Schnitzmeiers Affäre sorgt für Turbulenzen bei Arminia

Aufsichtsrat gibt Geschäftsführer Rückendeckung nach Handgemenge in Augsburg

VON JÖRG FRITZ, PETER BURKAMP UND HUBERTUS GÄRTNER
Schnitzmeiers Affäre sorgt für Turbulenzen - © ARMINIA
Schnitzmeiers Affäre sorgt für Turbulenzen | © ARMINIA

Bielefeld. Ralf Schnitzmeier, Finanz-Geschäftsführer des Fußball-Drittligisten DSC Arminia Bielefeld, sorgt mit seiner privaten Affäre für heftige Turbulenzen im Verein. Der gegen ihn erlassene Strafbefehl in Höhe von 60 Tagessätzen wegen Körperverletzung, Betrugs und Beleidigung nach einem Handgemenge in einem Augsburger Etablissement im Dezember 2010 erweist sich nicht gerade als förderlich für sein Image – und den Klub. "Diese Geschichte, die ich zutiefst bedauere, strahlt auch auf Arminia aus", sagt Schnitzmeier wohl auch mit Blick auf die größtenteils bitterbösen Kommentare im Internet.

Nach dem Inhalt des amtlichen Polizeiberichts sollen Schnitzmeier und sein Bruder am 21. Dezember 2010 in Augsburg als "Gäste eines Bordells randaliert" und sich geweigert haben, eine Zeche von 300 Euro zu begleichen. "Darüber hinaus habe einer der beiden Männer eine Angestellte des Hauses angespuckt und eine weitere geschlagen", heißt es in dem Bericht, der dieser Zeitung vorliegt. Auch gegenüber den eintreffenden Polizisten hätten sich die beiden alkoholisierten Beschuldigten "äußerst aggressiv" verhalten.

Ralf Schnitzmeier steht nach den Vorfällen in Augsburg in der Kritik. - © FOTO: DPA
Ralf Schnitzmeier steht nach den Vorfällen in Augsburg in der Kritik. | © FOTO: DPA

Der oberste Angestellte des Klubs legt größten Wert auf die Feststellung, dass es sich bei dem Vorfall ausschließlich um eine Privatangelegenheit gehandelt habe. "Ich bin mir der Schuld bewusst und habe daraus meine Lehren gezogen", sagt Schnitzmeier.

Mann mit zwei Gesichtern

Modeunternehmer Gerhard Weber, der mit sehr viel Geld das Überleben des Vereins sichert, verkniff sich einen Kommentar. "Dazu sage ich nichts." Ehrenratsvorsitzender Michael Fredebeul bedauerte, dass "der Verein nicht zur Ruhe kommt".

Halt findet Schnitzmeier bei den Mitgliedern des Aufsichtsrats, die ihm in einer offiziellen Erklärung den Rücken stärkten. "Der öffentlich gewordene Vorgang liegt neun Monate zurück. Er wurde inzwischen juristisch aufgearbeitet, den Beteiligten eine Entschuldigung ausgesprochen und die offene Rechnung bezahlt. Es handelt sich um einen privaten Vorfall, der nicht im Zusammenhang mit Arminia Bielefeld steht. Ralf Schnitzmeier genießt weiterhin das Vertrauen des gesamten Aufsichtsrates , um den eingeschlagenen, extrem schwierigen Weg der wirtschaftlichen und sportlichen Konsolidierung zum Erfolg zu bringen."

Schnitzmeier gilt bei Arminia als der Mann mit den zwei Gesichtern. Souverän erscheinen seine Auftritte vor Publikum, wenn er ohne Manuskript Vorträge zum Thema Sanierung und Rettung des Vereins hält. Dabei wirkt er durch seine geschliffene Rhetorik überzeugend – wie beim langwierigen Prozess der Stadionausgliederung. Aber Schnitzmeier kann auch anders, wenn es für ihn nicht nach Plan läuft. Ehemalige Mitarbeiter der Geschäftsstelle können sich in solchen Fällen noch gut an einen aufbrausenden Vorgesetzten erinnern.

Sie hätte vermutlich seinen Job gekostet

Der gebürtige Paderborner, besitzt nach den jüngsten Querelen innerhalb der Vereinsgremien eine Machtfülle, wie sie sein Vorvorgänger Roland Kentsch genoss. Der Geschäftsführer Finanzen ist beispielsweise Vorgesetzter des sportlichen Leiters Samir Arabi. In der Vergangenheit waren der Sport- und der Finanzchef jeweils gleichberechtigt. Dass sein Prokurist Gerhard Harhausen Schatzmeister des Überbrückungsvorstands ist, zählt ebenfalls zu den nur schwer nachvollziehbaren Dingen innerhalb des Vereins.

Schnitzmeiers Vorgehensweise zur Erlangung der Lizenz für die 3. Liga, die erst durch eine Last-Minute-Hilfe zweier Sponsoren sichergestellt worden war, wurde von großen Teilen des damaligen Vorstands höchst kontrovers bewertet. Die von Ex-Schatzmeister Andreas Erdmann ins Spiel gebrachte Planinsolvenz bei einem Schuldenstand von 29 Millionen Euro konnte Schnitzmeier in Verbindung mit der Mehrheit der Gremienmitglieder verhindern. Wen wundert’s? Sie hätte vermutlich seinen Job gekostet.

Dass der komplette Vorstand um Präsident Wolfgang Brinkmann am 27. Juni sowie vier Wochen später vier Verwaltungsratsmitglieder von ihren Ämtern zurücktraten, ist eng mit der Person des Geschäftsführers verknüpft. Die vier Verwaltungsräte waren sich einig, dass sie einen anderen Weg der Konsolidierung gehen wollten – mit Uli Stein und einem an Wirtschaftsexperten reichen Vorstand, aber eben ohne Schnitzmeier.

Gespannt darf man in den nächsten Tagen auf die persönliche Bewertung Schnitzmeiers dieser Turbulenzen sein.

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