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Uhlig: "Ich hoffe auf ein NPD-Verbot"

WOCHE DES WIDERSTANDS: Arminia-Geschäftsführer Marcus Uhlig im Interview

19.12.2011 | Stand 19.12.2011, 13:07 Uhr
Uhlig: "Ich hoffe

auf ein NPD-Verbot" - © INTERVIEW
Uhlig: "Ich hoffe
auf ein NPD-Verbot" | © INTERVIEW

Rechte Gewalt und Ideologie geht alle an. In den nächsten Tagen wird die Neue Westfälische Repräsentanten aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen dazu interviewen. Den Auftakt macht Marcus Uhlig. Mit dem Geschäftsführer von Arminia Bielefeld sprach Hubertus Gärtner.

Herr Uhlig, an Heiligabend wollen Neonazis aus NRW in Bielefeld demonstrieren. Was löst diese Nachricht bei Ihnen aus?
MARCUS UHLIG: Wenn ich mir diesen Aufmarsch vorstelle, dann bekomme ich große Beklemmungen. Eine Demonstration von Neonazis an Heiligabend finde ich darüber hinaus ganz besonders empörend.

Manche Bürger sind der Meinung, man sollte die Neonazis einfach ignorieren. Wie stehen Sie zu diesem Vorschlag?
UHLIG: Das wäre der falsche Weg. Der politische Extremismus ist in Deutschland zu präsent, als dass man sich nicht mit ihm beschäftigen müsste. Stichwort Zwickauer Terrorzelle: Unsere Gesellschaft muss diesen Leuten die Stirn bieten und sie mit allen demokratischen Mitteln bekämpfen. Wir sollten auf keinen Fall ängstlich an die Sache herangehen. Von Zivilcourage können wir nicht genug haben.

Marcus Uhlig, Geschäftsführer von Arminia Bielefeld. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Marcus Uhlig, Geschäftsführer von Arminia Bielefeld. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Es gibt immer wieder auch Stimmen, die ein NPD-Verbot fordern. Wie stehen Sie dazu?
UHLIG: In unserem Rechtsstaat wird gerade sehr intensiv über ein Verbot der NPD diskutiert. Ich hoffe, dass am Ende ein Verbot dieser Partei erzielt werden kann. Es gibt aus meiner Sicht gute Gründe dafür. Für schädlich hielte ich aber eine lange und quälende Diskussion, die am Ende ohne ernste Konsequenzen bliebe.

Der Deutsche Fußballbund und die Deutsche Fußball-Liga haben sich in der Vergangenheit bei Projekten gegen Rechtsradikalismus engagiert. Wurde von dieser Seite genug getan?
UHLIG: Die Kampagnen, die die genannten Organisationen zum Beispiel gegen die Ausländerfeindlichkeit initiiert haben, begrüße ich außerordentlich. Ich denke, dass es in den deutschen Stadien größtenteils auch gelungen ist, politisch extremes Gedankengut zu unterbinden. Zum Beispiel gibt es heute in der Fußball-Bundesliga so gut wie keine Hetzparolen oder Schmährufe mehr gegen farbige Spieler. Das ist sicherlich auch dem Aufwand der Kampagnen zu verdanken.

Wie sieht es in Ihrem Verein aus? Tut Arminia Bielefeld genug gegen die rechte Gefahr?
UHLIG: Auch wir haben in der Vergangenheit viel Aufklärungsarbeit geleistet und nicht zuletzt auch über unser Fanprojekt und unsere Fanbetreuung mit Hilfe verschiedener Kampagnen und Projekte dem politischen Extremismus eine Absage erteilt. Ich glaube, dass dabei hier in Bielefeld ein guter Job gemacht wurde.

An Heiligabend machen zahlreiche Organisationen gegen die Neonazis mobil. Wäre es nicht angezeigt, dass auch Arminia Bielefeld ein deutliches und sichtbares Zeichen setzt?
UHLIG: Dagegen spricht überhaupt nichts. Ganz im Gegenteil: Ich werde mich dafür einsetzen und das Ganze intern besprechen. Arminia ist ein Klub, der sich deutlich gegen jede Form des Extremismus ausspricht. 

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