Ralf Schnitzmeier wirkt nach Ende der Pressekonferenz wie erlöst. - © FOTO: KRATO
Ralf Schnitzmeier wirkt nach Ende der Pressekonferenz wie erlöst. | © FOTO: KRATO

Arminia hat Unterlagen zur Erfüllung der DFB-Lizenzierungsauflagen in letzter Sekunde eingereicht

Erschöpft ins Ziel der ersten Etappe

VON JÖRG FRITZ

Bielefeld. Man musste das Schlimmste befürchten, als Arminia Bielefelds Präsident Wolfgang Brinkmann und Geschäftsführer Ralf Schnitzmeier um 16.37 Uhr den Presseraum in der Schüco-Arena betraten, um über den aktuellen Stand der Lizenzierungsauflagen für die 3. Liga zu berichten. Ernst und leichenblass waren ihre Gesichter. Ihre ermüdeten Augen ließen keine Spur von Hoffnung aufkommen.

Bis zum 1. Juni, 15.30 Uhr, musste Arminia den Nachweis erbringen, dass die am 15. September fällige Auszahlungssumme in Höhe von 2,9 Millionen Euro für die Anleihe "Bau auf Blau" finanziell abgesichert ist. "Es hing in der Tat an einem seidenen Faden", resümierte Brinkmann den Kraftaufwand der vergangenen 48 Stunden. Der Präsident überließ es seinem Geschäftsführer, die befreiende Nachricht zu verkünden. "Fristgerecht haben wir alle DFB-Auflagen eingereicht. Ob wir sie letztlich erfüllt haben, entscheidet der Deutsche Fußball-Bund. Wir haben unsere Aufgaben erfüllt." Brinkmann ergänzte: "Am Ende haben wir doch Vertrauen für Arminia Bielefeld aufbauen können."

Laut Einschätzung des Geschäftsführers habe Arminia ein erstes Etappenziel erreicht. Eine endgültige Entscheidung in der Frage der Lizenzierung wird erst in den nächsten Tagen fallen. "Der DFB benötigt bei der Prüfung unserer Unterlagen sicherlich einige Tage", glaubt Schnitzmeier. Eine erste Rückmeldung aus der Frankfurter DFB-Zentrale erfolgte prompt: die Bestätigung des Eingangs der elektronischen Post aus Bielefeld.

"Das waren schwere Stunden"

In den 48 Stunden vor der Abgabefrist am Mittwochnachmittag spitzte sich die Lage beim Zweitligaabsteiger dramatisch zu. Es fehlte eine Summe von rund einer Million Euro, die in Form von Bürgschaften oder Bareinlagen aufgebracht werden musste. "Das waren schwere Stunden", schilderte Verwaltungsratschef Alexander Geilhaupt. "Wir mussten bitten und betteln - so etwas habe ich noch nie erlebt."

Letztendlich sollen mehrere Personen an der Rettung beteiligt sein. Einzelheiten wollte Geschäftsführer Schnitzmeier aber nicht verraten. "Es ist Stillschweigen vereinbart worden." Nach Informationen dieser Zeitung hat ein bislang schön tätiger Sponsor erneut ein großes Herz für Arminia bewiesen.

Mit zunehmender Dauer dieses Pressegesprächs fand Brinkmann zu seiner bekannt kämpferischen Einstellung zurück. "Der DSC Arminia Bielefeld kann die Last des Stadions durch die Erträge in der 3. Liga nicht alleine tragen. Ich fordere die Stadt auf, Verantwortung zu übernehmen." Eine Umfinanzierung des Stadions ist auch für Schnitzmeier von größter Bedeutung. "Das Land Nordrhein-Westfalen und die Sparkasse Bielefeld unterstützen diese Gedankengänge."

"Ich trete jetzt nicht zurück"

Brinkmanns Vorpreschen am "Ende eines schweren Tages" (Schnitzmeier) überraschte und fand nicht überall Zustimmung. Verwaltungsratschef Geilhaupt mahnte zur Selbstbeschränkung. "In der jetzigen Phase sollten wir uns mit Forderungen gegenüber Dritten bedeckt halten. Wir müssen jetzt ganz kleine Brötchen backen und sollten uns vielmehr darüber freuen, dass wir die DFB-Frist noch einhalten konnten."

Brinkmann wird die Frage nach seiner persönlichen Zukunft ("Ich trete jetzt nicht zurück") erst bei der Jahreshauptversammlung am 27. Juni beantworten. "Ich kämpfe weiter zum Wohle für Arminia", lautet sein Versprechen.

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