Arminia hat Trainer Jeff Saibene entlassen. Unser Kolumnist hat mit der Entscheidung so seine Schwierigkeiten. - © Christian Weische
Arminia hat Trainer Jeff Saibene entlassen. Unser Kolumnist hat mit der Entscheidung so seine Schwierigkeiten. | © Christian Weische

Albrechts Arminia Das Ende von Jeff "le Chef" bei Arminia: Einer wie keiner

Jeff Saibene, von den Fans gefeiert, ist nicht mehr Trainer von Arminia Bielefeld.

1. September 2018: Vom Strafraumeck flankt Joan Edmundsson in den Sechzehner, wo sich Fabian Klos in die Höhe schraubt und aus fünf Metern zum 4:3 gegen Jahn Regensburg einköpft. Ekstase bei den Arminen, die nach vier Spieltagen nun bereits sieben Punkte auf dem Konto haben und durch Patrick Weihrauch sogar noch Tor Nummer Fünf oben drauflegen. Es ist der letzte Heimsieg, den Arminia unter Jeff Saibene holt. Drei Monate später steht mit Uwe Neuhaus ein neuer Mann an der Seitenlinie. Es bleibt die Frage: War es die richtige Entscheidung? Seit Aufstiegsheld Stefan Krämer ist den DSC-Anhängern wohl kein anderer Trainer auch nur annähernd so sehr ans Herz gewachsen wie Jeff Saibene. Der Luxemburger zeigte sich stets authentisch, nahm kein Blatt vor den Mund und wusste mit attraktivem Fußball zu überzeugen. Es wurde viel über die Gründe der sportlichen Talfahrt diskutiert. Was auch immer die Entscheidungsträger dazu bewegt hat, den 50-Jährigen zu entlassen. Es bleibt die Frage, die sich nicht nur Fans stellen: War das wirklich die richtige Entscheidung? Trotz einer Sieglos-Serie von zehn Spielen in Folge steht der DSC immer noch vier Punkte vor dem Relegationsplatz. In Paderborn gelang ein außerordentlich gutes Auswärtsspiel, nach dem die Fans ihre Mannschaft feierten. Saibene wurde mit lautstarken Sprechchören sogar nach Verlassen des Platzes zurück in die Kurve gerufen. Eine Woche später nun das Aus? In der Winterpause hätten Mannschaft und Trainer viel Zeit gehabt, das Geschehene aufzuarbeiten und einen Neustart anzustreben. Es kann nicht alles schlecht sein, was zuvor blendend funktioniert hat. Was wirklich zwischen Mannschaft und Trainer passiert ist, bleibt Spekulation. Hat zuletzt etwa der Spielerrat über Aufstellung und Taktik bestimmt, wie es ein Reporter bei der Vorstellung von Neu-Trainer Neuhaus unterstellte? Wohl eine überspitzte Darstellung, da ein Trainer die Mannschaft selbstverständlich intensiver in den Entscheidungsprozess miteinbezieht, wenn sie über einen längeren Zeitraum abbaut. Die Talfahrt ist und bleibt ein Rätsel. Es war noch nicht zu spät Trotz des andauernden Abwärtstrends ist die Tabellensituation noch nicht so dramatisch, als dass man unbedingt hätte eingreifen müssen. Ganz offensichtlich fehlte den Verantwortlichen der Glaube, zusammen mit Saibene eine langfristig erfolgreiche Zukunft gestalten zu können. Man kann nach zehn sieglosen Spielen zu dieser Einschätzung kommen, es war keine völlig absurde Entscheidung, zumal die spielerische Linie sichtbar verloren ging. Doch Saibene hätte das Zeug gehabt, die Wende herbeizuführen. Das hat er selbst mit dem Klassenerhalt im ersten und dem vierten Platz im zweiten Jahr bei Arminia bewiesen. Mit der zusätzlichen finanziellen Belastung aufgrund des bis 2021 dotierten Vertrag Saibenes muss der DSC jedenfalls leben. Nicht umsonst ist der 50-Jährige seit seiner Zeit bei Arminia ins Visier anderer Klubs geraten. Menschlich und fachlich verliert Arminia einen sehr guten Trainer, den wir sicherlich bald wieder an der Seitenlinie sehen werden. Sollte er nicht zurück in die Schweiz gehen, wird der ein oder andere Zweitligist über ihn nachdenken. Zum Schluss bleibt nur noch eines sagen: Merci, Jeff le Chef. Und auf bald!

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