Die Südtribüne mit einer beeindruckenden Choreo vor dem Spiel gegen Kaiserslautern. - © Christian Weische
Die Südtribüne mit einer beeindruckenden Choreo vor dem Spiel gegen Kaiserslautern. | © Christian Weische

Albrechts Arminia Warum sich Fans nach dieser WM besonders auf den DSC freuen können

Kolumne über Arminia Bielefeld

Patrick Albrecht

Keine Frage: Diese Weltmeisterschaft war aus deutscher Sicht enttäuschend. Aber sie hatte auch ihr Gutes. Sie hat gezeigt, weshalb sich die Fans wieder umso mehr auf den DSC freuen können. Ballbesitz. Ballbesitz. Ballbesitz. Keine Zeigerumdrehung verging ohne ergebnislose Ballstafetten der deutschen Elf. Tore hat es nicht gebracht, dafür die mangelnde Inspiration der alten Weltmeister aufgedeckt. Natürlich zauberte die Saibene-Elf in der zweiten Liga nicht 34 Spieltage in Folge Glanz und Gloria auf den Rasen. Aber 51 Tore belegen eine offensive Ausrichtung, die die gegnerische Abwehr oft vor Probleme gestellt hat. Nicht zu vernachlässigen: Jeff Saibene ist ein Trainer, der stets das Leistungsprinzip vor frühere Verdienste gestellt hat. Nationalspieler Marc-Andre ter Stegen dürfte das mit einem weinenden Auge sehen. Zwar war das zunächst zum Nachteil für verdiente Spieler wie Fabian Klos, die die Situation jedoch angenommen und sich in die Mannschaft zurückgespielt haben. Das ist gesund. Genau so muss es funktionieren. Auf der Alm gibt's ehrlichen Fußball Bei der deutschen Nationalelf haben in diesem Jahr Spielerpersönlichkeiten gefehlt, die die WM-Helden Schweinsteiger und Lahm ersetzen konnten. Spielerpersönlichkeiten beim DSC? Börner, Schütz, Voglsammer, Klos. Julian Börner und Tom Schütz gehen so schnell nicht mehr. Bei Fabian Klos war es zum Teil nicht sicher, dennoch wird er wohl bleiben. Die unsicherste Personalie ist und bleibt Andreas Voglsammer. Doch wenn kein lukratives Angebot aus seinem Traumziel England kommt, dann bleibt er dem wohl DSC erhalten. Stur, hartnäckig, kämpferisch. Das sind ostwestfälische Tugenden. Die Arminen wissen, wo sie herkommen und mit welchen Mitteln sie zu Werke gehen müssen. In den Aussagen von Samir Arabi und Markus Rejek klingen stets Demut und Bescheidenheit durch. Das ist nicht überall so. Die DFB-Elf sieht sich als Premium-Produkt. „Die Mannschaft", ein im Olymp angekommenes Ideal, das unumstößlich schien. Der sagenhafte Marketingboom und eine Kommerzialisierungswelle, die die Nationalspieler auf ein nicht zu erreichendes Podest gestellt haben, haben die Fallhöhe und Überheblichkeit nach oben geschraubt. Auch der DSC wird sich der Kommerzialisierung nicht verschließen können. Das ist spätestens mit dem Bündnis Ostwestfalen nicht mehr zu schaffen. Aber wenn die Fans auf die Alm kommen, sehen sie eine Mannschaft, die ehrlichen Fußball zeigt. Um nicht zu sehr schwarz und weiß zu malen: Arminia Bielefeld ist nicht der FC Barcelona und die DFB-Elf nicht die indonesische Nationalmannschaft. Die Arminen kommen aus einem tiefen Tal der Drittklassigkeit, Jogi Löw und die Nationalelf vom Weltmeisterthron. Die letzten zwölf Jahre waren vielleicht sogar die schönsten in der DFB-Historie. Aber diese Weltmeisterschaft hat uns gezeigt, dass Zweitligafußball manchmal eben doch schöner sein kann als die große Weltbühne. Fotostrecke: So war's im Trainingslager der Arminia

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