BIELEFELD Frei von Schulden und Stadion

Präsident Jörg Zillies erläutert im NW-Gespräch die Sanierung von Arminia

VON LOTHAR SCHMALEN
Arminia frei von Schulden und Stadion - © ARMINIA
Arminia frei von Schulden und Stadion | © ARMINIA

Bielefeld. Die Sanierung des in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Fußballclubs DSC Arminia schreitet voran: Gestern meldete die Clubführung unter Präsident Dr. Jörg Zillies, dass die neue Stadiongesellschaft jetzt Eigentümer der Schüco-Arena ist und damit auch alle Schulden, die auf dem Stadion lasten, übernommen hat. Im Gespräch mit der Neuen Westfälischen erläutert Zillies, wie die Entschuldung des Vereins funktioniert.

Schon vor mehr als einem Jahr war die DSC Arminia Bielefeld Arena- und Liegenschafts-Management GmbH & Co. KG (kurz: ALM KG) gegründet worden. Wie Zillies gestern sagte, ist in diesen Tagen die Überführung der Stadion-Immobilie sowie des Trainingsgeländes an der Friedrich-Hagemann-Straße und zweier Wohnhäuser an der Melanchthonstraße an die ALM KG erfolgt. Möglich wurde die Eigentumsübertragung, weil ihr inzwischen auch die Landesregierung zugestimmt hatte. Große Teile des Stadions waren mit Landeszuschüssen und Landesbürgschaften gebaut worden. "Gleichzeitig haben wir damit auch die Verbindlichkeiten aus dem Verein an die neue Arminia-Tochter übertragen", so Zillies. Dies sind nach früheren Angaben von DSC-Schatzmeister Professor Hermann J. Richter insgesamt 27 Millionen Euro.

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Als nächstes wollen Zillies und seine Mitstreiter mit privaten Kreditgebern darüber verhandeln, ihre Darlehen in Anteile an der ALM KG umzuwandeln. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um die Sponsoren, die in den vergangenen Jahren - nach den beiden Abstiegen aus der Ersten und aus der Zweiten Bundesliga - Arminia Geld zur Verfügung gestellt haben, um das Überleben des überschuldeten Vereins zu ermöglichen. Arminia hofft, mit der Umwandlung von Darlehen in Stadionanteile die Verbindlichkeiten um 12 bis 13 Millionen Euro senken zu können, um so die Zins- und Tilgungsbelastung reduzieren zu können. Dass dieser Plan durchaus auch Unwägbarkeiten enthält, zeigt allein die Tatsache, dass die handelnde Person eines der wichtigsten Sponsoren der vergangenen Jahre, Schüco, plötzlich nicht mehr an der Spitze der Firma steht. Auch Zillies weiß nicht, wie sich Schüco nach der Trennung von Dirk U. Hindrichs weiter verhält. Schließlich ist der Fassadenhersteller einer der Darlehensgeber der vergangenen Jahre.

Arminia hat das Stadion an der Melanchthonstraße an die neue Stadiongesellschaft übertragen. - © FOTO: SARAH JONEK
Arminia hat das Stadion an der Melanchthonstraße an die neue Stadiongesellschaft übertragen. | © FOTO: SARAH JONEK

Die neue Arminia-Firmenkonstruktion (der Verein DSC Arminia hat zwei Tochterfirmen: die Spielbetriebsgesellschaft Arminia Bielefeld KGaA und die Stadiongesellschaft ALM KG) sieht vor, dass die Spielbetriebsgesellschaft für die Nutzung des Stadions eine Pacht an die ALM KG zahlt. Zillies: "Solange wir in der Dritten Liga spielen, kann die Pacht nicht so hoch sein, um aus ihr allein die Schulden der ALM KG zu bedienen. Also braucht die ALM KG eine weitere Kapitalausstattung, um diese Differenz ausgleichen zu können. Zahlen nannte Zillies nicht. Der Präsident weiter: "Mittelfristig ermöglicht die nun abgeschlossene Übertragung von Immobilien und Verbindlichkeiten die Konzentration aller Ressourcen des Vereins und der KGaA auf das Erreichen der sportlichen und finanziellen Stabilität." Bekanntlich möchte Arminia so schnell wie möglich wieder in die Zweite Liga aufsteigen. Allein die dann üblichen Fernsehgelder würden der Firmengruppe Arminia wieder mehr Luft verschaffen.

Geschäftsführer der ALM KG ist übergangsweise nach wie vor Arminia-Prokurist Gerd Harhausen. Mittelfristig müsse aber nicht unbedingt Arminia federführend in der Stadiongesellschaft bleiben. "Die, die das Geld geben, haben automatisch Einfluss, ohne dass sie anteilsmäßig die Mehrheit in der KG haben müssen", sagte Zillies.

Information
ALM KG ist neuer Eigentümer der Schüco-Arena

Arminias Bad Bank

VON LOTHAR SCHMALEN

Das Trio an der Spitze von Arminia Bielefeld, Präsident Jörg Zillies, Hermann Richter und Hans-Jürgen Laufer, geht seinen Weg unbeirrbar weiter. Ohne laute öffentliche Begleitmusik treiben die drei die Sanierung des in Finanznöte geratenen Fußballclubs voran.

Die Konstruktion, mit der sie die Stabilisierung des DSC erreichen wollen, erinnert an die Sanierung von maroden Landesbanken mittels einer sogenannten Bad Bank. Der Verein Arminia und seine Spielbetriebsgesellschaft geben das schuldenbeladene Stadion und damit eben auch die Verbindlichkeiten an eine Tochterfirma ab und werden damit nahezu schuldenfrei.

Dass der einst stolze Club der Ostwestfalen sein Fußball-Schmuckkästchen an der Melanchthon-Straße künftig nicht mehr allein besitzt, sondern das Eigentum mit anderen teilen muss, ist der Preis der Misswirtschaft der vergangenen Jahre. Den Arminia-Sanierern ist zu wünschen, dass ihnen nun auch der zweite Schritt gelingt, nämlich möglichst viele Kreditgeber dazu zu bringen, ihre Darlehen in Stadion-Anteile umzuwandeln.

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