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Franz-Josef Löseke legte im Rathaus (unsere Fotomontage zeigt ihn vor dem Emblem des DSC) den Vorschlag der Verwaltung vor, wie die Stadt den heimischen Zweiligisten retten könnte. Jetzt sind die Politiker am Zuge. - © FOTO/MONTAGE: CHRISTIAN WEISCHE
Franz-Josef Löseke legte im Rathaus (unsere Fotomontage zeigt ihn vor dem Emblem des DSC) den Vorschlag der Verwaltung vor, wie die Stadt den heimischen Zweiligisten retten könnte. Jetzt sind die Politiker am Zuge. | © FOTO/MONTAGE: CHRISTIAN WEISCHE

BIELEFELD Frisches Geld soll Arminia retten

Überraschung: Stadtverwaltung schlägt nicht Bürgschaft, sondern Kredit vor

VON LOTHAR SCHMALEN
22.05.2010 | Stand 22.05.2010, 18:28 Uhr

Bielefeld. Nicht mit einer Bürgschaft, sondern mit einem Kredit über 4,85 Millionen Euro soll die Stadt den in Existenznot geratenen Fußball-Zweitligisten DSC Arminia retten. Dies schlägt die Stadtverwaltung den Politikern vor. Der Rat wird in einer Sondersitzung am nächsten Freitag entscheiden. Ob es dafür tatsächlich eine politische Mehrheit gibt, erscheint nach ersten Reaktionen aus den Fraktionen am Freitagabend fragwürdiger denn je.

Neben der Tatsache, dass es nun doch keine Bürgschaft, sondern ein Kredit, also echtes Geld sein soll, ist auch die von sechs auf 4,85 Millionen Euro reduzierte Summe eine echte Überraschung in dem Konstrukt, das Stadtkämmerer Franz-Josef Löseke und Amtsleiter Jochen Berens am Freitagnachmittag vorlegten. Danach beträgt die Finanzierungslücke, die Arminia bis zum 2. Juni schließen muss, um die Lizenz für die Zweite Liga zu erhalten, noch 10,2 Millionen Euro. Die Hälfte davon soll die Stadt beisteuern. Weil aber die Städtischen Kliniken bereits vor einigen Wochen (die NW berichtete) Arminia einen Kredit über 250.000 Euro gewährt habe, blieben jetzt noch 4,85 Millionen Euro übrig, rechnete Löseke vor.

Eine Bürgschaft reiche nicht aus, um bis zum 2. Juni bei finanzierenden Banken tatsächlich Geld zu beschaffen, sagte Löseke. Ein Blick auf den Vergleichsfall Aachen gibt ihm möglicherweise recht. Dort hat nämlich der Zweitligist Alemannia Aachen offenbar große Schwierigkeiten, sich das nötige Geld für die Lizenzerteilung zu beschaffen, obwohl die Stadt Aachen erst vor wenigen Wochen der dortigen Stadion-Gesellschaft, einer 100prozentigen Alemannia-Tochter, eine Bürgschaft über 5,5 Millionen Euro gewährt hat.

Die Konstruktion, dass nicht die Stadt selbst, sondern ihre 100prozentige Tochter, die Beteiligungsgesellschaft BBVG, das Darlehen geben soll, sei geschaffen worden, um zu erreichen, dass die Kommunalaufsicht bei der Bezirksregierung in Detmold der Kreditvergabe zustimmt. Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl hatte darauf hingewiesen, dass die Stadt selbst keinen Kredit an den Profi-Verein oder an dessen Tochtergesellschaften geben darf. In der BBVG sind die Anteile der Stadt an ihren Tochterfirmen zusammengefasst. Dazu gehören auch die Stadtwerke, deren Chef Wolfgang Brinkmann Präsident von Arminia werden soll. Wohl auch deshalb sieht der Löseke-Plan vor, dass personelle Überschneidungen zwischen der Stadt und ihren Töchtern auf der einen und Arminia auf der anderen Seite spätestens ab 2012 ausgeschlossen sein müssten. Ende 2011 geht Brinkmann als Stadtwerke-Chef in den Ruhestand. Löseke wies daraufhin, dass die offizielle Genehmigung für die Kreditvergabe aus Detmold noch nicht vorliegt. Allerdings sei die Konstruktion vorab "grob besprochen" worden, sagte Jochen Berens, Leiter des Amtes für städtische Beteiligungen. Über die genaue Verzinsung und über die Tilgungsdetails des möglichen Darlehens machte Löseke keine Angaben. Er sagte lediglich, die Zinsen müssten "marktüblich" sein.

Bis März 2011 soll eine Stadion-Gesellschaft gegründet sein, die sicherstellt, dass das Stadion dauerhaft für den nichtkommerziellen Sport geöffnet bleibe. Der dann noch verbliebene Rest des Darlehens sollen städtische Anteile an der Stadion-Gesellschaft umgewandelt werden.

In dem jetzt vorliegenden Papier der Verwaltung, auf dessen Grundlage die Politiker entscheiden sollen, ist erstmals aufgelistet, was eine Arminia-Insolvenz die Stadt tatsächlich kostet: Außenstände in Höhe von 2,7 Millionen Euro (Stadt und ihre Töchter) sowie eine alte Bürgschaft über 950.000 Euro müsste die Stadt abschreiben. Dazu käme noch das Gesamt-Engagement der Sparkasse Bielefeld, bei der Arminia mit insgesamt 12,3 Millionen Euro in der Kreide steht. Allerdings bürgt bislang das Land NRW zu 80 Prozent für diesen Kredit.

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