BIELEFELD Ansgar Brinkmann: zu unrecht verurteilt, um Millionen geprellt

Der Bielefeld-Rückblick des weißen Brasilianers / Heute Lesung

VON ANSGAR MÖNTER

Bielefeld. Sportlich ist der Fall klar: Ansgar Brinkmann war ein Gewinn für Arminia Bielefeld von 2001 bis 2003. Außerhalb des Platzes ist seine Rolle nicht so eindeutig. Brinkmann verließ die Stadt als gerichtlich verurteilter Schläger und betrogener geschäftlicher Naivling.

"Treibt mich heute noch zur Weißglut"

Der Ex-Fußballprofi erinnert sich in seinem Buch an diese Zeit. Heute liest er in Bielefeld daraus vor und beantwortet Fragen dazu. Vor allem das Gerichtsurteil beschäftigt ihn noch: "Wenn ich daran denke, dann treibt mich das heute noch zur Weißglut."

Ansgar Brinkmann ist ein Sonderfall: in vielen Dingen sicher von Einfachheit geprägt, eher impulsiv handelnd als bedächtig, eher fröhlich-riskant als zurückhaltend. Mag sein, dass ihm diese Natur auch im November 2001 bei McDonalds am Jahnplatz zum Verhängnis wurde.

Information
Um 19.30 Uhr geht es heute Abend (Dienstag) los in der Hechelei im Ravensberger Park. Dann liest Philipp Köster aus dem Buch "Der weiße Brasilianer Ansgar Brinkmann" (Verlag Delius Klasing Sport). Köster, geborener Bielefelder, Gründer, Mitherausgeber und Chefredakteur des Fußballmagazin "11 Freunde", ist Arminia-Fan mit Vorliebe für humorvolle Betrachtungen. Er wird mit Brinkmann lesen und talken. Zu bereden gibt es viel über knallharte Abrechnungen mit windigen Gestalten, komische Anekdoten aus Umkleidekabinen, verkorkste Kommunikationsversuche mit Managern und Trainern sowie Berichte über spaßige Spontanpartys. Eines aber stellt Brinkmann unmissverständlich auch klar: "Ich gehörte zu den Profispielern, die am wenigsten Alkohol tranken. Das glaubt mir kein Mensch, aber es ist so."

Damals stritt er dort nächtens mit einer Gruppe Leute nach einem Diskobesuch. Am Tag darauf erklärte einer davon, Brinkmann habe ihm die Nase gebrochen. Wie sich später herausstellte, war das ein Polizist und Hobby-Boxer, der ein Doppelleben als Hooligan führte.

"Der hat ein Buch geschrieben, in dem er detailreich von wilden Prügeleien erzählt. Von einer Schlägerei mit einem Arminia-Spieler namens Ansgar Brinkmann steht in dem Buch nichts. Kein Wort. Weil es keine Prügelei gab!" Zitat Brinkmann, Seite 153. Er sei gelinkt worden. Niemand hätte ihm glauben wollen, obwohl die Mitspieler Reinhardt und Kauf bezeugten, dass es keine Hauerei gegeben habe. "Das macht mich fertig."

Brinkmann rechnet bitterböse ab

Brinkmann rechnet bitterböse ab. "Der Staatsanwalt und die Richterin waren von der Wahrheitsfindung so weit entfernt wie die Erde vom Mond. Sie haben sich verarschen lassen." Sogar sein Rechtsbeistand bekommt ein vernichtendes Urteil: "Mein eigener Anwalt war eine Katastrophe." Der Prozess – für ihn "totaler Schwachsinn".

Bitter für Brinkmann sind auch die Erinnerungen daran, wie er sein frisch verdientes Geld in Bielefelder Immobilien gewinnbringend anzulegen versuchte. Er habe einem Finanzberater vertraut, "der mir sympathisch war" und unterschrieb eine Bürgschaft für Investitionen in Klosterpassage und Forum Jahnplatz. Das Konzept platzte. Mehr als eine Millionen Euro waren futsch. "Meine Unkenntnis und meine Naivität wurden knallhart ausgenutzt", schreibt er kleinlaut.

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