus von sich aus tätig werden, wenn ihm "grob unsportliches oder vereinsschädigendes Verhalten von Mitgliedern oder Organmitgliedern oder rechtswidriges, satzungswidriges oder leitbildwidriges Verhalten von Vereinsorganen oder Mitgliedern von Vereinsorganen bekannt wird". Das schreibt die Schalker Satzung fest. Diese Satzung stellt zudem fest, dass der Verein parteipolitisch und religös neutral ist. "Er bekennt sich zu den Grundsätzen der Menschenrechte. Er tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen sowie diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltensweisen gegenüber anderen Menschen, insbesondere aufgrund ihrer Nationalität, ethnischen Zugehörigkeit, Religion, Geschlecht, sexuellen Orientierung oder Behinderung, aktiv entgegen." In diesem Sinne sei er insbesondere bestrebt, die soziale Integration ausländischer Mitbürger zu fördern. Sanktionen für Owomoyela und Dickel Um diesen Themenkomplex ging es im übrigen bei der jüngsten Sitzung des Ehrenrats bei Schalkes Erz-Rivalen Borussia Dortmund. Hier hatten sich Patrick Owomoyela und Norbert Dickel für üble, rassistische Entgleisungen rechtfertigen müssen. Owomoyela und Dickel hatten das Testspiel des BVB gegen Udinese Calcio (4:1) am 27. Juni kommentiert und sich dabei mehrere üble Sprüche geleistet. Mehrfach fiel der Begriff „Itaker", Ex-Nationalspieler Owomoyela imitierte zudem den Tonfall von Adolf Hitler. "Hier sind große Schlachten geschlagen worden." Die beiden seien vom Ehrenrat "sanktioniert" worden. Beiden sei zudem „unmissverständlich verdeutlicht" worden, dass „ihr Versuch, witzig zu sein, vollkommen schiefgelaufen ist, absolut deplatziert war und derlei Äußerungen bei uns keinen Platz haben." Vom Arminia-Ehrenrat droht Tönnies kein Ärger Auch der heimische Zweitligist Arminia Bielefeld, zu deren Sponsoren auch Clemens Tönnies gehört, hat einen Ehrenrat. Der allerdings könnte, selbst wenn er wollte, in Sachen Tönnies nicht tätig werden. Denn der Ehrenrat darf nur über Vereinsmitglieder verhandeln. Und Arminen-Mitglied ist Clemens Tönnies nicht. Mitglieder sind Immobilienmakler Michael Fredebeul (Vorsitzender), Hans-Joachim Faber (Rechtsanwalt), Augustin Kwamo-Kamdem (Vertreter der Jugendabteilungen), Friedrich Straetmanns (Bundestagsmitglied der Linken) und Jörn Euscher-Klingenhagen (Unternehmer). Im übrigen ist die Einrichtung eines Ehrenrats für Bundesliga-Vereine keine Pflichtveranstaltung. Die DFL stellt den Clubs frei, ob sie dieses Gremium einrichten oder darauf verzichten.

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