BIELEFELD/PADERBORN Tochter des Ex-Arminen Uli Stein aus Tokio zurück

Erleichtert schloss der Fußballer sie am Flughafen Paderborn in die Arme

Bielefeld/Paderborn. Das Bangen hat ein Ende: Um 15.58 Uhr konnte Ex-Arminia-Torwart Uli Stein (56) am Dienstag auf dem Flughafen Paderborn/Lippstadt endlich seine Tochter Jenny (25) in die Arme schließen. Auf den letzten Drücker wurde die Studentin über Korea aus Japan ausgeflogen. Sie lebte seit Mitte Januar in Tokio, um an einer Sprachschule Japanisch zu lernen. Mit seiner Frau Conny war der sechsmalige Nationaltorwart zum Flughafen gefahren, um die Tochter abzuholen. "Ich hatte zum ersten Mal richtig große Angst um Jenny", sagt Stein, noch immer nervös und erleichtert zugleich, als er Jenny im Arm hat. Kurz vor deren Ankunft in Paderborn hatte er im Fernsehen erfahren, dass Lufthansa Tokio nicht mehr anfliegen wird. "Wir haben Riesen-Glück gehabt", sagt er. Am Freitagvormittag hatten Stein und seine Frau im Fernsehen von dem Erdbeben in Japan erfahren. "Als alle Sender plötzlich darüber berichteten, bin ich unruhig geworden", erinnert sich Conny Stein. Sofort rief sie ihre Tochter an, überredete sie, die Taschen zu packen – Jenny aber wollte bleiben. "Die Situation war unter Kontrolle, das Erdbeben war vorbei", erinnert sich Jenny. Sie war gerade im Supermarkt, Croissants kaufen, als die Erde in Tokio bebte. "Ich musste mich festhalten, um nicht umzufallen, aber Angst hatte ich nicht." Dass das Atomkraftwerk in Fukushima von dem Erdrutsch beschädigt worden war, erfuhr sie erst am Samstag im Internet."Von japanischen Medien kaum etwas erfahren" "Die Informationspolitik war schlecht, über japanische Medien habe ich kaum etwas über die Lage vor Ort erfahren." Unter den Einheimischen war von Panik keine Spur. "Alle waren gut drauf, das Ausmaß des Erdbebens wurde völlig heruntergespielt." Erst als die Eltern ihr Medienberichte aus Deutschland schickten, bekam auch Jenny Angst. Von Theesen aus versuchte Mutter Conny, einen Flug für die einzige Tochter zu buchen – gar nicht so einfach. Uli Stein: "Es war nichts mehr frei, bis auf einen Platz in der Business-Class." Nicht eine Sekunde zögerten der Torwart und seine Frau: "Jenny musste da raus, der Preis dafür war völlig egal." Durch seine Vielfliegerei hatte Stein in den vergangenen Jahren mehr als 300.000 Meilen angesammelt – für 67.000 bekam er einen Platz für Jenny. Stein: "Besser hätte ich die Meilen nicht anlegen können." Am Montagnachmittag um 15.35 Uhr Ortszeit hob der Flieger in Tokio ab. Über Seoul ging es nach München. Jenny Stein: "Weil das Kerosin in Tokio knapp war, mussten wir in Seoul einen Zwischenstopp einlegen." Elf Stunden später landete die Maschine auf dem Flughafen in München. Nach einer Nacht im Hotel ging es für die Stein-Tochter weiter nach Paderborn."Ich liebe das Land" Durchatmen bei den Eltern. Uli Stein: "Ich war völlig machtlos, konnte nur hoffen, das nichts schief geht." Aus seiner Zeit als Profi-Fußballer habe er zwar immer noch viele gute Kontakte, "die nützen aber in so einer Situation gar nichts". Für Jenny ist das Kapitel Japan aber noch nicht beendet. Wenn sie in diesem Jahr ihren Bachelor-Abschluss in International Business Management in der Tasche hat, will sie wieder nach Japan – dann aber für längere Zeit. "Ich liebe das Land, seit ich vor vier Jahren mit einer Freundin mal dort war." Conny und Uli Stein wollen die Tochter aber so schnell nicht mehr gehen lassen. "Wir sind heilfroh, dass sie gesund angekommen ist", sagt Conny. Jetzt soll erst einmal Urlaub gemacht werden.

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