Noch hat Jeff Saibenes Mannschaft den Kredit bei den Fans nicht ganz verspielt. Szenen nach dem Ingolstadt-Spiel. - © Wolfgang Rudolf
Noch hat Jeff Saibenes Mannschaft den Kredit bei den Fans nicht ganz verspielt. Szenen nach dem Ingolstadt-Spiel. | © Wolfgang Rudolf

DSC-Kolumne Albrechts Arminia: Finanzen hui, Fußball pfui - und nun, DSC?

Kolumne von Patrick Albrecht

Patrick Albrecht
18.11.2018 | Stand 18.11.2018, 19:44 Uhr

Es könnte alles so schön sein: Noch vor einem Jahr plagten Arminia Bielefeld mehr als 29 Millionen Euro Schulden. Die Zahlungsunfähigkeit und der Lizenzverlust waren längst zur realen Gefahr geworden. Heute verbleiben mit dem Stadionverkauf als letztem Schritt des Sanierungsprojektes nur noch 2,5 Millionen Euro an Verbindlichkeiten. Aber es wäre wohl nicht Arminia, wenn oben drauf nun auch noch sportlich gute Schlagzeilen geschrieben würden. Die Realität sieht düster aus: Sechs Pflichtspiel-Pleiten in Folge, seit sieben Spielen ist der DSC sieglos. Erklärbar ist diese sportliche Misere nur bedingt. Nach den ersten sieben Spieltagen hatte die Saibene-Elf 12 Punkte auf dem Konto, zeigte wie beim 5:3-Heimsieg gegen Jahn Regensburg teilweise spektakulären Fußball. Fürth-Pleite als Knackpunkt Die Leistungsträger blieben unverletzt, im Verein herrschte Ruhe und Zuversicht, die Neuzugänge erwiesen sich als Verstärkung. Wo liegen also die Gründe für den Abwärtstrend? Womöglich stellte sich im Unterbewusstsein der Spieler eine Art Bequemlichkeit ein, die positive Ergebnisse für zu selbstverständlich hielt. Mehrere Spieler, auch Kapitän Julian Börner, bemühten die Metapher vom An-die-eigene-Nase-fassen. Ein Knackpunkt war sicherlich die 2:3-Niederlage im Heimspiel gegen Greuther Fürth. Bringt der DSC die 2:0-Halbzeitführung über die Zeit und erhöht kurz nach Wiederanpfiff bei einer Großchance von Andreas Voglsammer auf 3:0, stellt sich die Frage nach einer Krise gar nicht erst. Solche Kleinigkeiten aber können zu einer Dynamik führen, die schwer aufzuhalten ist. Im Pokal gegen den MSV Duisburg sowie in der Liga gegen Aue und den FC Ingolstadt sahen die Fans schließlich eine zutiefst verunsicherte Mannschaft, die in der Defensive anfällig und in der Offensive erschreckend harmlos agierte. Schönzureden gibt es nichts mehr, das tut immerhin auch kaum jemand. Jeff Saibene muss nun schnellstmöglich Lösungen finden. Viele Rotationen - kein Effekt Eineinhalb Jahre kam die Mannschaft wunderbar mit Saibenes Spielweise zurecht. Was ist passiert? Erklärungsansätze können auch in den vielen Rotationen liegen. Zwanzig Spieler standen in zwölf Spielen schon auf dem Platz. Allerdings ist ein Trainer auch gezwungen, Änderungen vorzunehmen, wenn schlechte Resultate erzielt werden. Die Erfolge der Vergangenheit verschafften dem Trainer einen Kredit, der ihn auch nach sechs Pflichtspiel-Niederlagen in Folge und einem schmeichelhaften Punktgewinn beim Tabellenletzten noch im Amt hält. Die Spieler stehen hinter ihrem Trainer, wie Julian Börner zuletzt eindringlich zum Ausdruck brachte. "Wir wollen nicht, dass er gehen muss." Dennoch braucht es einen Sieg. Egal wie. Verliert der DSC sein nächstes Heimspiel gegen Duisburg, dürften noch düstere Wolken über Ostwestfalen aufziehen. Denn dann ist der Klub wohl endgültig dort angekommen, wo er seit über einem Jahr nicht mehr war: auf den Abstiegsrängen.

realisiert durch evolver group