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Im Mittelpunkt: Red Bull tritt nicht nur großflächig als Sponsor im Spitzensport auf, sondern hat ein ganzes Vereinsgeflecht entwickelt. Welche Rolle die Kooperation zwischen SC Paderborn und RB Leipzig darin spielt, ist die spannende Frage der kommenden Monate. - © picture alliance/dpa
Im Mittelpunkt: Red Bull tritt nicht nur großflächig als Sponsor im Spitzensport auf, sondern hat ein ganzes Vereinsgeflecht entwickelt. Welche Rolle die Kooperation zwischen SC Paderborn und RB Leipzig darin spielt, ist die spannende Frage der kommenden Monate. | © picture alliance/dpa

Bundesliga SC Paderborn und RB Leipzig: Wie das Modell Red Bull wirklich funktioniert

Fußball: Dass der SCP künftig gemeinsame Sache mit dem sächsischen Retortenklub machen will, stößt vielen sauer auf. In Deutschland ist eine solche Zusammenarbeit Neuland, in anderen Ländern gang und gäbe

Jan Ahlers
06.06.2019 | Stand 06.06.2019, 06:37 Uhr

Bielefeld. Eine Zusammenarbeit mit RB Leipzig - für viele Anhängerschaften etablierter Fußballvereine wäre dieser Schritt undenkbar. Mit dem am Reißbrett entworfenen, vom österreichischen Getränkekonzern bestimmten Klub gemeinsame Sache machen? Niemals, würde die Antwort jener gefühlt klaren Fan-Mehrheit lauten, die dem Projekt "Rasenball" auf vielfältige Art und Weise ihre Ablehnung entgegenbringen.

Der SC Paderborn hat sich nun für eine Kooperation entschlossen - und seine Anhängerschaft erst informiert, als der Deal beschlossene Sache war. Das fördert einen Streit zwischen aktiver Fanszene und Klub zu Tage, auch weil solche "Agreements" zwischen deutschen Profivereinen alles andere als üblich sind. Ein Blick durch Europa verrät: Dass sich Vereine ein Netzwerk zur Talentförderung aufbauen, ist keine Seltenheit, kann dafür aber enorme Auswüchse annehmen.

FC Liefering füttert RB Salzburg füttert RB Leipzig

Das bekannteste Beispiel stammt aus Österreichs zweiter Liga: Der FC Liefering, der zuvor unter dem Namen Union-Sportklub Anif firmierte, gehört seit der Übernahme im Jahr 2012 dem Red-Bull-Konzern und dient als Ausbildungsteam für RB Salzburg, den österreichischen Ableger des Energydrink-Herstellers. In der Regel übernimmt Liefering große Teile der Salzburger A-Junioren und verschafft diesen Spielpraxis - die besten Akteure werden an RBS weitergegeben.

Dessen sportliche Aushängeschilder wechseln wiederum nicht selten zu RB Leipzig: Marcel Sabitzer, Naby Keita und Dayot Upamecano tauschten in den vergangenen Jahren etwa die "Filiale".

Auch in den Niederlanden ist eine Mannschaft wegen ihres regen Spieler-Austausches in Verruf: Vitesse Arnheim, das pro Saison auf eine Handvoll Talente von Europa-League-Gewinner Chelsea London zurückgreifen darf. Hintergrund ist die gute Beziehung von Chelsea-Boss Roman Abramowitsch mit seinem Geschäftspartner Alexander Tschigirinski, der Arnheim vor sechs Jahren übernommen hat.

Ajax Amsterdam und der FC Barcelona planen seit März dieses Jahres ebenso eine Zusammenarbeit: Ajax könnte katalanischen Rohdiamanten den letzten Schliff verpassen, Barcelona dafür ein Vorkaufsrecht erhalten. Jüngst erst hatte "Barca" Frenkie de Jong aus Amsterdam für 75 Millionen Euro verpflichtet, auch ein Transfer des erst 19-jährigen Ajax-Kapitäns Matthijs de Ligt steht derzeit im Raum.

Die "City Group" kauft Vereine in Spanien, USA und Australien

Extreme Ausmaße angenommen hat die Kooperation zwischen Manchester City und dem spanischen Erstliga-Absteiger FC Girona. Genau genommen ist daraus ein Besitzverhältnis geworden: Zur Hälfte gehört Girona der abu-dhabischen Investorengesellschaft "City Football Group", die auch für Manchester City verantwortlich ist. Der zweite, gleichberechtigte Hauptanteilseigner ist Pere Guardiola - Spielerberater und Bruder von City-Coach Pep Guardiola.

Weitere "Schwester-Klubs" dieses Projektes gibt es in Australien (Melbourne City) und den USA (New York City). Dort hat auch das Farmteam-System übrigens seinen Ursprung: Im Basketball, Football, Hockey als auch Fußball existieren zum Teil ganze Ligen, in denen talentierte Spieler an die höchsten Ligen herangeführt werden.

Für ein Strukturmodell wie das der City Gorup steht auch Red Bull - nur mit zusätzlichen kommerziellen Interessen. Deren Ableger kommen aus Liefering, Salzburg, aber auch aus New York und dem brasilianischen Bragantino, wo künftig Ralf Rangnick als Koordinator tätig sein wird. Oft strebt der Getränkehersteller über kurz oder lang danach, ein Sponsoring oder eine Kooperation zur Vereinsübernahme auszudehnen. Ein Szenario, das beim SC Paderborn noch undenkbar scheint.

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