Arminias Kampf um den Verbleib in der Pleiteliga

Aufsichtsrat bespricht Möglichkeiten zur Rettung in letzter Minute

VON RAINER KLUSMEYER UND PETER BURKAMP
Ralf Schnitzmeier kämpft weiter um das Überleben des klammen DSC Arminia. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Ralf Schnitzmeier kämpft weiter um das Überleben des klammen DSC Arminia. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Arminias Frist

endet um 15.30 Uhr - © ARMINIA
Arminias Frist
endet um 15.30 Uhr | © ARMINIA

Bielefeld. Am Abgrund, der in die Niederungen des Fußballs führt, steht der DSC Arminia neben einer ganzen Reihe von anderen Vereinen. Jahn Regensburg, SV Babelsberg, SpVgg Unterhaching, TuS Koblenz und der VfL Osnabrück kämpfen wie die Bielefelder bis zur letzten Minute um die Berechtigung, in der Dritten Liga kicken zu dürfen. Dass sie dort allerdings dauerhaft keine großen Chancen zur finanziellen Konsolidierung hätten, formuliert keiner so deutlich wie Hajo Sommers. "Das ist definitiv eine Pleiteliga, in der man nicht länger als zwei Jahre überleben kann", sagte der Präsident von RW Oberhausen. Immerhin hat der Zweitliga-Absteiger die notwendigen Mittel zur Rettung zusammengekratzt.

Beim Kassensturz am Montagabend hatte dagegen Mitabsteiger Arminen schwarz auf weiß, dass etwa eine Million Euro fehlt, um die Lizenz-Bedingungen des DFB zu erfüllen. Trotz aller in den letzten Tagen erzielten Erfolge hatten insgesamt noch zu wenig Zeichner der "Bau-auf-Blau"- Anleihe auf die Auszahlung ihres Darlehens verzichtet oder ihre Anleihe verlängert. Einige wurden schlicht nicht rechtzeitig erreicht.

Dass den Arminen beim Thema Anleihe der Zeitfaktor zum Verhängnis wurde, ist kaum nachvollziehbar. Denn seit fünf Jahren, seit Ausgabe der Anleihe, steht der Auszahlungstermin 15. September 2011 fest. Rücklagen wurden von den damals handelnden Personen nicht gebildet. Aktuell Verantwortliche haben das Thema zu spät auf die Agenda genommen.

Danach bleibt nur noch der Beschwerdeausschuss

Den kompletten Dienstag bemühte sich Arminias Geschäftsführer Ralf Schnitzmeier, das fehlende Geld durch Bürgschaften zusammenzubekommen. Anfragen bei bisherigen und potenziellen neuen Geldgebern waren auf den Weg gebracht – die erhofften und erforderlichen Zusagen jedoch reichten zumindest bis Montagabend nicht aus. Wie groß ist die fehlende Summe? "Kein Kommentar", sagte Medienchef Marcus Uhlig. Wann legt Geschäftsführer Schnitzmeier die Unterlagen beim DFB vor? Fährt er überhaupt selbst zur DFB-Zentrale nach Frankfurt? "Kein Kommentar", antwortete Uhlig erneut, ergänzte: "Wir sind damit beschäftigt, unsere Hausaufgaben zu machen – wie die dann zum Klassenlehrer kommen, ist egal."

Bis Mittwoch um 15.30 Uhr müssen die Lizenz-Bedingungen und -Auflagen des DFB erfüllt und belegt sein, danach bliebe nur noch der Beschwerdeausschuss. In Anbetracht der sich also auch zeitlich zuspitzenden Situation traf sich am Dienstagabend der Aufsichtsrat zu einer außerordentlichen Sitzung. Das Ziel: Geldgeber zu finden, die wieder einmal in letzter Minute den rettenden Griff in ihre Privatschatulle machen. Dem Vernehmen nach sollen sich langjährige Gönner und eventuell auch ein neuer Investor bereiterklärt haben, den wankenden Verein zu unterstützen.

"Wir brauchen aber noch die ein oder andere Bestätigung", erklärte nach Beendigung der Tagung DSC-Präsident Wolfgang Brinkmann, der ankündigte, dass der heutige Vormittag genutzt werden soll, um "rechtzeitig das Gesamtpaket zu schnüren", das bis zum DFB-Limit in Frankfurt eintreffen muss.

Ob’s – wieder einmal – reicht, um den drohenden Kollaps in letzter Minute abzuwenden? Brinkmann: "Da kann ich keine Prognose abgeben."

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