Bielefeld Zitterpartie für Arminia

Detmold fordert Unterlagen / Hauptausschuss nicht öffentlich / Hoffen auf Plan B

VON JOACHIM UTHMANN
Zitterpartie für Arminia - © ARMINIA 2
Zitterpartie für Arminia | © ARMINIA 2

Bielefeld. Die Zeit drängt. Die SPD hat zwar ein Signal für Arminia gesetzt. Trotzdem sind die Chancen des DSC, dass der Rat Freitag einem Darlehen in Höhe von 4,85 Millionen Euro als Nothilfe zustimmt, schlecht. Bei allen anderen Parteien geht "der Daumen tendenziell nach unten", so der Tenor gestern Abend nach Fraktions- und Mitgliedersitzungen. Ein höherer Beitrag der Wirtschaft könnte vielleicht noch Bewegung bringen.

Bis Freitag erwarten die Politiker auch eine rechtliche Bewertung aus Detmold, so SPD-Fraktionschef Georg Fortmeier: "Ein positives Signal ist wichtig." Doch dabei hakt es. Die Bezirksregierung forderte am Dienstag weitere Unterlagen an, weil ein tragfähiges Konzept des Vereins noch nicht erkennbar war. Dezernent Hermann Beckfeld: "So reicht das für eine Entscheidung nicht aus." Berndt Hedtmann, Referent der Regierungspräsidentin: "Frau Thomann-Stahl hat auch nicht ansatzweise signalisiert, dass sie mit einem Kredit einverstanden ist." Im Gegenteil: Am 11. Mai hatte Detmold in einem Brief betont, dass Kredite oder Bürgschaften zugunsten eines Profisportvereins der Gemeindeordnung entgegen stehen. Die Bielefelder Kämmerei schickte gestern Antworten nach Detmold, bestätigte Heike Wemhöner, stellvertretende Leiterin des Amtes für Finanzen.

Die Arminen-Fans fiebern der Ratssitzung entgegen, in der über die Nothilfe entschieden wird. Die Spannung ist fast so groß wie beim Public Viewing am 17. Mai 2008 in der Schüco-Arena, als es in Stuttgart um den Nichtabstieg ging - mit gutem Ende. - © FOTO: REIMAR OTT
Die Arminen-Fans fiebern der Ratssitzung entgegen, in der über die Nothilfe entschieden wird. Die Spannung ist fast so groß wie beim Public Viewing am 17. Mai 2008 in der Schüco-Arena, als es in Stuttgart um den Nichtabstieg ging - mit gutem Ende. | © FOTO: REIMAR OTT

Sie vertritt derzeit im Rathaus die Hauptakteure Kämmerer Franz-Josef Löseke und Amtsleiter Joachim Berens, die in Urlaub sind. Oberbürgermeister Pit Clausen arbeitete sich gestern an seinem ersten Arbeitstag nach dem Urlaub in die Materie ein. Er will sich heute nach dem Hauptausschuss äußern, der nicht öffentlich tagt und in dem auch der Vorstand des DSC gehört werden soll. Am Freitag um 15 Uhr entscheidet der Rat. Gruppen und Initiativen wie der BUND haben eine Stunde vorher zur Demonstration gegen die Nothilfe aufgerufen.

Die Politiker berieten gestern in den Fraktionen, wie sie sich verhalten. Trotz der Tendenz gegen das Darlehen halten einige noch ein Hintertürchen offen. Die BfB erwartet zunächst eine Klärung des Haftungsrisikos für die Ratspolitiker. Bürgernähe will sich endgültig erst nach dem Hauptausschuss entscheiden. Die Linken sagen klar nein.

Die CDU-Fraktion bestätigte gestern Abend einstimmig ihre Ablehnung. "Angesichts eines operativen Verlustes von 150 Millionen Euro pro Jahr kann sich die Stadt weder eine Bürgschaft noch einen Kredit für den Profifußballklub leisten", sagte Fraktionschef Rainer Lux. Auch die FDP rückte nicht von ihrer Skepsis ab, hat aber weiter Hoffnung, dass sich die Wirtschaft stärker bewegt. Das Darlehens- und Beteiligungsmodell böte dafür Sicherheiten, so Fraktionschef Harald Buschmann.

Die Grünen beriefen gestern Abend sogar eine Mitgliederversammlung ein, um sich Rückendeckung für das Nein zu holen. Obwohl mit Sportfunktionär Michael Vesper und Arminen-Verwaltungsrat Wilfried Lütkemeier zwei namhafte Vereinsunterstützer ihr politisches Gewicht in die Waagschale warfen, konnten sie die breite Mehrheit nicht umstimmen. Fraktionschefin Inge Schulze: "Da sind zu viele Löcher, die Risiken sind zu hoch." Lütkemeier versuchte Verständnis zu wecken, dass jetzt andere Leute mit anderem Konzept bei Arminia das Sagen hätten: "Wir wollen den Verein wieder an Bielefeld und OWL heranbringen." Ohne Zusage müsse Arminia am 5. Juni Insolvenz anmelden: "Dann ist der Verein weg in der 3. Kreisklasse." Doch bei der Mehrheit der Grünen bleiben viele Zweifel. Jens Julkowski-Keppler: "Wir dürfen nicht gutes Geld schlechtem hinterherwerfen."

Bei Grünen und FDP wächst auch die Sorge um die Ampel. Schulze: "Würde die SPD die Vorlage durchsetzen, wäre das eine sehr kritische Situation." Die Fraktionsspitzen der Koalition wollen sich heute nochmal abstimmen. Bisher hatten sie sich auf Geschlossenheit bei Beschlüssen verständigt.

Wie stark sich die Wirtschaft engagiert, ist schwer einzuschätzen. Unter den Sponsoren gebe es Gespräche, in enger Abstimmung mit dem Verein. Schüco-Sprecher Thomas Lauritzen: "Wir arbeiten daran, den Anteil von drei Millionen Euro bis Freitag zu erzielen." Lauritzen betonte: "Wir werden auch in Zukunft einen Beitrag leisten." Trotz der Widerstände zeigte er sich "verhalten optimistisch: Wir hoffen auf den Rat."
     

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