BIELEFELD Kentsch soll sein Gehalt offenlegen

Ex-Geschäftsführer will von Arminia 15.696 Euro

VON PETER JOHNSEN UND RAINER KLUSMEYER
Roland Kentsch blieb der Verhandlung fern. - © FOTO: ANDREAS ZOBE
Roland Kentsch blieb der Verhandlung fern. | © FOTO: ANDREAS ZOBE

Bielefeld. Ihr Vater Wilhelm Tiekötter gehörte zu den 14 Männern, die sich am 3. Mai 1905 im Restaurant Modersohn trafen, um einen Fußballklub zu gründen. Dass dieser Verein seitdem Arminia heißt, ist der Legende nach Tiekötter zu verdanken, der den Namensvorschlag gemacht haben soll. Allein schon dieses Erbes wegen war es Helga Hagemann eine Herzensangelegenheit, neben dem früheren DSC-Präsidenten Winfried Rojahn auf der Zuschauerbank mitzuverfolgen, wie gestern am Landgericht über eine Klage jenes Mannes verhandelt wurde, in dem die rüstige ältere Dame einen der Hauptverantworlichen für die aktuelle Schieflage des DSC Arminia sieht.

Helga Hagemann wurde enttäuscht: Die Rolle von Roland Kentsch bei den finanziellen Problemen des Zweitligisten war nicht Gegenstand der Erörterungen, verhandelt wurde allein die Forderung des früheren Finanz-Geschäftsführers auf eine Gehaltsnachzahlung von 15.696,67 Euro – und ein Urteil wurde wegen offener Rechtsfragen auf den 23. November verschoben.
Sowohl Kläger Kentsch als auch Mitglieder der DSC-Führungsspitze hatten auf persönliches Erscheinen zum Termin verzichtet und das Feld ihren Anwälten Josef Winkler, Herford, und Christoph Schickhardt, Ludwigsburg, überlassen.

Der ehemalige DSC-Finanzgeschäftsführer verlangt Gehalt für den März dieses Jahres, denselben Monat, in dem er in gleicher Funktion in die Dienste des Zweitliga-Konkurrenten MSV Duisburg trat. Was er dort verdient, hat Kentsch bislang geheim gehalten. Er wird es dem Gericht aber mitteilen müssen, so Vorsitzender Richter Wilhelm Brechmann, weil diese Information für die Urteilsfindung unerlässlich ist.

Vergleich abgelehnt

"Rechnerisch steht ihm der Betrag zu, fraglich ist, ob auch rechtlich", stellte Brechmann fest. Anschließend erläuterte er den Anwälten ausführlich seine Sicht der Dinge. Demnach wird sich Kentsch zumindest sein Gehalt beim MSV auf die Forderung anrechnen lassen müssen. Eventuell hat er sogar gegen ein Wettbewerbsverbot verstoßen.

Einen Vergleich lehnte Rechtsanwalt Schickhardt kategorisch ab: "Es ist keine Konstellation denkbar, nach der Herr Kentsch auch nur einen Euro von Arminia erhält". Rechtsanwalt Winkler "drohte" im Gegenzug damit, den Fall bis zum Bundesgerichtshof durchzufechten.

Schickhardt deutet alle Einlassungen Brechmanns so, dass der Richter "in den entscheidenden Punkten" Rechtmäßigkeit der fristlosen Kündigung sowie Wettbewerbsverbot "eher Arminias Ansicht teilt". Sollte die Kentsch-Klage abgewiesen werden, "können wir mit unseren Forderungen gegen Kentsch in Ruhe warten", ergänzte Schickhardt. Bekäme allerdings Kentsch Recht, wäre der DSC-Anwalt vorbereitet, umgehend Schadensersatzforderungen gegen Roland Kentsch zu stellen.

Die Anwälte erhielten für eine Stellungnahme eine Frist von vier Wochen. Am 23. November will Brechmann dann sein Urteil verkünden (Az: 15 O 86/10).

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