Verletzter Spielführer Kauf nimmt sich und die Mannschaft in die Pflicht

Die Leiden des Kapitäns

VON RAINER KLUSMEYER
Arminia: Kauf nimmt sich und die Elf 

in die Pflicht - © ARMINIA
Arminia: Kauf nimmt sich und die Elf
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Bielefeld. Am Montagabend wird Rüdiger Kauf wieder auf der Tribüne sitzen. Daumen drücken, bangen, mitfiebern. Und nicht, wie es seine eigentliche Aufgabe als Kapitän des DSC Arminia wäre, seine Elf zum Zweitligaspiel gegen den MSV Duisburg um 20.15 Uhr auf den Alm-Rasen führen. Der Spielführer fällt wegen hartnäckiger Knieprobleme erneut aus - und leidet doppelt.

Mit den Schmerzen in seinem rechten Knie, in dem er sich 2005 einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, hat sich "Rübe" nach einem Monat Behandlung, Spritzkur und Rehabilitation irgendwie arrangiert - "mit einem Kreuzbandriss ist leichter umzugehen", meint Kauf: "Da ist Dir klar: Okay, Du musst sechs bis acht Monate pausieren und dann geht’s weiter. Jetzt aber weiß keiner genau, warum das Knie immer wieder anschwillt. Mittlerweile kann ich damit ganz gut umgehen und hoffe, nächste Woche wieder ins Laufen zu kommen."

Mannschaftskapitän Rüdiger Kauf schmerzt der Körper - und die derzeitige Arminia-Situation . - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Mannschaftskapitän Rüdiger Kauf schmerzt der Körper - und die derzeitige Arminia-Situation . | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

Mehr noch aber quält den defensiven Mittelfeldmann die Gesamtsituation. Fast ein Jahrzehnt spielt und kämpft der wackere Schwabe, der längst ein Ostwestfale geworden ist, für Schwarz-Weiß-Blau. Kauf hat viele Höhen miterlebt - wortwörtlich zu nehmen, wenn er wie 2002 und 2004 zur Aufstiegsfeier auf dem Rathausbalkon stand. Genauso oft (2003 und 2009) ertrug er das in Bielefeld stets drohende Abstiegsschicksal. Doch nun sogar um die Zugehörigkeit zur 2. Liga bangen zu müssen, ist eine neue Situation.

"Es bringt jetzt nichts, lange auf frühere und bessere Zeiten zurückzublicken", meint der 35-Jährige mit dieser Begründung: "Wir müssen uns alle allein auf das konzentrieren, was ist. Und das ist Tabellenplatz 17 mit nur drei Punkten - beides eindeutig zu wenig." Nur allzu gern würde der Bielefelder Rekord-Bundesligaspieler (170 Erstligaeinsätze) seinen Beitrag dazu leisten, dass möglichst schnell die Wende zum Besseren eintritt. Auf dem Rasen wird dies vorläufig kaum möglich sein. Und auch bei der täglichen Arbeit sieht Kauf zu seinem Leidwesen nur begrenzte Möglichkeiten. "Natürlich bin ich als Kapitän bei wichtigen Gesprächen dabei, aber das Tagesgeschäft kann ich nun mal nur von ein bisschen weiter weg verfolgen", erklärte er die missliche Situation.

"Jeder muss Grundverantwortung tragen"

Die ersten drei Saisonspiele (und Niederlagen) hat Rübe als Aktiver mitgemacht, die übrigen Misserfolge miterlebt, und weil insgesamt so wenig klappt, macht er sich "viele Gedanken". Eine wesentliche Erkenntnis, basierend auf fast zehn Jahren Profifußball mit Arminia: "Es darf keinen Unterschied machen, ob die Spieler jung oder erfahren sind. Eine gewisse Grundverantwortung muss jeder tragen, der den Anspruch erhebt, Profi zu sein. Und gerade in der Zweiten Liga müssen die grundlegenden Dinge wie Einsatz und Engagement stimmen - dann kommt das Spielerische und der Erfolg von allein."

Kauf ist viel zu sehr Mannschaftsspieler, als dass er sagen würde, was er in solchen Momenten auch denkt. Und was zum Beispiel sein könnte: Uns fehlen konstante, solide Typen wie Mathias Hain, Petr Gabriel, Detlev Dammeier oder Fatmir Vata, die früher jahrelang das Grundgerüst für ein funktionierendes Team waren.

Oder einer, der so gestrickt ist wie Kauf selbst: Absolut loyal, aber auch mit einem Gerechtigkeitssinn ausgestattet, der couragiertes Auftreten ermöglicht. Als beispielsweise im Mai 2009 vom DSC-Vorstand die ganze Verantwortung für den Erstliga-Abstieg bei der Mannschaft abgeladen wurde, wehrte sich nur ein Spieler öffentlich: Kauf. "Die oberen Leute sollten sich mal an die eigene Nase fassen und hinterfragen", sagte er und führte aus, dass die Personalpolitik der zurückliegenden fünf Jahre "obwohl es immer versprochen" worden war, nie darauf ausgelegt war, die sportliche Substanz des Kaders aufzubessern. Dass diese Kritik ihm gewaltigen Ärger mit dem heimlichen Machthaber Arminias, Roland Kentsch, eintragen würde, war ihm bewusst.

"Wir Spieler stehen in der Pflicht"

Hain und Gabriel sind wie Kauf auf einem Foto abgelichtet, das die Spieler zeigt, wie sie auf einer Feier gemeinsam mit dem damaligen Finanz-Geschäftsführer auf den Verein anstoßen. "Solche Fotos sind nun mal obligatorisch", sagt Kauf schmunzelnd. So viel zum Thema Kentsch, der in neuer Funktion als Geschäftsführer bei jenem MSV Duisburg fungiert, der am Montag zum Spiel in Bielefeld erwartet wird. Kommentare dazu verkneift sich der Kapitän: "Ich will kein Öl ins Feuer gießen." Und: "Die Dinge, die passiert sind und ganz bestimmt nicht toll für Arminia waren", so Kauf, dürften nicht als Alibi für aktuell schwache Leistungen genommen werden. "Wir Spieler stehen in der Pflicht", meint der an Leib und Seele angeschlagene Spielführer. Und hofft, dass diese Botschaft bei den Teamkollegen endlich ankommt.

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