BIELEFELD Neonazi-Propaganda nach Arminen-Tor

Rechtsextremisten werben in Schüco-Arena für Aufmarsch

Bielefeld (hl). Schüco-Arena, 42. Minute. Tor für Arminia Bielefeld. Torschütze Chris Katongo. Die Fans auf der Südtribüne jubeln über den von dem Schwarzafrikaner verwandelten Foulelfmeter. Hunderte Papierschnipsel werden vom Oberrang geworfen. Doch statt der beim Jubel meistens benutzen Bierglasmanschetten wirbeln 3,8 mal 10,5 Zentimeter große Zettel durch die Luft, die für einen rechtsextremen Aufmarsch werben: "Achtung, Britisches Folterlager, Trauermarsch Bad Nenndorf" ist zu lesen, angegeben ist zusätzlich eine Internet-Adresse, die die Neugierde der meist jugendlichen Fans auf den "Trauermarsch" wecken soll. Für die Abteilung Staatsschutz bei der Bielefelder Polizei reiht sich diese Aktion mit den im Jugendjargon "Spuckies" genannten Zetteln ein in eine aktuell zu beobachtende Propaganda-Offensive der Rechtsextremisten und Neonazis in ganz Deutschland. Dazu gehört eine als Schülerwettbewerb getarnte Aktion, mit der fremdenfeindliche Gefühle bei Jugendlichen geweckt werden sollten (die Neue Westfälische berichtete). Mit dem sogenannten Trauermarsch wollen Neonazis und "Freie Kameradschaften" an teilweise schwere Übergriffe der Briten in einem Kriegsgefangenenlager in Schaumburg-Lippe erinnern. Sorgen bereitet dem Verfassungsschutz die zeitliche Nähe des Aufmarsches zu einem anderen für Rechtsextreme wichtigen Jahrestag: Am 17. August 1987 hatte sich der als "Märtyrer" verehrte Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß in seiner Zelle in Berlin-Spandau das Leben genommen. Der Leichnam des damals 83-Jährigen wurde auf dem Friedhof im fränkischen Wunsiedel beigesetzt. Bis zum Verbot der sogenannten Gedenkmärsche im Jahr 2005 marschierten bis zu 4.500 Neonazis durch die Ortschaft im Fichtelgebirge. Der Präsident des niedersächsischen Verfassungsschutzes, Hans Wargel, sagte, das gewählte Datum deute darauf hin, dass die Neonazis versuchten, die Veranstaltung in der Stadt Bad Nenndorf zu einer Ersatzveranstaltung für Wunsiedel aufzubauen. Der Verfassungsschutz schätzt den "Trauermarsch" als bundesweit drittgrößte Veranstaltung dieser Art ein und rechnet mit bis zu 1.000 Teilnehmern. Man beobachte die Entwicklung mit großer Sorge, so Wargel. Damit Bad Nenndorf nicht "zu einem neuen Wunsiedel" werde, sei die ganze Kreativität der Kommunen und des Verfassungsschutzes gefragt, um den Veranstaltungsort für die rechtsextreme Szene so uninteressant wie möglich zu machen. Ein Sprecher des DSC Arminia bedauerte gestern zutiefst die Aktion auf der Alm. Verein und Fans stellten sich stets offen und aktiv gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit.

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