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EINWURF Alm muss wieder Alm werden

Arminia nach der Satzungsänderung

VON RAINER KLUSMEYER
07.05.2010 | Stand 07.05.2010, 11:39 Uhr

Der hohe Prozentsatz, mit dem die Arminia-Mitglieder der Satzungsänderung zugestimmt haben, bedeutet noch lange nicht, dass wirklich 95 Prozent der schwarz-weiß-blauen Familie von der Richtigkeit dieser Entscheidung überzeugt wären. Viele sind dazu gedrängt worden. Durch das Aufzeigen eines Alles-oder-nichts-Szenarios.

Durch mehr oder wenige subtile Propaganda-Beiträge prominenter Persönlichkeiten wie Michael Vesper, dem Generaldirektor des Deutschen Olympischen-Sportbundes mit Arminia-Herz. Durch geschickt platzierte Reden bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung, beispielsweise die von Schüco-Arena-Moderator Thomas "Schmitti" Milse und Oberbürgermeister Pit Clausen. Danach war ein Nein emotional so gut wie unmöglich.

Wenn die Änderung tatsächlich zu einer gedeihlicheren Zukunft beiträgt – Okay und Danke. Nur möge ein kleiner Teil der OB-Rede wesentlicher Bestandteil der in Aussicht gestellten besseren Zeiten werden: "Wir wollen weiter Fußball in der Schüco-Arena sehen. Guten Fußball."

Genau so ist es, Herr Clausen. Abgesehen von der unendlich langen Reihe von organisatorischen Fehlern auf Führungsebene quält den Arminia-Anhänger das sportliche Angebot auf dem Rasen. Weit über 40 Jahre hat der Autor dieses Textes den DSC zu Spielen bei Vereinen begleitet, von deren Existenz der jüngere Arminia-Anhänger kaum etwas ahnt. Zum 1. FC Styrum (Treffen mit Gabi aus Mülheim an der Stadionuhr), zu Göttingen 05 (Jonny Heys Pfostenschuss), zu Olympia Wilhelmshaven (Brandwunde am Arm wegen Volkers Zigarette beim 2:1-Siegtreffer in Unterzahl). Da wird man hoffentlich sagen und schreiben dürfen: Die Arminia braucht keine übervorsichtigen Trainertaktikfüchse, keine sich vor allem ums persönliche Wohlergehen sorgende Kicker und auch keine ihre internen und externen Kritiker eiskalt und aalglatt abbügelnden Geschäftsführer.

Arminia benötigt Leute mit Leidenschaft, Einsatzbereitschaft, Ehrlichkeit, Identifikation mit der Region. Und mit Mut. Wie derzeit beispielsweise vom FSV Mainz 05 vorbildlich gezeigt. Ein Kleiner, vor dem die Großen zittern. So ist’s auch mal gewesen in Bielefeld, als es noch "Alm ist wieder Alm" hieß, wenn wieder ein Goliath in die Knie gezwungen war. Aber nicht einmal mehr dieser alte Spruch lässt sich heute noch sagen.

Mail an den Autor: rainer.klusmeyer@ihr-kommentar.de

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