BIELEFELD/LEOPOLDSHÖHE Angriff auf Werder-Fan: Auch der vorletzte Hooligan frei

Belastungszeuge widersprüchlich / Schuh-Untersuchung soll Klarheit bringen

Bielefeld. Nach dem brutalen Überfall auf den 26-jährigen Werder-Bremen-Fan und seine Freunde hatte die Mordkommission "Bremen II" am 6. Mai zunächst zwei Hauptverdächtige wegen versuchten Mordes festgenommen. Einer der beiden wurde Dienstag – 30 Tage nach seiner Inhaftierung – wieder entlassen. Der Vorwurf des versuchten Mordes gegen den 21-jährigen Mann aus Leopoldshöhe war nach einem Ortstermin am Montag und einer erneuten Vernehmung Dienstag nicht mehr aufrechtzuerhalten, begründete Staatsanwalt Veit Walter. Ein zufälliger Zeuge des Überfalls, der den Leopoldshöher schwer belastet hatte, hatte offenbar widersprüchliche Angaben gemacht. "Beim Ortstermin zeigte sich, dass seine Wahrnehmung nicht mit dem Beweisvideo der Polizei übereinstimmte", so Walter. Der 21-Jährige selbst hatte laut seinem Verteidiger in einer fünfstündigen Vernehmung eingeräumt, auf Mitglieder der achtköpfigen Gästefan-Gruppe mit der Faust eingeschlagen zu haben. Getreten haben will er aber nicht. Ob er auch den später lebensgefährlich am Kopf verletzten Mann aus dem Kreis Lüneburg getroffen habe, könne er nicht mehr sagen. Wegen der unsicheren Zeugenaussage und fehlender Beweise – auf dem Beweisvideo ist der Leopoldshöher angeblich nicht erkennbar – hat sich Veit Walter bereiterklärt, die anstehende Haftprüfung des 21-Jährigen vorzuziehen und den Tatvorwurf auf "gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung" zu reduzieren. Der Haftbefehl wurde daraufhin gegen Meldeauflagen außer Vollzug gesetzt. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft acht weitere Haftbefehle gegen Hooligans wegen Beihilfe zum versuchten Mord ausgesprochen. Nach ihren Aussagen kamen ausnahmslos alle Verdächtigen auf freien Fuß. Der einzige noch hinter Gittern verbliebene Philipp G. (20) aus Espelkamp, bleibt laut Walter aber des versuchten Mordes dringend tatverdächtig. Das Beweisvideo der Polizei soll nach Informationen dieser Zeitung hier sehr eindeutige Beweise liefern. Um Klarheit zu gewinnen, soll jetzt die Rechtsmedizin in Münster die sichergestellten Schuhe beider Hauptverdächtigen auf Blut- und DNA-Spuren untersuchen.

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