Mit der Aufgabe schnell gewachsen

Zweitliga-Torschützenkönig Eigler zeigt nach nur 32 Minuten seine Qualitäten - Mit Fotos zum Thema

VON RAINER KLUSMEYER

Hamburg. Sein Trikot ziert die Rückennummer 9. Die Zahl der Torjäger seit alters her. Die Neun als Verpflichtung, die signalisiert: Ich bin bereit dahin zu gehen, wo sich die härtesten Toreverhinderer aufgebaut haben, wo es also meistens weh tut, wo Spiele entschieden werden. Wo sich aber auch, wenn die Neun ihre Arbeit erfolgreich verrichtet, die meisten Jubelknäuel bilden. 32 Minuten brauchte Christian Eigler, um sich erstmals auf höchster Fußballebene als würdiger Träger der magischen Zahl zu beweisen.

"Erleichtert" sei er gewesen, als der Ball, auf den Weg Richtung Netz gebracht mit einem feinen Linksschuss, tatsächlich zur Führung hinter HSV-Keeper Sascha Kirschstein gelandet war. Das Spielgerät hatte sich ein paar Zehntelsekunden lang überlegt, ob es dem Stürmerwunsch entsprechen wollte, war vom rechten Innenpfosten die Torlinie entlang getrudelt, um sieben Meter weiter links endlich sichtbar sein Einverständnis zur Eiglerschen Absicht erklärt zu haben.

"Gleich in meinem ersten Bundesligaspiel ein Tor zu erzielen, ist natürlich eine Riesensache", meinte der 22-Jährige und ergänzte nach kurzer Gedankenpause: "Gerade nach der Vorbereitung, die ich gehabt habe."

Es hatte sich ganz gut angelassen nach dem Wechsel von der SpVgg Greuther Fürth, wo Ex-Armine Benno Möhlmann aus alter Verbundenheit freundlicherweise jedes Jahr ein neues Talent für den DSC ausbildet und nach Heiko Westermann einen zweiten vielversprechenden jungen Mann nach Bielefeld ziehen lassen musste.

Probleme mit den Knien aber warfen den wuchtigen Angreifer zurück, ein Kurzeinsatz beim Härtetest gegen den FC Utrecht (3:3) offenbarte großen Trainingsrückstand, und deshalb herrschte noch am Dienstag Trainer Thomas von Heesen einen nach Eiglers Einsatzchance für das Hamburg-Spiel fragenden Radioreporter an, daran sei kein Gedanke zu verschwenden.

Nach dem Freitagtraining "habe ich ein bisschen geahnt", erzählte der Schütze des ersten Bielefelder Saisontores, dass er zur ersten Elf gehören könnte, endgültig gewusst, "als ich es vor dem Spiel in der Kabine schwarz auf weiß gesehen habe". Viel Zeit sich auf die neue Situation umzustellen, womöglich weiche Knie vor der 50.000-Mann-Kulisse und dem großen Namen des Gegners zu bekommen, blieb da nicht mehr. Der Ex-Fürther beließ es bei der prinzipiellen Einstellung des ganzen Teams: "Wir konnten doch locker aufspielen - und das war unser großes Plus."

Aus vier Jahren Fürth und damit Zweitklassigkeit Duelle mit Abwehrrecken aus Burghausen, Erfurt, Siegen oder Ahlen gewohnt, kann Eigler nun nach 61-minütiger erstklassiger Bewährungsprobe einen ersten Vergleich ziehen: "Sooo gravierend", und er dehnt das O, sei der Unterschied eigentlich nicht. Das Tempo sei ein wenig höher, und "man darf nicht eine Sekunde in der Konzentration nachlassen", hat der im Zweikampf stabile 1,85-Meter-Mann als wesentliche Erkenntnis mitgenommen. Gern hätte die neue Neun auch eine Bewertung nach komplettem Mitwirken abgegeben, doch schon früh im Spiel erhielt Eigler einen Schlag aufs Knie, hielt durch, "bis die Schmerzen zu groß wurden".

Die Verletzung stellte sich jedoch als nicht schwerwiegend heraus, so dass der Zweitliga-Torschützenkönig der Vorsaison auch beim ersten Heimspiel gegen den VfB Stuttgart (Sonntag, 17.00 Uhr) zur Anfangsformation zählen könnte. Und somit eine gute, alte Arminia-Tradition fortsetzen. Seit 1980 mit einem gewissen Christian Sackewitz hat der DSC beim Kampf um die Bundesliga-Zugehörigkeit mehrfach (Fritz Walter, Bruno Labbadia, Artur Wichniarek) auf die Trefferdienste des besten Zweitliga-Torjägers gebaut.

Als gutes Omen mag betrachtet werden, dass sich dabei mit Wichniarek der neue Mann an Eiglers Seite ("Das Zusammenspiel klappte schon gut") mit zwölf Treffern am besten schlug. Der Ex-Fürther aber hat natürlich längst das oberste Arminia-Gebot verinnerlicht, das den Teamgeist über jeden noch so erfreulichen persönlichen Erfolg stellt, und sagt deshalb: "Viel wichtiger als mein Tor war für uns der Punktgewinn."

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