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Ab 2022 soll die Verwendung von Gummi-Granulat nicht mehr erlaubt sein, was unter anderem bei Kunstrasenplätzen im Fußball verwendet wird. - © picture-alliance / Pressefoto ULMER
Ab 2022 soll die Verwendung von Gummi-Granulat nicht mehr erlaubt sein, was unter anderem bei Kunstrasenplätzen im Fußball verwendet wird. | © picture-alliance / Pressefoto ULMER

Fußball 5.000 Kunstrasenplätze in Gefahr: Seehofer fordert Übergangsfrist für Gummi-Granulat

5.000 Fußballplätze in ganz Deutschland sind von der Richtlinie bedroht. Viele Amateurvereine stehen vor dem Aus

Andrea Sahlmen
21.07.2019 | Stand 21.07.2019, 12:10 Uhr

Bielefeld. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat sich für die Verschiebung einer Richtlinie der Europäischen Union (EU) ausgesprochen, nach der ab 2022 die Verwendung von Gummi-Granulat nicht mehr erlaubt sein soll. Dieses wird unter anderem bei Kunstrasenplätzen im Fußball verwendet. "Als Sportminister werbe ich für einen vernünftigen Ausgleich zwischen Umweltschutz und den berechtigten Interessen des Sports. Viele Tausend Sportanlagen in deutschen Kommunen wären sonst von der Schließung bedroht", sagte Seehofer der Welt am Sonntag.

Laut Deutschem Fußball-Bund (DFB) bedroht die Richtlinie rund 5.000 Fußballplätze in ganz Deutschland. Da das Granulat einer der größten Verursacher für Umweltbelastungen durch Mikroplastik ist, würden die Mitgliedstaaten verpflichtet, entsprechende Gesetze zu erlassen. In einem Brief an Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatte Seehofer für eine Übergangsfrist von sechs Jahren für bestehende Kunstrasenplätze geworben.

Umsrüstmethode kostet bis zu einer halben Million Euro

Die Übergangsfrist fordert auch der DFB. Amateurvereine bundesweit befürchten, durch das drohende Verbot ihren Spielbetrieb nicht mehr aufrecht erhalten zu können. Denn die so notwendig werdenden Sanierungskosten für die Plätze, die je nach Umrüstmethode bis zu einer halben Million Euro betragen können, könnten sie sich nicht leisten. Der ehemalige Fußballprofi Mike Rietpietsch (45), Miteigentümer einer Fußballschule, schlägt ebenfalls Alarm. "Wenn es wirklich darauf hinauslaufen sollte, dass es bald keine Kunstrasenplätze mehr gibt, wäre das für viele Vereine sicher der Genickbruch", sagte er.

Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik sind Kunstrasenplätze deshalb die drittgrößte Quelle für Mikroplastik in der Umwelt. Demnach werden jährlich von Sportplätzen allein in Deutschland 11.000 Tonnen Mikroplastik abgegeben. Das ist sieben Mal so viel, wie von Kosmetikprodukten verursacht wird, die deshalb schon länger in der Kritik stehen. Auf einem Kunstrasenplatz liegen laut Institut etwa 35 Tonnen Mikroplastik, das durch Wind und Regen in die Umwelt und über die Kleidung und Schuhe der Spieler ins Wasser gelangt.

Mit Blick auf ein mögliches Verbot von Mikroplastik genehmigt die Stadt Bielefeld neue Kunstrasenplätze sowie Erneuerungen bestehender Anlagen nur noch, wenn anstelle von Mikroplastik Korkgranulat eingesetzt wird. „Kork ist als Naturstoff eine Alternative", erklärt der Bielefelder Sportamtsleiter Joachim Middendorf. Bestehende Plätze können laut Middendorf jedoch nicht einfach so umgerüstet werden. „Das kostet viel Zeit und Geld. Den Aufwand können Kommunen und Vereine nicht stemmen."

Mit Informationen der SID

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