Die Zuschauer-Rolle gewohnt: Jerome Boateng dürfte seine letzte Saison für den FC Bayern gespielt haben. - © WITTERS
Die Zuschauer-Rolle gewohnt: Jerome Boateng dürfte seine letzte Saison für den FC Bayern gespielt haben. | © WITTERS

Kolumne "Steinwurf" „Boateng ist der Absteiger der Saison“

Der Bielefelder und Ex-Nationaltorhüter über das zurückliegende Geschehen in der Fußball-Bundesliga

Uli Stein
20.05.2019 | Stand 21.05.2019, 09:49 Uhr

Der letzte Spieltag in der Bundesliga ist gespielt, die Bayern sind dann doch verdient Meister geworden. An dieser Stelle mein persönliches Ranking der Höhe- und Tiefpunkte einer turbulenten Spielzeit.

Die Mannschaft der Saison ist für mich Eintracht Frankfurt. Weil sie als einzige Deutschland im europäischen Wettbewerb hervorragend vertreten und in der Liga tollen Offensiv-Fußball gespielt hat. Trainer Adi Hütter hat die gute Saison unter Vorgänger Niko Kovac noch einmal verbessert, dazu kam auch der Glücksfall, dass alle Zugänge eingeschlagen haben. Das ist sehr selten. Am Ende hat auch mental die Kraft gefehlt, um ein noch besseres Ergebnis als Platz sieben zu erreichen.

Meine Wertschätzung als Trainer der Saison bekommen gleich zwei starke Typen: Freiburgs Christian Streich und Düsseldorfs Friedhelm Funkel haben aus ihren Mannschaften das Optimale herausgeholt und frühzeitig die Klasse gesichert. Beide zeichnet nicht nur höchste fachliche Kompetenz aus, sondern auch charakterliche. Was beide mit ihren günstigen Teams gezeigt haben, ist sensationell.

Mein Spieler der Saison ist Frankfurts Filip Kostic. Beim VfB Stuttgart und beim Hamburger SV hat er angedeutet, dass er ein feiner Fußballer ist, aber erst in Frankfurt ist er zum kompletten Fußballer geworden. Was Kostic läuferisch, kämpferisch und auch taktisch geleistet hat, verdient meinen größten Respekt. Er ist vielseitig und sehr dynamisch. Natürlich hat Frankfurt die Kaufoption gezogen.

Mein Absteiger der Saison ist ein Weltmeister von 2014: Jerome Boateng. Im Gegensatz zu Mats Hummels, seinem Innenverteidiger-Kollegen beim FC Bayern, hat Boateng nicht mehr aus dem Tief der Hinrunde gefunden und war zuletzt nur noch eine Randfigur. Obwohl er einen bis 2021 gültigen Vertrag hat, steht er bei den Bayern zu Recht vor dem Abschied.

Mein klarer Flop der Saison ist der Videoschiedsrichter. Was da teilweise aus dem Kölner Keller kam, war kontraproduktiv für den Fußball und wird ihn in seiner jetzigen Form kaputtmachen. Wir hatten alle gehofft, dass es im zweiten Jahr besser wird, aber es wurde noch schlechter, weil die Video-Schiedsrichter auch noch falsche Entscheidungen getroffen haben. Für mich gehört diese „Erfindung" abgeschafft, vor allem im Sinne der Fans im Stadion, die oft minutenlang nicht wissen, ob sie sich freuen können oder nicht.

Die Persönlichkeit der Saison ist Werder Bremens Claudio Pizarro – und das nicht nur wegen seines Alters. Auch mit 40 Jahren zeigt er noch seine Torgefahr, ist so trickreich und ballsicher wie wenig andere Spieler. So einen kompletten Spieler habe ich selten gesehen. Dazu hat er eine Aura, die seine Mannschaftskollegen mit seinen Einwechslungen auf ein höheres Niveau hebt. Darum freut es mich sehr, dass sein Vertrag noch einmal verlängert wird.

Die Lehre der Saison: Greift die Bayern an! In dieser Spielzeit haben mutige und stabile Mannschaften wie Düsseldorf und Freiburg gezeigt, dass die Bayern verwundbar sind, wenn man sie attackiert. Auch wenn die Bayern zur neuen Saison kräftig investieren und besonders die Abwehr stärken, muss sich das ganze Gebilde erst noch finden. Auch für die Bayern gilt: Geld allein garantiert noch keinen guten Fußball.

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