Hermann Richter, Schatzmeister und zweiter Vorsitzender von Arminia Bielefeld, zeigt während der Vorstellung der Bilanz eine Euro-Münze. FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Hermann Richter, Schatzmeister und zweiter Vorsitzender von Arminia Bielefeld, zeigt während der Vorstellung der Bilanz eine Euro-Münze. FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Finanziell geht es bei Arminia Euro für Euro voran

Schuldenstand nahezu unverändert / Gläubiger geben sich sehr kooperativ

Von PETER BURKAMP und JÖRG FRITZ

Bielefeld. Trotz Abstiegskampf und drohender "getgoods.de"-Pleite - was die Finanzen angeht, blicken die Verantwortlichen Arminia Bielefelds zumindest ein wenig entspannter in die Zukunft als noch vor einem Jahr. "Damals habe ich gesagt, wir sind knapp am Eisberg vorbeigeschrammt. Heute kann ich sagen, dass wir wieder ein bisschen Diesel im Tank haben", sagte Arminias Schatzmeister, der Betriebswirtschafts-Professor Hermann Richter.

Die Verbindlichkeiten der Arminia-Gruppe, die aus der KGaA des Profibereichs, der Stadiongesellschaft und dem eingetragenen Verein besteht, sind im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr (jeweils 30. Juni) mit 25,669 Millionen Euro (2012 waren es 25,7 Millionen) nahezu gleich geblieben. Durch Verzichte und Tilgungsleistungen konnte der DSC das Verbindlichkeitsniveau halten, und das trotz der dürftigen Einnahmesituation im zweiten Drittligajahr. Wie geplant gab es Veränderungen bei den Schuldnern. Nun trägt die Alm-KG mit rund 20 Millionen Euro den größten Teil der Last. Vorher war es der e.V. mit knapp 19 Millionen. Die Verbindlichkeiten der Alm-KG setzen sich wie folgt zusammen: 11,3 Millionen Kreditinstitute, 2 Millionen Stadt Bielefeld, 8 Millionen private Geldgeber und 4,1 Millionen innerhalb der Arminia-Gruppe.

Gerrit Meinke, seit Sommer Geschäftsführer der Stadiongesellschaft, berichtete von "sehr, sehr guten Gesprächen mit nahezu allen Gläubigern. Die Bereitschaft, Arminia zu unterstützen, ist bei jedem Kapitalgeber da." Meinke verhandelt mit den Gläubigern über Stundungen und Streckungen bezüglich Zins und Tilgung. Diese Situation weiter zu verbessern, ist sein Ziel. "Es wird ein Marathon-Lauf", so der Ex-Armine. Weiter ein großes Thema ist die Umwandlung von Darlehen in Anteile an der Stadiongesellschaft. Da es mehr als erwartet juristische und steuerliche Fragen zu klären gab, sind bisher erst 2,5 Millionen zur Wandlung garantiert. Weitere 2,5 Millionen sollen Anfang 2014 folgen. Insgesamt ist Arminia nach eigenen Angaben in der Lage, Zins und Tilgung zu bedienen.

Da ligaabhängige Konditionen vereinbart worden seien, gelte das auch für die 3. Liga. Marcus Uhlig stellte jedoch unmissverständlich klar, "dass der Klassenerhalt in der 2. Liga über allem steht und unser vorrangiges Ziel ist". Nur dann kann Arminia ohne weitere Zuwendungen von Dritten den Spielbetrieb aufrecht erhalten. Die Planungen der KGaA für die aktuelle Zweitligasaison gingen bis Mittwoch vergangener Woche auf. Der drohende Ausfall des Hauptsponsors "getgoods.de" machte dem DSC einen Strich durch die Rechnung. "Wir hatten die insgesamt anvisierten 4,9 Millionen Euro Sponsorengelder schon jetzt sicher", berichtete KGaA-Geschäftsführer Marcus Uhlig. Nun fehlen 500.000 Euro. Uhlig gibt sich jedoch kämpferisch: "Seit Donnerstag arbeiten wir daran, den Ausfall zu kompensieren. Es gibt einige gute Ideen."

Derzeit prüft der DSC mit Vermarkter Sportfive die vertragliche Situation und mögliche Perspektiven. Trotz des "getgoods.de"-Ausfalls will der DSC weitere erhebliche Tilgungen bis Ende 2013 leisten. Wichtig sei insgesamt, dass die KGaA ihre Eigenkapitalquote stabil halte, sonst drohe eine Geldstrafe der DFL, so Uhlig.

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