Bielefeld Prozess gegen gewalttätige Fußballfans vor dem Landgericht Bielefeld fortgesetzt

"Wie ein Kommando für den Angriff"

Bielefeld. "Ein auffallend großer Mann stand an der Straßenecke, der ein Handy am Ohr hatte. Dann kam eine Gruppe aus der Wittekindstraße angelaufen", berichtete ein 50-jähriger Mann in der Verhandlung. Vor der III. Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichts ist Donnerstag der Prozess gegen elf Fußball-Hooligans aus der Region fortgesetzt worden, die im Frühjahr eine Gruppe von Werder-Bremen-Fans überfallen hatten. Ein 26-jähriger Mann war bei der Tat beinahe ums Leben gekommen. Am gestrigen Verhandlungstag vernahm die Kammer unter dem Vorsitz des Richters Carsten Nabel mehrere Augenzeugen des Vorfalls. Dabei stellte sich heraus, dass die Passanten und Autofahrer, die das Geschehen aus unmittelbarer Nähe mitbekommen hatten, zum Teil zwar Tritte und Schläge beobachtet hatten. Es fiel ihnen jedoch schwer, einzelne Aktionen konkret bestimmten Beteiligten zuzuordnen. Auch vermochte keiner der Zeugen einen der Beteiligten heute, ein halbes Jahr nach dem Geschehen, wiederzuerkennen. Ein 40-jähriger Bielefelder, der mit seinem Sohn zur Tatzeit gerade vom Einkaufen kam, sagte: "Ich würde den, der getreten hat, nicht wiedererkennen. Ich weiß nur noch, dass er dunkle Kleidung und Sportschuhe trug. Er war kräftig und hatte ein volles Gesicht." Als dem Zeugen Szenen des Polizeivideos, das am Tatort gefilmt worden war, vorgespielt worden war, verunsicherten diesen die Bilder jedoch sichtlich. Ein anderer Zeuge, ein 50-jähriger Versicherungsvertreter aus Bielefeld, war im Auto die Jöllenbecker Straße stadteinwärts gefahren, als direkt vor seinen Augen "eine Menschengruppe die Bremer Fans angriff", wie er zu Protokoll gab. "Es ging alles rasend schnell." Dann hätten zwei der Angreifer auf mehrere Bremer Fans eingeschlagen. "Zwei Männer gingen fast zeitgleich zu Boden. Einer von ihnen lag genau vor meinem Wagen, der andere auf dem Radweg." Er habe dann gesehen, dass Letzterer getreten wurde, räumte jedoch ein, dass er nicht habe erkennen können, ob und wo das Opfer getroffen worden war. Aufgefallen war dem Zeugen hingegen der eingangs erwähnte große Mann, der sich mit einem Mobiltelefon am Ohr an der Ecke Wittekindstraße/Jöllenbecker Straße aufgehalten hatte: "Das sah für mich so aus, als habe er ein Kommando für den Angriff gegeben." Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

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