Arminia: Ozakis Erben

Heidingers Gesichtsmaske ermöglicht Einsatz beim Montagspiel gegen den MSV Duisburg

VON RAINER KLUSMEYER
Arminia:

Ozakis Erben - © ARMINIA
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Ozakis Erben | © ARMINIA
Arminias japanischer Stürmer Kazuo Ozaki, bestens vorbereitet auf das Westfalenderby gegen den FC Schalke 04 im Oktober 1984. - © FOTO: RZEPKA
Arminias japanischer Stürmer Kazuo Ozaki, bestens vorbereitet auf das Westfalenderby gegen den FC Schalke 04 im Oktober 1984. | © FOTO: RZEPKA

Bielefeld. Sollte Sebastian Heidinger am kommenden Montag ab 20.15 Uhr mitwirken können beim Zweitliga-Heimspiel gegen den MSV Duisburg, dann reiht der Offensivspieler sich in einen exklusiven Klub ein, der vor fast genau 26 Jahren auf der Bielefelder Alm gegründet wurde. Am 5. Oktober 1984 trug Arminia-Profi Kazuo Ozaki als erster Bundesligaspieler eine Gesichtsmaske – der Klub der Maskenmänner schreibt seit jenen Tagen in Bielefeld eine erstaunliche Erfolgsgeschichte.

Information

Heidis Gesichtsmaske

Bei Daniel Stappert vom Sanitätshaus Festerling hängt im Geschäftsflur ein Riesenposter von Maskenmann Petr Gabriel. Der Orthopädietechnikmeister hat also Erfahrung mit der Anfertigung von Arminia-Gesichtsmasken. Die von Sebastian Heidinger besteht aus Karbon – ein extrem harter Kohlefaserstoff, der auch für Formel-1-Fahrzeuge und Rennräder verwendet wird – und wiegt rund 80 Gramm.

Der japanische Maskenträger hat sich mit seinem bestens mit dem dunklen Haupthaar kontrastierenden hellen Gesichtsschutz in der Vereinshistorie verewigt: Ein Dutzend Fans, das 1984 dabei und beeindruckt war, gründete ein gutes Jahrzehnt später den DSC-Fanclub "Ozakis Erben". Der existiert noch heute, hat aber die gleichnamige Homepage mittlerweile deaktiviert.

Einst wird darauf auch erwähnt gewesen sein, dass Arminia mit ihrem japanischen Maskenmann damals im Westderby gegen Schalke mit 2:1 triumphierte – obwohl Ozaki von Volker Roth, der später zum Vorsitzenden des DFB-Schiedsrichterausschusses avancierte, in der zweiten Halbzeit des Feldes verwiesen wurde. Nach 113 Spielen und 18 Toren für Arminia kehrte Ozaki über den Umweg FC. St. Pauli in seine Heimat zurück, wo er als Co-Moderator bei Fußballspielen dem Sport verbunden blieb.

Grünes Licht vom Mannschaftsarzt

Petr Gabriel (hier im Zweikampf mit Dortmunds Jan Koller) - © FOTO: ANDREAS ZOBE
Petr Gabriel (hier im Zweikampf mit Dortmunds Jan Koller) | © FOTO: ANDREAS ZOBE

Die Maskenmode erlebt nun dank Sebastian Heidinger den neuesten Herbsttrend 2010: Im Gegensatz zum Ozaki-Hell ein Heidi-Schwarz, ergänzt um gelbe Verschlüsse, farblich eher wagemutig abgestimmt mit den türkis-schwarzen Fußballschuhen. Der Träger der extravaganten Kopfbedeckung tut sich schwer damit, den Gesichtsschutz zu akzeptieren. "Es funktioniert alles bestens, und ich weiß auch, dass damit eigentlich nichts passieren kann", sagt Heidinger: "Aber es nervt mich trotzdem."

Radim Kucera - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Radim Kucera | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Mehrfach fasste sich der Offensivspieler während eines Trainingsspiels am Donnerstagvormittag an die Maske, um leichte Korrekturen am Sitz vorzunehmen. "Es drückt ein wenig aufs rechte Auge", erklärte Heidinger. Mit zusätzlichem Schaumstoff soll versucht werden, den Druckschmerz zu lindern. Prinzipiell sieht der 24-Jährige keinen Grund, wegen des beim Ostwestfalengipfel in Paderborn erlittenen Jochbeinbruchs nun gegen Duisburg pausieren zu müssen. Heidinger: "Vom Arzt habe ich Grünes Licht bekommen." Bleibt noch die Entscheidung des Schiedsrichters, der als letzte Instanz darüber zu befinden hat, ob die Zusatzkleidung dem Regelwerk entspricht.

Sebastian Heidinger - © FOTO: SARAH JONEK
Sebastian Heidinger | © FOTO: SARAH JONEK

Bisher gab es in der Historie der schwarz-weiß-blauen Maskenträger diesbezüglich noch nie Probleme. Weder beim legendären Kazuo Ozaki, noch bei dessen Nachfolgern in diesem Jahrtausend, egal ob Petr Gabriel, Heiko Westermann oder Radim Kucera. Vielleicht hat die Verkleidung beflügelnde Wirkung, mag aber auch sein, dass sie die Gegner erschreckt – jedenfalls scheint sie für Arminia so etwas wie eine Erfolgsgarantie zu beinhalten. Westermann (2006 in Mainz) und Kucera (2009 in Mönchengladbach) schafften mit ihren Teams jeweils ein Auswärts-1:1, Gabriel gelang am 6. November 2004 daheim ein 1:0-Westderbytriumph gegen Borussia Dortmund.

Es ist wieder Herbst, Arminia hat mit Heidi einen Gesichtsschutz-Befohlenen – der Hattrick darf Montag gegen Duisburg perfekt gemacht werden

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