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Pit Clausen, Wolfgang Brinkmann, Andreas Rüther, Inge Schulz und Ralf Schulze (von links) diskutierten gestern unter der Leitung von Martin Knabenreich (2.v.l.) von Radio Bielefeld über eine städtische Unterstützung für Arminia. - © FOTOS: ANDREAS ZOBE
Pit Clausen, Wolfgang Brinkmann, Andreas Rüther, Inge Schulz und Ralf Schulze (von links) diskutierten gestern unter der Leitung von Martin Knabenreich (2.v.l.) von Radio Bielefeld über eine städtische Unterstützung für Arminia. | © FOTOS: ANDREAS ZOBE

Bielefeld Eine Frage des Vertrauens

Städtische Bürgschaft für Arminia? Politiker unter Druck / Belastbare Daten gefordert

VON ANSGAR MÖNTER
06.05.2010 | Stand 06.05.2010, 14:54 Uhr

Bielefeld. Alle reden vom Geld. Arminia ist in existenziellen Finanznöten. Aber es gibt noch etwas, was dem Verein fehlt: Vertrauen. Im Rathaus jedenfalls herrscht deshalb Ratlosigkeit. Die Politiker diskutieren hitzig – unter anderem gestern Nachmittag live bei Radio Bielefeld – , ob sie einer von Arminia angefragten städtischen Bürgschaft über sechs Millionen Euro noch im Mai zustimmen sollen. Der Verein braucht sie für die Lizenz-Erteilung Anfang Juni. Das Stimmungsbild ist – für den Verein – äußerst kritisch.

Die Grünen und die FDP sind die ersten, die sich positioniert haben. Sie lehnen eine Hilfe der Stadt ab – zumindest nach derzeitigem Kenntnisstand. "Uns fehlen belastbare Zahlen und Transparenz", moniert Inge Schulze, Fraktions-Chefin der Grünen. "Die Bürger sollen nicht für Managerfehler bei Arminia zahlen müssen", ergänzt Thomas Seidenberg (FDP).

Oberbürgermeister Pit Clausen, dessen SPD Koalitionspartner von Grünen und FDP ist, neigt hingegen dazu, der Bürgschaft zuzustimmen. "Ich muss mich fragen, ob die Stadt ein Interesse hat, dass Arminia gerettet wird. Drei Gründe sprechen dafür", sagt er. "Die Stadt ist selbst Gläubiger, es steht noch ein hoher Millionenbetrag aus, der bei einer Insolvenz verloren wäre; das große Stadion soll keine zweite Radrennbahn werden; Arminia ist der Imageträger der Stadt." Allerdings will auch Clausen erst alle Unterlagen prüfen lassen. So wie Ralf Schulze von der BfB und Andreas Rüther (CDU), Vorsitzender des Sportausschusses. "Wir haben noch keine Grundlage, auf der wir entscheiden können. Wir brauchen das Konzept des neuen Vorstands", sagt Rüther. Er und die anderen Ratsmitglieder befürchten, dass nach der Rettung 2010 die nächste Rettung 2011 folgen könnte.

Wolfgang Brinkmann, Stadtwerke-Chef und designierter Präsident von Arminia, kann das Misstrauen der Politik verstehen nach den jüngsten Ereignissen rund um Arminia und Stadionbau. "Die Stadt kann nur helfen, wenn Arminia mittelfristig Bundesligafußball garantiert." Er will dazu beitragen, dass das der Fall sein wird. "Wenn die Politik ein Bekenntnis zu Arminia abgibt, werden wir einen Weg finden", verspricht er.

Brinkmann betont immer wieder, dass es nicht darum gehe, mit Steuergeld Spielergehälter zu bezahlen: "Kein Cent soll aus der Stadtkasse an den Verein überwiesen werden. Es geht um eine Bürgschaftserklärung, damit die Lizenz erteilt wird und Arminia wieder zu den Banken gehen kann." Auch aus der Bielefelder Wirtschaft soll noch Geld eingeworben werden. Er warnt davor, Entscheidungen aufgrund von Stimmungen zu treffen nach dem Motto: Anderswo wird gespart und Arminia geben sie Geld. "So eine Diskussion ist nicht mein Niveau." Rüther mahnt ebenso eine sachliche Ebene an, betont aber, dass die Politik die Haushalts-Konsolidierung dabei nicht außer acht lassen könne.

Die Lage ist extrem schwierig, muss aber sehr schnell erfasst und gelöst werden. Am 27. Mai soll in einer Rats-Sondersitzung entschieden werden. Einen Aufschub wird es nicht geben. Die Unterlagen von Wirtschaftsprüfer Roland Berger sowie alle relevanten Papiere sind laut Brinkmann im Rathaus. 21 Tage haben die Ratsmitglieder Zeit, sich Gedanken zu machen, wie weit sie den neuen Leuten bei Arminia vertrauen und wie wichtig ihnen die Rettung des größten Imageträgers der Stadt ist.
    

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