Arminias Neuzugang Joan Simun Edmundsson hat nicht nur im Heimspiel gegen Dresden gezeigt, welch offensives Potenzial in ihm steckt. - © Wolfgang Rudolf
Arminias Neuzugang Joan Simun Edmundsson hat nicht nur im Heimspiel gegen Dresden gezeigt, welch offensives Potenzial in ihm steckt. | © Wolfgang Rudolf

Albrechts Arminia Stürmische Zeiten auf der Alm

Wenn die Arminen die fehlende Balance in den Griff bekommen, ist der DSC einer der Geheimfavoriten auf den dritten Platz

Patrick Albrecht

Es gibt weitaus beliebtere Auswärtsfahrten als die nach Bielefeld. Nicht etwa, weil die Stadt angeblich wenig zu bieten hat oder das ostwestfälische Wetter immer schlecht ist. Es liegt daran, dass auf der Alm meistens nichts zu holen ist. Diesen Ruf haben sich Jeff Saibene und seine Mannschaft in der letzten und bisherigen Saison erarbeitet. Nur Aufsteiger Düsseldorf sowie Holstein Kiel und Union Berlin verloren in der Spielzeit 2017/18 weniger Heimspiele als der DSC. Und auch in der neuen Saison gab es bisher zwei Siege aus zwei Heimspielen. Die Devise lautet: volle Offensive. Sehr lange mussten die Arminen auf eine solche Spielphilosophie warten. Norbert Meier war ein Freund von Safety First. Zugegeben - zum damaligen Zeitpunkt erfolgreich und deshalb richtig. Nachfolger Rüdiger Rehm probierte es offensiver, scheiterte jedoch. Genau wie Jürgen Kramny. Mit Jeff Saibene kam eine neue Spielkultur nach Bielefeld, die den Fans wahre Freude in die Herzen spült. Mit Sturm und Drang nach vorne Fußball ist letzten Endes eine Unterhaltungsbranche. Und Unterhaltung bekommen die Arminen geliefert. In weiten, aber doch regelmäßigen Abständen, fegt über die Alm-Besucher ein Orkan hinweg: Das 6:0 gegen Eintracht Braunschweig, 5:0 gegen den FC St. Pauli sowie das jüngste 5:3 gegen Jahn Regensburg sind beste Beispiele. Mit Nils Seufert und Joan Edmundsson sind Samir Arabi zwei Tranfers gelungen, die die Mannschaft direkt auf ein höheres Niveau gehoben haben. Edmundsson ist schnell zum Schlüsselspieler geworden. Der 27-Jährige von den Färöer-Inseln hat bereits fünf Scorerpunkte gesammelt und damit einen gehörigen Anteil daran, dass Arminia nach vier Spieltagen schon acht Tore gelungen sind. Die Defensive muss aufpassen Warum es in der letzten Saison noch nicht für den ganz großen Wurf gereicht hat, liegt an der zum Teil fehlenden Balance zwischen Offensive und Defensive. Die ist auch heute noch nicht gegeben: Sechs Gegentore in den letzten beiden Spielen sind eindeutig zu viel. Auch wenn die Gegentreffer gegen Regensburg nicht aus einer Kontersituation entstanden, die auf die offensive Spielausrichtung zurückzuführen sind. Doch die Abwehr wirkte grundsätzlich löchrig und nicht wach genug. Bekommen die Arminen das in den Griff, ist der DSC einer der Geheimfavoriten auf den dritten Platz. Läuft alles normal, dürften die ersten beiden Plätze an die Schwergewichte 1. FC Köln und Hamburger SV vergeben sein. Wer dahinter bis zum Schluss oben mitspielt, ist zu einem so frühen Zeitpunkt nur vage zu prognostizieren. Was sicher scheint: So oder so werden die Arminen noch viele Tore in der heimischen Schüco-Arena feiern dürfen. Zusammen mit Lothar Buttkus: Es ist eine schöne Geste des Vereins, dass die Stimme des verstorbenen langjährigen Stadionsprechers auch weiterhin nach Toren des DSC im Stadion zu hören ist. Ein Stück Tradition, das so konserviert und der Liebe Buttkus' zum Verein gerecht wird.

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