Geld regiert den Fußball: Erstmals hat die Vereinsvertretung der Profiklubs nach einem Beschluss aus dem Dezember 2018 finanzielle Kennzahlen offenlegen lassen. Wir zeigen die interessantesten Aspekte. - © picture alliance/ dpa
Geld regiert den Fußball: Erstmals hat die Vereinsvertretung der Profiklubs nach einem Beschluss aus dem Dezember 2018 finanzielle Kennzahlen offenlegen lassen. Wir zeigen die interessantesten Aspekte. | © picture alliance/ dpa

Bundesliga DFL-Finanzkennzahlen: SC Paderborn zahlte mehr an Berater als Arminia

Welchem OWL-Klub geht es wirtschaftlich besser? Welcher Verein wirft mit Geld für Spielerberater um sich? Und wie weit ist der FC Bayern vom Rest entfernt? Eine neue Finanz-Statistik gibt Aufschluss.

Jan Ahlers
30.05.2019 | Stand 30.05.2019, 16:35 Uhr

Bielefeld. Erstmals veröffentlichte die DFL als Interessensvertretung deutscher Profi-Fußballklubs am Mittwoch die wichtigsten Finanzkennzahlen der Erst- und Zweitligisten - das war im Dezember 2018 auf einer Versammlung von Klubvertretern so beschlossen worden. Das Plus an Transparenz sorgte für spannende Erkenntnisse, auch was die Bilanzen der OWL-Vereine angeht. Der SCP überwies mehr Geld an Spielerberater als Arminia Obwohl der SC Paderborn in der Saison 2017/18 noch drittklassig war und dem Abstieg in der Vorsaison denkbar knapp entkommen war, legte der SCP allein 772.000 Euro an Beratergebühren auf den Tisch. Diese werden je nach Klausel bei Transfers, allen voran aber beim Abschluss von Spielerverträgen fällig. Zum Vergleich: Arminia Bielefeld, zu dem Zeitpunkt (vor "Bündnis OWL") noch in deutlich unsicherer finanzieller Lage, zahlte als Zweitligist 641.000 Euro, selbst Bundesligist Fortuna Düsseldorf kam in seiner Aufstiegssaison mit etwas weniger Geld für Berater (768.000 Euro) aus. Arminia zahlte 13,2 Millionen Euro für Spieler und Mitarbeiter Beim Personalaufwand hat wiederum wenig überraschend der DSC die Nase vorn: Arminia konnte, allen voran dank der deutlich höheren TV-Erlöse als Zweitligist im Vergleich zur 3. Liga, etwas mehr als 13 Millionen Euro in seine Arbeitgeber, sprich Mannschaft, Funktionsteam und Mitarbeiter stecken. In Relation zur Konkurrenz bewegt sich Arminia Bielefeld damit finanziell im Mittelfeld, schaffte damit aber einen bemerkenswerten vierten Rang. Die späteren Aufsteiger investierten etwas mehr: Der 1. FC Nürnberg, mittlerweile wieder abgestiegen, bezahlte 21,6 Millionen Euro für sein Personal, Fortuna Düsseldorf immerhin 18,1 Millionen. Sparsamer waren etwa der SV Sandhausen (11,2 Millionen Euro) und Erzgebirge Aue mit 9,5 Millionen Euro. Jahn Regensburg investierte in seiner ersten Zweitliga-Spielzeit sogar "nur" 7,5 Millionen Euro - ebenso wie bei Relegationsteilnehmer Holstein Kiel (9,9 Millionen Euro) wurde hier der größte Ertrag mit geringsten Mitteln erzielt. Zusätzliche Transparenz: #DFL veröffentlicht wesentliche Finanzkennzahlen aus dem jeweils letzten Geschäftsjahr der Vereine und Kapitalgesellschaften ➡️ https://t.co/pZJdMyPYNPpic.twitter.com/7pPD9qj7Lw — DFL Deutsche Fußball Liga (@DFL_Official) 29. Mai 2019 Und der SC Paderborn? Für den existieren nur wenige Vergleichsobjekte, weil Drittligisten eine solche Übersicht der bilanziellen Entwicklungen noch nicht vorlegen müssen. Einzig die drei "frischen" Zweitliga-Aufsteiger Osnabrück, Karlsruhe und Wehen Wiesbaden tauchen in der Bilanz auf. Der SCP investierte 8,4 Millionen Euro in seine Arbeitskräfte. Mehr war es beim Karlsruher SC (9,0), deutlich weniger beim SV Wehen Wiesbaden (6,8) und besonders beim VfL Osnabrück, der nur 4,8 Millionen Euro in die Hand nahm und wohl auch in der Saison 2018/19 einen der "günstigsten" Aufstiege der vergangenen Jahre gefeiert haben dürfte. Bayern München läuft (fast) allen davon Es hätte keiner Bestätigung bedurft, doch die DFL-Bilanz zeigt: An den Bayern kommt keiner vorbei. Satte 456 Millionen Euro Eigenkapital weist der Rekordmeister auf, abgeschlagen landen der BVB (336 Millionen) und die TSG Hoffenheim (211 Millionen) auf den Plätzen. Stark negativ ist das Eigenkapital einzig bei Hertha BSC (minus 63 Millionen). Auch den höchsten Personalaufwand betrieben die Bayern mit 315 Millionen Euro - weit vor dem BVB (187 Millionen) und überraschend dem VfL Wolfsburg (128 Millionen), der 2017/18 trotz des sündhaft teuren Kaders gegen Zehn-Millionen-Team Holstein Kiel in die Abstiegsrelegation musste. Die DFL hat heute erstmals die Finanzkennzahlen aller Bundesliga-Vereine veröffentlicht. Basierend auf dem letzten abgeschlossenen Geschäftsjahr der Klubs ergibt sich beim Personalaufwand (primär: Spielergehälter) folgendes Bild für die Saison 2017/2018: pic.twitter.com/RlrojGqAWd — worum.org (@worum_org) 29. Mai 2019 Doch nicht in jeder Bilanz grüßt Bayern München von der Spitze. Die höchsten Gebühren an Spielerberater überwies nämlich mit Abstand Borussia Dortmund (41 Millionen Euro), vor dem FCB (22,4 Millionen) und Wolfsburg (21,6 Millionen). Zum Vergleich: Damit blätterte der BVB mehr Geld für Berater hin, als etwa der SC Freiburg und der FC Augsburg für seinen gesamten Mitarbeiterstab bezahlte.Und wie geht es den OWL-Klubs? Auch Arminia Bielefeld verzeichnete Ende Juni 2018 laut DFL noch ein negatives Eigenkapital von sieben Millionen Euro. Unter anderem drohte dem Klub Ende 2017 die Zahlungsunfähigkeit, ehe sich das regionale Konsortium "Bündnis OWL" bildete, das unter anderem auch die Schüco-Arena erwarb und den Verein damit binnen kurzer Zeit netto-finanzschuldenfrei machte. Wenig besser sah die Situation beim SC Paderborn aus, dessen negatives Eigenkapital auf 7,7 Millionen Euro angestiegen war - zudem hatte der SCP den Aufstieg mit einem Jahresfehlbetrag von knapp 4,4 Millionen Euro bezahlt. Durch den Durchmarsch in die Bundesliga dürfte der gröbste finanzielle Engpass aber vorerst beseitigt sein.

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