Arminia-Präsident Laufer: "Uns fehlt der Event-Charakter"

Interview zur sportlichen Lage und zu den Finanzen

Laufer: "Uns fehlt

der Event-Charakter" - © Arminia
Laufer: "Uns fehlt
der Event-Charakter" | © Arminia

Bielefeld. Das Geschenk der Fußball-Profis des Zweitligisten Arminia Bielefeld zum 65. Geburtstags ihres Präsidenten Hans-Jürgen Laufer am Freitag hätte üppiger ausfallen können. Die ersatzgeschwächte Mannschaft von Trainer Stefan Krämer kehrte mit einem wenig überzeugenden 0:0 aus Osnabrück zurück. Heute trifft sich die gesamte Arminen-Familie um 19.05 im Krombacher Business-Club der Schüco-Arena zur Jahreshauptversammlung. Jörg Fritz sprach mit Hans-Jürgen Laufer über die aktuelle Situation beim Aufsteiger.

Herr Laufer, sportlich liegt die Mannschaft auf einem Abstiegsplatz. Finanziell sorgt die Zahlungsunfähigkeit des Trikot- und Hauptsponsors Getgoods.de für negative Schlagzeilen. Was ist los bei Arminia?
HANS-JÜRGEN LAUFER:
In den Gremien und im sportlichen Bereich wird gute Arbeit geleistet. Deshalb haben wir diese aktuelle Situation auch nicht verdient. Die Probleme bei unserem Trikotsponsor waren nicht absehbar. Sensibel und ruhig gehen wir diese neue Sachlage an.

Arminia Bielefelds Präsident Hans-Jürgen Laufer bereitet sich auf die heutige Jahreshauptversammlung vor. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Arminia Bielefelds Präsident Hans-Jürgen Laufer bereitet sich auf die heutige Jahreshauptversammlung vor. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Welchen sportlichen Weg wird der Aufsteiger beschreiten?
LAUFER:
Wir schaffen den Klassenerhalt. Zu 100 Prozent. Da bin ich mir sicher, weil es innerhalb der Mannschaft stimmt. Die aktuelle Phase mit den sportlichen Rückschlägen haben wir einkalkuliert. Momentan fehlen uns der Event-Charakter und die Lockerheit im Team. Ich erinnere an das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf, als wir mit großer Leidenschaft trotz zweimaligen Rückstandes 4:2 gewonnen haben.

Nach sechs Meisterschaftsniederlagen in Folge wird die Kritik an Trainer Stefan Krämer und am sportlichen Leiter Samir Arabi lauter. . .
LAUFER:
Es ist ein gutes Recht der Fans, ihren Mund aufzumachen. Wir hören uns alle Anmerkungen und Ratschläge an. Bei Arminia wird nämlich nichts unter den Teppich gekehrt. Allerdings gibt es keinen Knopf, den man nur umzudrehen braucht.

Wie sieht es mit Nachverpflichtungen in der Winterpause aus?
LAUFER:
Wir müssen zunächst an die Finanzen denken. Aufgrund des guten Zuschauerzuspruchs haben wir etwas auf die Seite legen können. Dann folgte die Getgoods-Misere. Wir werden uns daher keinen gestandenen Zweitligaspieler leisten können. Der Neue oder die Neuen müssen in unser Finanzkonzept passen. Die aktuelle Finanzsituation entspricht der vor Serienbeginn. In Sachen Getgoods gilt es, momentan die rechtlichen Dinge auszuloten, um aus dem gültigen Vertrag heraus zu kommen.

Hat sich der Schuldenstand in den vergangenen zwölf Monaten von 25 Millionen Euro verringert?
LAUFER:
Die genauen Zahlen werden erst heute präsentiert. Sie werden aber nicht besser und nicht schlechter sein als 2012. Schließlich hat der Aufstieg durch Prämienausschüttungen Geld gekostet. Die Gläubiger sind uns allerdings sehr wohlgesonnen.

Wie erfolgreich war in den vergangenen Monaten die Aktion der Darlehensumwandlung in Anteile an der Stadiongesellschaft?
LAUFER:
Vor einem Jahr waren wir ein wenig zu optimistisch. Diese Dinge greifen nicht von heute auf morgen. Mittlerweile haben wir die Wandlungsverträge unterschrieben. Die Gegenseite wird bald folgen.

Sie sind seit dem 21. August 2013 Arminia Bielefelds neuer Präsident. Welche Erfahrungen haben Sie in dieser Zeit gesammelt?
LAUFER:
Es ist schon ein gravierender Unterschied, ob man Vize-Präsident oder Chef des Vereins ist. Ich bin eigentlich immer noch in der Probezeit, da ich noch keine 100 Tage im Amt bin. Ich brauchte schon Zeit, um anzukommen.

Nach dem Aufstieg war Arminia Bielefeld in aller Munde. Hatten Sie mit einem derartigen Zuspruch gerechnet?
LAUFER:
Für diese Sympathie-Zuwendungen sind wir sehr dankbar. Wir sind wieder wer, weil saubere und ehrliche Arbeit honoriert worden ist. Zur aktuellen Situation gilt: In diesen Tagen muss jetzt auch etwas passieren. Und es wird auch etwas passieren. Das verspreche ich.

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