Digitale Fußball-Fachsimpeleien

Wie Fans in Internet-Blogs über ihr liebstes Hobby berichten

VON MATTHIAS TONHÄUSER
Digitale Fachsimpeleien - © FUSSBALL
Digitale Fachsimpeleien | © FUSSBALL

Bielefeld. Es ist eine kleine Sensation: "Eilmeldung: van Nistelrooy kommt", meldet die Internetseite "Matz ab" Ende Januar. Aber nicht die Nachricht, dass der Fußball-Bundesligist Hamburger SV einen neuen Spieler bekommt, ist die Sensation, sondern der Ort, an dem sie erscheint. Der HSV-Fan Dieter Matz hat sie mit Hilfe zweier Informanten spätabends exklusiv auf seinem Blog (hsv-blog.abendblatt.de) veröffentlicht.

Immer mehr Fußball-Fans unterhalten sich nicht nur bei Pommes und Bier, sondern auch im Internet über ihren Lieblingssport. Noch ist die Szene allerdings "klein", sagt Kai Lorentz, Gründer des Sportblogger-Netzwerkes (www.sportbloggernetzwerk.de). 80 Blogger sind dort Mitglied, "in erster Linie" schreiben sie über Fußball. Schalke-Fan Tobias Kreimer (www.blogundweiss.de), schätzt, dass es zu jedem Fußball-Bundesliga-Verein zwischen drei und zehn Blogs gibt. "Ich finde das ist viel, wenn man bedenkt, wie viele professionelle Medien sonst über einen einzelnen Verein berichten."

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Diese Blogger beschäftigen sich mit dem SV Werder Bremen, Schalke 04, Mainz 05, Arminia Bielefeld, FC Bayern München und dem Hamburger SV (von oben links im Uhrzeigersinn). - © MONTAGE THOMAS GRUNDMANN
Diese Blogger beschäftigen sich mit dem SV Werder Bremen, Schalke 04, Mainz 05, Arminia Bielefeld, FC Bayern München und dem Hamburger SV (von oben links im Uhrzeigersinn). | © MONTAGE THOMAS GRUNDMANN

Die Größe der einzelnen Internetseiten variiert dabei beträchtlich. "Matz ab" dürfte einer der größten deutschen Sportblogs sein, "Trainer Baade" (www.trainer-baade.de) ist der, der laut dem Dienst Wikio am häufigsten zitiert wird. Die meisten Blogs haben aber nur wenige hundert Besucher am Tag. Aus Ostwestfalen berichten zum Beispiel "Blog5 (blog5.fussballkompetenz.de)" und "Dreh- und Angelpunkt" (angelpunkt.wordpress.com) über Arminia Bielefeld und den SC Paderborn.

Auch inhaltlich unterscheiden sich die Blogs stark voneinander. Einige veröffentlichen nur kurze Beiträge, andere wie Werder-Bremen-Fan Tobias Singer (meinesaison.tobiassinger.com) bieten die komplette Vor- und Nachberichterstattung, wie sie in klassischen Medien üblich ist. Seit 1,5 Jahren berichtet Singer sogar mit einem Live-Ticker direkt über die Spiele. "Ich lege meinen Fokus mehr auf die Taktik, weniger auf das, was um das Spielfeld herum passiert", sagt er.

Was die Qualität der Artikel in den Blogs angeht, können sich dabei manche auch mit den Beiträgen in Print, Radio und TV messen. Das Verhältnis der Internetautoren zu den klassischen Journalisten ist dabei ein zwiespältiges. Einerseits wollen sie keine "kleinen Journalisten" (Singer) sein, andererseits glauben sie sich ihnen überlegen. "Die Blogger haben mehr Herzblut, sie kommen authentischer rüber", sagt André Zechbauer, der über den FC Bayern München schreibt (fernglasfcb.blogspot.com).

Sein Kollege Nick Triantaufillou, der sich mit Borussia Dortmund beschäftigt (anygivenweekend.wordpress.com), zieht allerdings vor Journalisten den Hut, die gut recherchierte Geschichten veröffentlichen. Die Ironie der Geschichte ist, dass viele der Blogger selber Journalisten sind, oder diesem Beruf zumindest nahe stehen. Dieter Matz arbeitet zum Beispiel beim Hamburger Abendblatt.

Interessanterweise tauschen sich die Blogger nicht nur über das Internet aus, sondern auch von Angesicht zu Angesicht. "Der Wunsch sich zu treffen, ist relativ groß", sagt Lorentz. Und in Hamburg gibt es schon einen Matz-Ab-Stammtisch. "Die Nutzer sind sehr bemüht, wie eine große Familie zu sein", sagt Matz.

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