Borussia Dortmund will im Jugendbereich mit VfL Theesen kooperieren

BVB statt Arminia Bielefeld

VON MATTHIAS FOEDE UND JOHNNY DÄHNE
BVB will mit VfL Theesen kooperieren - © SPORT
BVB will mit VfL Theesen kooperieren | © SPORT

Bielefeld. Große Ehre für den VfL Theesen: Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund ist an einer Kooperation im Jugendbereich mit dem Klub aus dem Bielefelder Norden interessiert. Wie aus dem Umfeld beider Vereine durchsickerte, ist die Borussia an den VfL herangetreten, um die Voraussetzungen für eine mögliche Zusammenarbeit abzustecken.

Kein Geheimnis ist, dass der aktuelle Kooperationspartner der Theesener, Arminia Bielefeld, an der Gaudigstraße nicht mehr besonders wohl gelitten ist. Zu wenig Austausch, zu wenig Kommunikation lauten die Vorwürfe. Zuletzt brachte der öffentliche Streit um das Westfalenliga-Spiel der beiden A-Juniorenteams, das Arminia aufgrund von Personalmangel hatte verlegen wollen, das Fass zum Überlaufen.

Als sich Arminia in dieser Sache auf die Partnerschaft berief, konterte Theesens Jugendleiter Olaf Tödtmann: "Es ist abenteuerlich, dass hier eine Kooperation angeführt wird, die ohnehin nicht gelebt wird." Theesen stimmte dem Ansinnen des Partners also nicht zu und sah sich aufgrund des Ergebnisses - der DSC gewann unter anderem mit Hilfe der Profileihgabe Onel Hernandez mit 2:0 - bestätigt.

Das Aus nach eineinhalb Jahren

Auch auf der Jahreshauptversammlung des VfL wurden eindeutige Stimmen gegen den DSC laut, so dass die Chancen auf einen Erhalt der Kooperation schlecht stehen. Damit wäre der Kontrakt der beiden Bielefelder Klubs, die im Nachwuchsfußball in der Stadt führend sind, nach gerade einmal eineinhalb Jahren Geschichte. Bei der Unterzeichnung am 5. Oktober 2010 hatten sich beide Parteien vorgenommen, dass Trainer aus Theesen bei Arminia hospitieren, dass Coaches des DSC in Theesen Übungsabende leiten und dass Jugendteams gemeinsam trainieren oder mal als gemischte Mannschaft zu einem Turnier fahren.

Im Oktober 2010 waren alle Beteiligten - v. l. Thomas Krücken (DSC Arminia), Wolfgang Klee und Manfred Detering (beide VfL Theesen) - von einer Kooperation überzeugt. Heute ist das anders. - © FOTO: SARAH JONEK
Im Oktober 2010 waren alle Beteiligten - v. l. Thomas Krücken (DSC Arminia), Wolfgang Klee und Manfred Detering (beide VfL Theesen) - von einer Kooperation überzeugt. Heute ist das anders. | © FOTO: SARAH JONEK

"Es sollen Beziehungen zwischen den beiden Klubs entstehen", wünschte sich seinerzeit Theesens Jugendleiter Manfred Detering: "Intensive Beziehungen." Umgesetzt worden ist von diesen Vorhaben herzlich wenig, entstanden ist dagegen viel Frust. Deshalb scheint aus Sicht des VfL Theesen der Schritt vom heimischen Drittligisten als Partner zum amtierenden Deutschen Meister logisch.

Auch wenn die Zusammenarbeit zwischen Theesen und Dortmund noch genau fixiert werden muss - einige Vorteile für den VfL liegen auf der Hand: Von der Strahlkraft des BVB würde das ohnehin sehr gute Image der Theesener Jugendabteilung weiter profitieren. Den Weg der ehemaligen Theesener Moritz Fritz (U19), Serhat Kot (U15) und Niklas Sewing (U14) nach Dortmund würden sicherlich weitere Talente gehen wollen. Zudem könnte ein Freundschaftsspiel zwischen den beiden ersten Mannschaften im Vertrag verankert werden.

Und der VfL würde als einziger ostwestfälischer Verein in einen exklusiven Zirkel aufgenommen: Aktuell unterhält die Borussia nur Kooperationen mit dem SC Neheim aus dem Sauerland und dem SC Münster 08.

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Der VfL Theesen gibt Arminia Bielefeld den Laufpass

Eine deftige Ohrfeige

HANS-JOACHIM KASPERS

Das nennt man wohl eine prompte Reaktion: Noch nicht einmal zwei Wochen, nachdem der Streit zwischen dem VfL Theesen und Arminia Bielefeld um die Qualität der Kooperation im Nachwuchsbereich öffentlich geworden war, flirtet der kleine Partner mit einem anderen. Dass das Borussia Dortmund ist, bedeutet eine deftige Ohrfeige für die Arminia: Die muss befürchten, dass viele Talente an der Schüco-Arena vorbei direkt Richtung Westfalenstadion geschleust werden.

Die Arminen bekommen offenbar die Quittung dafür, dass sie die Kooperation bislang recht einseitig gelebt haben – ein Organigramm, in dem die Pfeile nur in eine Richtung, nämlich von den Partnern zum DSC, verlaufen, spricht Bände. Der Unmut in Theesen war zu groß, um da noch weiter mitzumachen.

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