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Bielefeld Ole Wolff vom Fanprojekt über den Hooligan-Überfall und Folgen in der Ultra-Szene

"Der Schock bleibt hoffentlich hängen"
08.08.2012 | Stand 08.08.2012, 10:16 Uhr
Fan-Projektler Ole Wolff. - © FOTO: SARAH JONEK
Fan-Projektler Ole Wolff. | © FOTO: SARAH JONEK

Die schockierenden Ermittlungsergebnisse im Hooligan-Fall (nw-news.de berichtete) haben für neue Diskussionen in Fan-Kreisen geführt. NW-Redakteur Jens Reichenbach sprach deshalb mit Ole Wolff vom Fan-Projekt über die Lokal Crew, den Schock nach dem Hooligan-Angriff und den erhofften Lerneffekt.

Herr Wolff, sechs von elf beschuldigten Hooligans bezeichneten sich in den Polizei-Vernehmungen als Mitglieder der Fanclubs "Lokal Crew" (LC) oder "Jugend 1214". Einige haben zwischen beiden Gruppen gewechselt. Gehören die zusammen?
OLE WOLFF: Die "Jugend 1214" hat sich als Anlaufstelle für die Jüngeren gegründet, als die Szene großen Nachwuchs-Zulauf hatte. Die "Jugend 1214" ist keine straff organisierte Untergruppe der LC, aber auch nicht unabhängig. Weil sie keine Vereine im engeren Sinne sind, ist eine Definition schwierig.

Kennen Sie Beschuldigte?
WOLFF: Wir kennen einen Großteil der Gruppe, wenn auch nicht gut. Sie sind nicht unbedingt herausragende Personen der Szene gewesen.

Zumindest die LC hat neben der Unterstützung in der Fankurve auch große Bedeutung außerhalb des Stadions. Beispiele sind die Pfand- und Trikot-Aktion sowie der Derby-Marsch vor dem Münster-Spiel. Der Hooligan-Überfall ist hingegen keine gute Werbung.
WOLFF: Das stimmt, der Fall wird auf beide Gruppen zurückfallen. Jetzt geht es darum, wie die Gruppen damit umgehen und welche Konsequenzen sie daraus ziehen.

Die LC hat sich nach Bekanntwerden, dass ein aktuelles und ein ehemaliges Mitglied an dem Überfall beteiligt waren, von der Tat distanziert. Meinen Sie das?
WOLFF: Natürlich auch. Nach dem Überfall gab es ein Fan-Treffen, wo sehr intensiv über die Tat diskutiert wurde. Die Mehrheit hat sich damals deutlich dagegen ausgesprochen. Wir vom Fan-Projekt hätten uns aber gewünscht, dass die Distanzierung teilweise noch deutlicher ausgefallen wäre.

Bei dem Treffen wurden auch Fragen gestellt – etwa nach juristischen Konsequenzen. Ist das richtig?
WOLFF: Solche Fragen hat es tatsächlich gegeben. Wir sprechen hier schließlich von einem Mordversuch. Das ist kein Bäckereidiebstahl mehr. Für viele war das ein Schock. Dieser Schock bleibt bei der aktuellen Fan-Generation hoffentlich hängen. Deshalb sind wir als Fan-Projekt sehr daran interessiert, dass das Nachdenken über den Fall immer wieder neu startet.

Ist denn zu merken, dass ein Umdenken stattgefunden hat?
WOLFF: Dazu müssen wir bestimmt noch zwei Jahre abwarten. Es geht darum, dass Betroffene auch später in brenzligen oder aggressiven Situationen sich an den Fall erinnern und entsprechend reagieren. Jeder ist in der Pflicht, seinen Teil dazu beizutragen, dass so etwas nicht wieder passiert. Denn Bielefeld war in Sachen Gewalt zuletzt eigentlich sehr ruhig. Dieser Fall hat gezeigt, dass selbst hier eine bestimmte Dynamik dramatische Folgen haben kann.

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