Bielefeld Arminia-Museum steht kurz vor der Eröffnung

Heimat für DSC-Fans

VON LENNART KRAUSE
Fanbeauftragter Christian Venghaus, hinter ihm erinnert die Stahlkonstruktion an die Bauart einer früheren Almtribüne. - © FOTO: WEISCHE
Fanbeauftragter Christian Venghaus, hinter ihm erinnert die Stahlkonstruktion an die Bauart einer früheren Almtribüne. | © FOTO: WEISCHE
Arminia-Museum steht kurz vor der Eröffnung - © Bielefeld
Arminia-Museum steht kurz vor der Eröffnung | © Bielefeld

Bielefeld. Es gibt Fußballvereine, wie 1899 Hoffenheim, die versuchen über ihren Namen eine nicht vorhandene Tradition zu erzeugen. Und es gibt Vereine, wie Arminia Bielefeld, die Tradition haben. Mit dem neuen Arminia-Museum unter der alten Haupttribüne können Fans die Geschichte ihres Clubs ab Donnerstag nicht nur bestaunen, sondern erleben.

Erster Schritt in das Museum. Ein leises Rauschen. Nächster Schritt. Sprechchöre. Wieder geht ein Fuß vor. Frenetischer Jubel. Wer das neue Arminia-Museum betritt, darf sich wie ein Spieler fühlen. Ein Spieler, der zu bestenBundesligazeiten für die Arminia gegen den Ball trat. Der Weg in das Museum führt durch einen nachgebauten Spielertunnel. Ein Soundsystem spielt vom Band den Enthusiasmus der Fans ab. Und ähnlich, wie sich der erste Schritt auf den Rasen der Alm anfühlen muss, fühlt sich der erste Blick in das Museum an.

Der Fußboden ist mit Kunstrasen überzogen. Die Wände erinnern durch gigantische Fotos an die Helden der Clubgeschichte. Und dann, inmitten des Raumes, ragen acht Säulen gen Decke. "Sie zeigen die Vielfalt unseres Vereins und seiner Geschichte", sagt Fanbeauftragter Christian Venghaus.

Zwei Säulen zeigen Aufnäher und Schals, die die besondere Beziehung der Fans zu ihrer Arminia wiederspiegeln. Sind sie doch die große Konstante in der Historie des 1905 gegründeten Fußballclubs – und in ihrer Gattung eine besondere Art. "Mit dem Museum wollen wir zeigen, dass man Geschichten auch unabhängig von Erfolgen und Pokalen erzählen kann", sagt Thomas Brinkmeier von der Fanbetreuung. Seit Tagen packt er im ehemaligen VIP-Raum unter der alten Haupttribüne mit an, hievt gemeinsam mit Venghaus, Ausstellungsgestalter Thomas Falkenstein und dem Museums- und Ausstellungsstudenten Fabian Schröder, Podeste, Schilder und Erinnerungsstücke an ihren richtigen Platz. "Die meisten Ausstellungsstücke haben wir aus unserem Archiv und von Fans, die sie uns für das Museum geliehen haben", sagt Brinkmeier.

Es ist einiges zusammengekommen. An drei Säulen, die die Geschichte der Fußballmannschaften zeigen, verliert sich das Auge. Etwa an den weißen Schuhen von Jonas Kamper, mit deren Hilfe er 2006 einen Freistoß vorbei an Oliver Kahn zum Siegtreffer gegen Bayern München ballerte. Oder die Handschuhe der Torwartlegenden Mathias "Matze" Hain und Wolfgang Kneib. Natürlich darf eine Autogrammkarte von Jahrtausend-Trainer Ernst Middendorp nicht fehlen. Und ein mit krakeliger Handschrift verziertes Papier von – nicht wie zu vermuten wäre Zettel-Ewald (Lienen) – sondern Benno Möhlmann. Akribisch hatte er sich Notizen zum Spiel gegen Werder Bremen gemacht. Etwa "19. Schuss Ailton" oder "29. Matze hält Micoud-Freistoß".

Doch Besucher des Arminia-Museums können Geschichte nicht nur ansehen, sondern auch anfassen. Zwölf Touchscreens sind in dem Raum installiert. In aufwendiger Recherche- und Gestaltungsarbeit sind auf ihnen 70 digitale Bücher gespeichert. Diese erzählen per Bild, Video und Ton Geschichten besonderer Spiele und Spieler. So gibt es etwa den legendären Torschrei von Radio-Bielefeld-Moderator Ulrich Zwetz beim Sieg gegen Karlsruhe zu hören.

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Eine komplette Säule ist für Medien reserviert. Hier finden sich etwa eine alte Kamera und Negative von NW-Fotograf Wolfgang Rudolf. Außerdem gibt es eine Ecke im Raum für Sonderausstellungen. "Durch die Touchscreens und die Sonderausstellungen können wir die Geschichte stetig fortschreiben", sagt Venghaus. Ein Fingerzeig: Die erste Sonderausstellung befasst sich mit Arminias Aufstieg aus der Dritten in die Zweite Liga 1995.

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