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Einigkeit macht Arminia etwas stärker

Weiter Zeitdruck bei der Lösung von Finanz- und Personalproblemen

VON RAINER KLUSMEYER
07.05.2010 | Stand 07.05.2010, 15:46 Uhr |
Arminia unter Zeitdruck - © ARMINIA 2
Arminia unter Zeitdruck | © ARMINIA 2

Bielefeld. Über 95 Prozent der knapp 1.500 anwesenden und stimmberechtigten Mitglieder haben Ja gesagt zur Satzungsänderung des DSC Arminia. Sie sind also damit einverstanden, dass sie am 6. Juni bei der Hauptversammlung in der Stadthalle den Präsidenten-Nachfolger von Hans-Hermann Schwick nicht mehr direkt wählen, sondern die Verwaltungsrats-Vertreter ihres Vertrauens, die danach das Präsidium bestimmen.

Als wichtigsten Schritt zur Rettung des finanziell in schwere Schräglage geratenen Vereins haben die aktuellen und zukünftigen Verantwortlichen diesen formalen Akt mehrfach bezeichnet. Bis zum 2. Juni, dem Tag, an dem vor der Deutschen Fußball Liga (DFL) Rechenschaft abgelegt werden muss, ist nun nachzuweisen, dass die mit der Satzungsänderung verbundenen Pläne realisiert, die abgegebenen Versprechen auch tatsächlich eingehalten werden.

"Ich bin sehr zufrieden, nicht nur mit dem Ergebnis der Versammlung, sondern vor allem mit deren Ablauf und der wohltuenden Stimmung", sagte der designierte neue Präsident Wolfgang Brinkmann. Die über vierstündige Diskussion war in Anbetracht der dramatischen Situation auf einem bemerkenswert hohen Niveau geführt worden – "das ist die Arminia, wie ich sie mir vorstelle", erklärte Brinkmann: "Wir sprechen endlich wieder mit einer Stimme nach draußen und machen es der Politik damit schwer, der Arminia nicht zu helfen."

Brinkmann: Ganze Wahrheit auf den Tisch

Zwölf Millionen Euro beträgt die aktuelle Liquiditätslücke, die der DSC gegenüber der DFL zu schließen hat, um die Lizenz für ein nächstes Jahr Zweitligafußball zu erhalten. Eine Sicherheit von sechs Millionen Euro (Bürgschaft oder Stadionbeteiligung) benötigt der DSC auf der einen Hälfte seines Rettungsplanes von der Stadt Bielefeld. "Von unserer Seite muss die ganze Wahrheit auf den Tisch", verlangt Brinkmann, "damit der Rat ziemlich sicher sein kann, dass die Rettung nicht nur für ein Jahr gilt, sondern dass wir mittelfristig weiter Profifußball anbieten können."

Noch-Präsident Hans-Hermann Schwick, Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen und Bald-Präsident (?) Wolfgang Brinkmann besiegeln ihr Bündnis für die neue Arminia. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Noch-Präsident Hans-Hermann Schwick, Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen und Bald-Präsident (?) Wolfgang Brinkmann besiegeln ihr Bündnis für die neue Arminia. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Anerkannt sind seitens der DFL bereits 1,5 Millionen Euro (der erforderlichen drei Millionen), die durch eine Reduzierung des Profikaders erreicht werden. Brinkmann ist "zuversichtlich", dass dank der Strukturänderung im Verein zudem die Industrie alsbald die avisierten drei Millionen Euro gibt – "wir haben schon ein Notaranderkonto eingerichtet, auf das Überweisungen vorgenommen werden können."

Egal, wie viel Geld darauf tatsächlich eingeht – im Falle der Lizenzerteilung wird der DSC Arminia dennoch kaum eine Mannschaft zusammenstellen können, die über eine Wiederaufstiegsperspektive verfügt. "Letztlich ist es aus meiner Sicht auch nicht so entscheidend, ob wir nächstes Jahr auf Platz 9, 14 oder 6 landen", sagt Brinkmann: "Ich erwarte allerdings, dass wir wieder attraktiveren Fußball spielen. Dabei setze ich auf jüngere Spieler und einen Trainer, der dieses Konzept vertritt."

Womit der Stadtwerke-Geschäftsführer bei den dringenden Personalfragen angelangt wäre. Ein Trainer muss her – was schwierig ist, weil die Lizenz noch fehlt. Und eine neue Geschäftsführung ist zu installieren. Brinkmann: "Auf Geschäftsführer-Ebene halte ich sehr viel vom Vier-Augen-Prinzip. Aber auch das ist eine finanzielle Frage. Womöglich müssen wir zwischen Sport- und Finanz-Geschäftsführer abwägen." Nach Informationen dieser Zeitung wird auf sportlicher Seite ein Teammanager favorisiert. Der Kandidat – Interesse besteht an St. Paulis Chefscout Stefan Studer – soll sogar schon einen unterschriftsreifen Vertrag vorliegen haben.

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