Eric Agyemang: Arminias große Sturm-Hoffnung

Der Ackermann

VON PETER BURKAMP
Agyemang ist Arminias Sturmhoffnung - © ARMINIA
Agyemang ist Arminias Sturmhoffnung | © ARMINIA

Bielefeld. Es klingt schon etwas despektierlich, wenn Eric Agyemang die dritte Etage des deutschen Fußballs als "Schweineliga" bezeichnet. Doch Arminias neuer Stürmer wird konkreter: "Die Klasse wird von vielen unterschätzt. Man darf sich nicht unterbuttern lassen und muss immer dagegenhalten." Dabei hört er sich beinahe an wie einst die Hamburger Volksschauspielerin Heidi Kabel, als er "unterbuddern" sagt.

In Ghana geboren, wuchs Agyemang in Hamburg auf. Dort ging er bis zum Abitur zur Schule und spielte als Neunjähriger beim FC St. Pauli. Kurz erwog er ein Studium als Wirtschaftsingenieur, doch die Aussicht, als Profifußballer durchzustarten, war verlockender. Ganz so schnell wie erhofft, ging es dann aber nicht. Über die Regionalligisten Emden, Pfullendorf und Magdeburg kam er zu Erzgebirge Aue und machte sich einen Namen als torgefährlicher Stürmer. "Am Ende des Tages habe ich fast alles richtig gemacht", sagt Agyemang im Rückblick.

Kaum eingewechselt, hatte Eric Agyemang beim Testspiel in Wellensiek schon zwei Mal getroffen. - © FOTO: ANDREAS FRÜCHT
Kaum eingewechselt, hatte Eric Agyemang beim Testspiel in Wellensiek schon zwei Mal getroffen. | © FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Mit 77 Drittligaspielen und 30 Treffern für Aue (2008/10) und Wacker Burghausen (2010/11) verfügt er mittlerweile über genug Erfahrung, um die 3. Liga seriös einschätzen zu können. Spätestens seit seinem Dreierpack beim 3:0-Sieg von Aue über Osnabrück im April 2010 ist Agyemangs Bekanntheitsgrad enorm gestiegen.

"Wir haben bei Eric ein gutes Gefühl gehabt"

"Erich Ackermann" nannten ihn die Fans in Magdeburg. Das lag zum einen daran, dass viele den Nachnamen Agyemang nicht unfallfrei französisch aussprechen konnten. Zum anderen, "weil ich mir den Namen durch meine engagierte Spielweise verdient habe", meint der Spieler. Seine Treffsicherheit und sein Auftreten auf dem Platz haben auch Arminias sportliche Leitung überzeugt. "Wir haben bei Eric ein gutes Gefühl gehabt", sagt DSC-Trainer Markus von Ahlen. Gern hätte Burghausen ihn gehalten. "Die Leute von Wacker haben sich sehr bemüht, aber meine Frau und meine sechsjährige Tochter leben in Hamburg. Ich wollte wieder mehr in ihre Nähe", sagt der 31-Jährige.

Von Bielefelds Konkurrenten aus Münster und Osnabrück, die ebenfalls um ihn warben, hörte man unterdessen, das Geld habe den Ausschlag gegeben. Der Betroffene sieht es anders. "Mich hat das Konzept in Bielefeld überzeugt. Außerdem ist Arminia ein Traditionsverein und verfügt über ein tolles Umfeld." In seinen bisherigen Auftritten hat der Strafraumspieler angedeutet, wie wichtig er für Arminia werden kann. Und der Spätstarter sieht sich noch nicht am Ende seiner Leistungsfähigkeit. Wer mutmaßt, die 3. Liga sei das höchste der Gefühle für Eric Agyemang, den erinnert er gern daran, "dass ich es sportlich geschafft habe und mit Aue 2010/11 in die zweite Liga aufgestiegen bin". Allein überraschende Entwicklungen in der Klubführung hätten dazu geführt, dass er nicht geblieben sei.

Agyemang trauert der verpassten Chance nicht nach. "Ich kann mir nichts dafür kaufen, was vorher war. Auch für mich geht es jetzt wieder bei Null los." Die Null soll allerdings nur hinten stehen. Agyemangs Ziel ist klar: In Bielefeld möchte er seinen guten Ruf bestätigen. "Ich glaube, dass man hier etwas entfachen kann und wir die Talfahrt des Klubs bremsen können", sagt er entschlossen.

Und wer weiß, vielleicht kommt Eric Agyemang im Mai 2012, am Ende des Tages, oder besser der Saison, zu dem Schluss, mit dem Wechsel nach Bielefeld alles richtig gemacht zu haben. Das dürfte gleichzeitig bedeuten, dass der DSC Arminia in der 3. Liga eine nach seinen Möglichkeiten erfolgreiche Saison gespielt hat.

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