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BIELEFELD/KUNDUS Rapolder bringt WM nach Kundus

Bielefelder Ex-Coach besucht als Botschafter des Bundeswehr-Sozialdienstes Soldaten in Afghanistan

09.06.2010 | Stand 09.06.2010, 12:13 Uhr
Uwe Rapolder bewegt sich im Lager der Bundeswehr in Kundus, geschützt durch eine geliehene Splitterschutzweste. - © FOTO: RAPOLDER
Uwe Rapolder bewegt sich im Lager der Bundeswehr in Kundus, geschützt durch eine geliehene Splitterschutzweste. | © FOTO: RAPOLDER
Rapolder besucht Soldaten in Afghanistan - © KUNDUS
Rapolder besucht Soldaten in Afghanistan | © KUNDUS

Bielefeld/Kundus (dirk). Der deutsche Erfolg bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika wird auch am Hindukusch herbeigejubelt. Dafür hat Uwe Rapolder gesorgt, bis zum Mai 2005 Trainer in Diensten des DSC Arminia Bielefeld.

Der Fußballlehrer, zuletzt Cheftrainer bei der TuS Koblenz, besucht derzeit die Bundeswehrsoldaten im deutschen Feldlager in Kundus und hat alles Notwendige im Gepäck, damit die Soldaten die Spiele erleben können: Beamer, Großleinwand, Fanausrüstung. Rapolder bekam im Bundeswehrkrankenhaus an seinem Wohnort Koblenz Kontakt zu heimgekehrten Soldaten, erfuhr von ihren Problemen und schloss Freundschaften.

Er ging ein Ehren-Engagement als Botschafter des Sozialdienstes der Bundeswehr ein. Dass er sich zur Reise nach Afghanistan entschloss, war seiner Frau Birgit zuerst nicht geheuer. Jetzt meldete sich Uwe Rapolder mit seinen Eindrücken bei ihr und bei seinen Bielefelder Freunden.  

Die Reise nach Kundus

Mit dem Luftwaffen-Airbus nach Termez. Dann Shuttle-Flug nach Mazar-i-Sharif, schließlich mit der Transall im Sink- und Gleitflug und in Schutzweste nach Kundus.

Trikots, Fan-Schals und Bälle bringt Rapolder mit - ein wenig Normalität im belastenden Einsatz am Hindukusch. - © FOTO: RAPOLDER
Trikots, Fan-Schals und Bälle bringt Rapolder mit - ein wenig Normalität im belastenden Einsatz am Hindukusch. | © FOTO: RAPOLDER
Die Lage ist ernst in Kundus. Unsere Soldaten und Soldatinnen leben unter ständigem Druck. Aufträge im Außenbereich sind ohnehin gefährlich, aber auch im Lager ist man nicht sicher. Drei Nachtalarme wegen Raketenbeschuss allein letzte Woche, neun Beschüsse in den letzten drei Monaten. Das Lager ist umgeben von Taliban-Dörfern.
Die Gedenktafel am Ehrenhain ist trauriger Botschafter: 17 Namen, 17 Gefallene. Dazu viele Verletzte. In der Kantinenwand zwei Einschussschäden. Draußen sind an die 40 Grad, sengende Hitze. Kunduz. "Killing Zone" steht in einer Zeitung.

Die Truppenbetreuung tut alles, um den Soldaten "Normalität" zu geben: Kraftraum, Internetraum, der gesamte Entspannungstrakt heißt "Lummerland". Hierher sind wir gereist, um den Soldaten Geschenke zu überreichen, ihnen Solidarität zu bezeugen. Ganz wichtig dazu der Beamer inklusive Stereoan-lage und überdimensionale Leinwand, drei auf vier Meter. Hier gibt es viele Fußballfans in der Truppe, sie werden jetzt zusammen unser Team während der WM anfeuern, "public viewing" sozusagen.
Alles, was den Zusammenhalt stärkt, ist sehr wichtig. Und was könnte da besser sein als das gemeinsame Sehen und Feiern unserer WM-Spiele? Motivation pur.

Erinnerungsfotos mit Bundeswehrsoldaten entstehen. - © FOTO: RAPOLDER
Erinnerungsfotos mit Bundeswehrsoldaten entstehen. | © FOTO: RAPOLDER
Auch Trikots der Bundesligaklubs, Bälle und Schäle werden überreicht. HSV-, Nürnberg-, Mainz-Fans... Alle sind sie hier vertreten. Ich richte der Truppe stellvertretend die besten Grüße und Wünsche der Fußball-Bundesligisten aus.
Der Kommandeur, Oberst Zudrop, bedankt sich für die Unterstützung in einer offiziellen Ansprache. Die Truppe freut sich riesig auf die bevorstehende WM, auch wenn dann viele von den Soldaten außerhalb des PRT ihren Einsatz machen müssen.
In vielen persönlichen Gesprächen wird anschließend klar, wie dankbar die Soldaten für jede Unterstützung - auch moralischer - aus der Heimat sind.
Trotz der hohen Gefahrenlage ist die Stimmung insgesamt als konzentriert und gut zu bezeichnen. Bemerkenswert auch die Disziplin, keiner haut hier über die Stränge. Die Männer und Frauen machen unabhängig von der politischen Großwetterlage professionell ihren Job.

Die ganze Aktion wurde in Zusammenarbeit des Bundeswehrsozialwerkes, vertreten durch Stabsfeldwebel Seth Kirsch, und mir initiiert. Großer Dank gilt der Stiftung Toto-Lotto Rheinland-Pfalz, die diese Aktion spontan unterstützt hat.

Ihr Uwe Rapolder             

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