Das Portrait: Roland Kentsch

Arminias Ex-Geschäftsführer gilt bei vielen Fans als Sündenbock für die aktuelle Misere

VON PETER BURKAMP UND HUBERTUS GÄRTNER
Das Portrait:

Roland Kentsch - © ARMINIA
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Roland Kentsch | © ARMINIA

Für viele Fußballfans von Arminia Bielefeld ist er zum Feindbild geworden: Roland Kentsch, Ex-Geschäftsführer, wird für die aktuelle Misere des Vereins verantwortlich gemacht. Doch wer ist Kentsch wirklich?

Bielefeld. Wenn es den Fußballsport nicht gäbe, "dann müsste man ihn erfinden". Denn bei diesem Spiel "verlieren Rasse, Religion und soziale Herkunft ihre Bedeutung". Dieser Meinung ist jedenfalls Roland Kentsch (53). In einem Buch über die "Fußballvereine und ihre soziale Verantwortung" hat er als Herausgeber schon vor einigen Jahren seine teils ins Philosophische reichenden Gedanken niedergelegt. Trainer und Verantwortliche eines Sportvereins seien "die preiswertesten Sozialarbeiter, die sich eine Gesellschaft wünschen kann", schrieb Kentsch.

Der Volkswirt Roland Kentsch sammelte viele Jahre Berufserfahrung im Bankensektor, ehe er beim Profi-Fußballklub Arminia Bielefeld anheuerte. - © FOTO: NW
Der Volkswirt Roland Kentsch sammelte viele Jahre Berufserfahrung im Bankensektor, ehe er beim Profi-Fußballklub Arminia Bielefeld anheuerte. | © FOTO: NW

Gegen solche Thesen ließe sich zwar einiges einwenden. Zum Beispiel, dass die Genannten, darunter auch Kentsch, zumindest im Profisport in aller Regel Gehälter kassieren, die sich Sozialarbeiter kaum vorstellen können. Zudem gilt Kentsch in konflikthaften Situationen nicht gerade als einfühlsamer Gesprächspartner.

Seit die dramatische finanzielle Schieflage von Arminia Bielefeld ruchbar geworden ist, muss Kentsch aber auch einiges aushalten. Für viele ist er der Sündenbock schlechthin. In manchen Fan-Äußerungen wird der studierte Volkswirt fast schon zum Dämon stilisiert. Das gilt umso mehr, seit die Bielefelder Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität wegen Untreue im Zusammenhang mit dem Neubau der Osttribüne der Schüco-Arena gegen ihn ermittelt.

Nicht immer galt Kentsch als Belzebub bei Arminia

Kentsch, der von 2002 bis 2009 Geschäftsführer der Arminia Bielefeld GmbH & Co. KGaA war und im Sommer vergangenen Jahres nach dem Abstieg des Vereins freigestellt wurde, hat die Vorwürfe bestritten. Nun will er sich auf Anfrage nicht mehr äußern.

Beim Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg, wo Kentsch seit dem 5. März dieses Jahres als Geschäftsführer im Amt ist, gibt es jedenfalls noch nicht den leisesten Anflug von Kritik. "Wir sind mit der Arbeit von Herrn Kentsch sehr zufrieden", sagt die Pressesprecherin Ina Bräutigam. Auch bei Arminia Bielefeld galt Kentsch nicht immer als Beelzebub, und er selbst wird es wohl als bittere Ironie der Geschichte empfinden, dass er früher einmal als Sparfuchs attackiert wurde und heute am Pranger steht, weil er angeblich zu großzügig mit den Millionen umging.

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