Arminia: Die Distanz zum Trainer wächst

Zwei Aufreger beim 0:2 in Düsseldorf

VON RAINER KLUSMEYER
Arminia: Distanz

zum Trainer wächst - © ARMINIA
Arminia: Distanz
zum Trainer wächst | © ARMINIA

Düsseldorf. Das Spiel im Airberlin-Provisorium war gut eine Stunde lang beendet, da brandete berechtigter Applaus auf im Mannschaftsbus der Verlierer: Rüdiger Kauf hatte sich offiziell entschuldigt bei seinen Teamkollegen für sein "Fehlverhalten" auf dem grünen Rasen und Wiedergutmachung in Form eines gemeinsamen Abendessens versprochen. Wenn’s schon so selten Punktprämien gibt, dann ist die Geste des Kapitäns einiges wert in den schweren Zeiten des Abstieges und Zerfalls.

Mit 0:2 (0:1) bezog der DSC Arminia bei Fortuna Düsseldorf die gewohnte Auswärtsniederlage. In Anbetracht der tabellarischen Situation – Bielefeld abgestiegen, die Landeshauptstädter mit elf Siegen aus den letzten zwölf Heimspielen – ein absolut normales Resultat, das lediglich geeignet war, Arminias (fehlende) Qualitäten zu bestätigen. In Erinnerung bleiben daher allein zwei Szenen, die trotz mancherlei gegenteiliger Beteuerungen einiges aussagen über das Innenleben des Profiteams: Der Eklat um Kauf bei dessen Auswechselung und die Gelb-Rote Karte gegen Markus Bollmann kurz vor dem Abpfiff.

"Ich habe eine Vorbildfunktion"

"Ganz klar: So darf ich mich nicht in der Öffentlichkeit verhalten", sagte Kauf: "Ich habe als Kapitän eine Vorbildfunktion – und der bin ich nicht nachgekommen." Wutschnaubend hatte Arminias dienstältester Profi in der 75. Minute seine Spielführerbinde aufs Feld geworfen, noch auf dem Platz das Trikot vom Leib gerissen und auf dem Weg in die Kabine Trainer Ewald Lienen vor die Füße geworfen, begleitet von harschen Worten, die von Lippenlesern als "Das lass ich mir nicht bieten" interpretiert wurden.

Markus Bollmann nach seiner zweiten Gelb-Roten Karte in dieser Sasion - © FOTO: DPA
Markus Bollmann nach seiner zweiten Gelb-Roten Karte in dieser Sasion | © FOTO: DPA

"Alles ist ausgeräumt", bemühte sich Frank Eulberg, Assistent der sportlichen Leitung, hinterher um Schadensbegrenzung. Und der von Kauf angegiftete Lienen gab sich gar als großzügiger Gönner: "Rübe ist ein verdienter Spieler, der zehn Jahre alles für den Verein gegeben hat – da darf er sich mal einen Aussetzer erlauben."

Knapp eine Viertelstunde nach dem Disput zwischen Kapitän und Chefcoach wurde mit Markus Bollmann der zweite Routinier vom Platz gestellt. Wieder einmal wegen wiederholten Foulspiels, insofern also keine Besonderheit. Auffällig dennoch "Bolles" Abgang, wie zuvor Kauf in einem großen Bogen um Lienen, der wiederum seines Spielers nicht eines Blickes oder gar einer tröstenden Geste würdigte.

Es scheint so, als sei die Distanz zum Cheftrainer, der mit seinen gelegentlich höchst eigenwilligen Spielanalysen aneckt und offensichtlich keinen Draht zu vielen seiner Profis findet, riesengroß geworden. Es wird dringend Zeit, dass diese desaströse Saison endet.

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