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Stefan Krämer und sein Trainerkollege Michael Bauer (r.) analysieren das Leistungsdiagramm eines Spielers. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Stefan Krämer und sein Trainerkollege Michael Bauer (r.) analysieren das Leistungsdiagramm eines Spielers. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Arminia: Traumnote 10 ist fast unerreicht

Trainer Krämer und sein Kollege Bauer verraten die Bewertungskriterien für die DSC-Profis

18.10.2013 | Stand 18.10.2013, 16:48 Uhr

Bielefeld. Arminia Bielefelds Coach Stefan Krämer muss bis heute Abend um 18.30 Uhr einige knifflige Aufgaben lösen. Bis zum Anstoß des Zweitligaspiels beim VfR Aalen gilt es, zwei Problemfelder in den Griff zu bekommen: den verletzungsbedingten Ausfall von Torjäger Fabian Klos sowie die zu hohe Zahl an Gegentoren.

Bei diesem schwierigen Unterfangen, nach zwei Meisterschaftsniederlagen in Folge durch ein weiteres Misserfolgserlebnis nicht in eine negative Spirale zu geraten, verlässt sich Krämer auf ein individuelles Bewertungssystem, das er gemeinsam mit seinem Co-Trainer Michael Bauer betreibt.

"Jede Übungseinheit wird dokumentiert", erläutert Krämer. Passfolgen, Ballwege oder das Verhalten beim Spiel auf einem verkleinerten Feld werden ebenso lückenlos in die Analyse aufgenommen wie eine persönliche Bewertung der Spieler in den drei Kategorien positiv, negativ und neutral. Michael Bauer macht sich unmittelbar nach Trainingsende handschriftlich Notizen, ehe später die Reinschrift im Laptop erfolgt. Diese Aufarbeitung wird von Bauer gepflegt, der 45 Minuten für diesen Arbeitsaufwand benötigt.

Eine zweite Ebene der Bewertung findet im Rahmen der Meisterschaftsspiele statt. "Wir benoten die Spieler von 1 bis 10, wobei 10 das Nonplusultra ist", verrät Krämer. "Diese Traumnote, die höchste Zufriedenheit und noch ein bisschen mehr ausdrückt, wird jedoch nur höchst selten vergeben", ergänzt Bauer. So wird beispielsweise ein Spieler, der drei Tore erzielt, nicht automatisch mit einer 10 bedacht. "Er kann durchaus eine schlechtere Note bekommen, wenn er beispielsweise einige Male Defensivaufgaben vernachlässigte", erklärt Krämer. Die Durchschnittsnote in den bisher zehn austragenen Zweitligaspielen liegt im 7er-Bereich.

Aufgrund dieser ermittelten Werte im Training und bei den Spielen werden Leistungskurven der Spieler in Diagrammform erstellt, "die uns Entwicklungen der Profis verdeutlichen", sagt Bauer. Aus dieser Datenbank werden den DSC-Profis dann in Einzelgesprächen Stärken oder Schwächen mitgeteilt. "Es ist ein sehr transparenter Vorgang", sagt Stefan Krämer.

Mosaikstein im Meinungsbildungsprozess

Dieses Verfahren ist aber nur ein Mosaikstein im Meinungsbildungsprozess der beiden Coaches bezüglich der elf stärksten Akteure für den bevorstehenden Spieltag. Neben den Kurvenstatistiken bilden auch Videoszenenschnitte eine wichtige Entscheidungshilfe, den richtigen Mann für den entsprechenden Job auf dem Rasen zu finden. "Manchmal genießt ein eher defensiv ausgerichteter Spieler den Vorzug gegenüber einem technisch stärkeren Kollegen, da ich mir von dieser Lösung Vorteile erhoffe", berichtet Krämer. Und wenn sich Krämer und Bauer nach "stundenlangen Diskussionen" (Krämer) auf einer Position immer noch nicht auf einen Spieler einigen konnten, "lasse ich letztlich mein Bauchgefühl entscheiden", betont Arminias Trainer. Für das Aalen-Spiel blieb Felix Burmeister unberücksichtigt, während Anass Achahbar in den 18er-Kader rückte.

Wichtig für Arminia auch an diesem Freitag sei, so Krämer, "dass wir in Aalen den Weg über den Pokalcharakter gehen müssen: Nur mit dieser Art des Fußballs schaffen wir auch das Saisonziel, die Klasse mit rund 40 Punkten auf der Habenseite zu halten." Krämer ist sich ziemlich sicher, dass seine Mannschaft die Lehren aus den jüngsten Niederlagen gezogen hat. "Dinge, die zunächst weh tun, sind auf der Strecke oft sehr lehrreich." Er erinnert an die deutlichen Pleiten in der vergangenen Saison in Münster und in Heidenheim. "Aus diesen Niederlagen haben wir gelernt und die notwendigen Schlüsse für den späteren Aufstieg gezogen."

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