BIELEFELD Ex-Aufsichtsrat bei Arminia: "Ein Stück aus dem Tollhaus"

Interview mit Rainer Ludwig, früherer Beigeordneter der Stadt Bielefeld

Arminia: "Ein Stück 

aus dem Tollhaus" - © ARMINIA
Arminia: "Ein Stück
aus dem Tollhaus" | © ARMINIA

Bielefeld. Er bezeichnet sich selbst als leidenschaftlicher Fan der Arminia. Aber er ärgert sich seit Jahren darüber, was die Vereinsführung aus dem "einstigen Stolz der Stadt" gemacht hat. Immer wieder meldet er sich im Fan-Forum auf nw-news.de zu Wort, anonym und doch erkennbar. NW-Redakteur Arno Ley sprach mit Rainer Ludwig, dem früheren Beigeordneten der Stadt und ehemaligen Aufsichtsrat des DSC Arminia.

Herr Ludwig, Sie kommentieren immer wieder kritisch die Arbeit der heutigen Führungsgremien des Vereins. Was treibt Sie dazu?
RAINER LUDWIG: Ich habe zu denen gehört, die auf die Wirtschaftlichkeit des DSC Arminia geachtet haben. Im Aufsichtsrat geht es nicht darum, über den Trainer zu entscheiden oder über Spieler. Da muss geschaut werden, dass die Bilanz stimmt. In meiner Zeit ist die erste Mannschaft kontrolliert abgestiegen und konnte wieder aufsteigen.

In dieser Woche mussten bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) die Lizenzunterlagen für die 2. Bundesliga eingereicht werden. Es ist doch merkwürdig, dass niemand vom Verein an die Öffentlichkeit getreten ist und verkündet hat, dass die Gespräche mit dem Land über die Bürgschaft und mit den Banken über die Kredite erfolgreich beendet werden konnten.

Konnten die Gespräche denn erfolgreich beendet werden?
LUDWIG: Wohl kaum. Ich fürchte, die haben nach Frankfurt einen Umschlag geschickt, der viele Fragen offen lässt. Die gehen bestimmt davon aus, dass bei der DFL angesichts des Tabellenplatzes sowieso keiner richtig da reinschauen wird. Das entscheidende Datum ist der 1. April. Dann müssen die Unterlagen für die 3. Liga abgegeben werden. Die Fan-Anleihe mit 2,9 Millionen Euro wird zum September fällig. Da ist es spannend, mit welchem Ansatz die beim DFB eingereicht wird. Oder man findet einen Sponsor, der die Anleihen aufkauft.

Kann der Verein so seine drückende Schuldenlast verringern?
LUDWIG: Das gegenwärtige Finanzierungskonzept beim DSC dient nicht dazu, den Verein zu entschulden. Es geht nur darum, genügend Masse und Liquidität zu erarbeiten, um die Lizenz für die 3. Liga zu bekommen. Dahinter stehen auch die Überlegungen zur Stadion-Ausgründung. Weil man hofft, so Sponsoren zu finden, die in die Gesellschaft eintreten. Was dann in einem Jahr kommt, darüber reden wir im nächsten Jahr. Fest steht nur: Die Gesamtschulden werden dann weiter angewachsen sein.

Was kann die Stadt tun?
LUDWIG: Nicht mehr, als das, was sie schon tut. Mittlerweile haben die Ratsmitglieder begriffen, was für ein giftiges Angebot es war, die Stadt in diese Gesellschaft mit aufnehmen zu wollen. Dann ist das Land aus der Bürgschaft raus. Durch die Ausgründung wird die Liquidität verbessert, aber an der Gesamtverschuldung des Vereins ändert sich nicht. Und beim nächsten Mal heißt es dann: Zurück auf Los mit noch mehr Belastungen. Ohne Groß-Sponsoren wie Gerhard Weber und Dirk U. Hindrichs von Schüco gäbe es die Arminia gar nicht mehr.

Ist Arminia noch der Haupt-Werbeträger der Stadt?
LUDWIG: Ich gestehe ja ein, dass der DSC zu einem stimmungsbildenden Faktor geworden ist. Nur aus den früher positiven Dingen ist jetzt, glaube ich, eher eine Anti-Werbung geworden. Man muss dies auch mal ehrlich sagen. HSV, Schalke und dann kommt immer Arminia an dritter Stelle. Das Geschäftsgebaren von Arminia Bielefeld ist nicht gerade Kennzeichen für das eines soliden Kaufmanns. In der Stadt selbst ist es etwas anders. Auch wenn von einigen nur noch homerisches Gelächter beim Thema Arminia zu hören ist – das tut weh – es zeigt aber auch, wie inbrünstig man mit dem Verein lebt. Wenn es denen wirklich gleichgültig wäre, würde es gar kein Thema sein.

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