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Arminen-Kapitän Andreas Golombek (r.), der beim 6:1-Heimsieg den Treffer zum 2:0 erzielte, köpft auf das Paderborner Tor. Den TuS-Spielern Klaus Hardes und Jörg Brückner (hinten l.) bleibt nur die Zuschauerrolle.FOTO: WERNER SCHULTE - © FOTO: WERNER SCHULTE
Arminen-Kapitän Andreas Golombek (r.), der beim 6:1-Heimsieg den Treffer zum 2:0 erzielte, köpft auf das Paderborner Tor. Den TuS-Spielern Klaus Hardes und Jörg Brückner (hinten l.) bleibt nur die Zuschauerrolle.FOTO: WERNER SCHULTE | © FOTO: WERNER SCHULTE

Eine Lehrstunde auf der Alm

Wie Arminia Bielefeld den TuS Paderborn-Neuhaus einst im Oberliga-Topspiel mit 6:1 vom Platz fegte

VON FRANK BEINEKE
19.03.2010 | Stand 19.03.2010, 13:47 Uhr |

Paderborn/Bielefeld. Wolfgang Schlichthaber hat beste Erinnerungen an die Saison 1989/1990. In seinem ersten Jahr als Trainer des TuS Paderborn-Neuhaus holte der damals 47 Jahre alte Fußball-Lehrer die Vizemeisterschaft in der Oberliga Westfalen. An den 12. November 1989 denkt Schlichthaber dagegen nur ungern zurück. Denn an diesem Tag hatte der TuS Paderborn-Neuhaus eine 1:6-Schlappe bei Arminia Bielefeld kassiert.

"Das war eine Lehrstunde. Die Arminia hatte uns ganz schön durcheinander gewirbelt", erklärt Wolfgang Schlichthaber mit Blick auf das damalige OWL-Derby zwischen Spitzenreiter Bielefeld und den zweitplatzierten Paderbornern. Und das Oberliga-Gipfeltreffen hielt, was die Tabellensituation versprach. Die 18.000 Zuschauer auf der ausverkauften Bielefelder Alm sahen spektakuläre 90 Minuten. "Es war eines der besten Amateurspiele, die ich je gesehen habe", schwärmte Reporter Jürgen Bergener.

Zum hohen Unterhaltungswert der Partie hatte auch Paderborn beigetragen. Angetrieben von 5.000 mitgereisten Fans spielten die TuS-Kicker munter nach vorne. "Paderborn war gerade in der ersten Halbzeit keineswegs unterlegen. Aber bei uns war fast jeder Schuss ein Treffer", erinnert sich Gerrit Meinke, der damals seine Debüt-Saison in Bielefeld absolvierte, dabei satte 16 Tore schoss und heute als Controlling-Leiter beim SC Paderborn arbeitet.

Die Gäste aus der Domstadt waren jedoch zu blauäugig gewesen. "Wir hatten eine sehr junge Truppe und waren regelrecht naiv. Viele hatten das erste Mal vor so einer großen Kulisse gespielt", sagt Wolfgang Schlichthaber. Dessen Trainerkollege auf Arminen-Seite war damals der junge Ernst Middendorp, der nach dem Spiel zu Protokoll gab: "Entgegen meiner Art bin ich heute rundum zufrieden."

Michael Wollitz war unzufrieden

Unzufrieden war dagegen Michael Wollitz. Der Libero des TuS Paderborn-Neuhaus, der in der Saison 85/86 für Arminia Bielefeld gespielt hatte, leistete sich bei seiner Rückkehr auf die Alm zwei böse Patzer, die prompt zu Gegentoren führten. Dabei hatte Wollitz vor dem Derby vollmundig verkündet: "Wir hauen die Arminia weg – und dann fahren wir wieder nach Hause." Doch Wollitz und Co. zogen aus der 1:6-Pleite die richtigen Lehren.

Im Rückspiel im Lönsstadion war der TuS die bessere Mannschaft, vergab beim 0:0 jedoch zahlreiche gute Chancen. Am Saisonende wurde Arminia mit sechs Punkten Vorsprung Oberliga-Meister, scheiterte in der Zweitliga-Aufstiegsrunde jedoch am VfB Oldenburg und TSV Havelse. "Es war dennoch eine tolle Spielzeit. Wir hatte eine prima Truppe, die sich auch außerhalb des Platzes sehr gut verstand", betont Ex-Armine Gerrit Meinke, der seine aktive Karriere im Sommer 2000 beim SC Paderborn beendete.

Wolfgang Schlichthaber - © FOTO: WOLFGANG TILLY
Wolfgang Schlichthaber | © FOTO: WOLFGANG TILLY

Beim Tipp für das OWL-Derby am Samstag gibt sich Meinke diplomatisch. "Ich wünsche mir ein schönes Spiel und etwas Zählbares für Paderborn. Ein 2:2 wäre nicht schlecht", sagt der SCP-Mitarbeiter. Auch der gebürtige Bielefelder Wolfgang Schlichthaber, der als Torwart bei Arminia und beim 1. FC Paderborn gespielt hatte, setzt auf ein Remis. "Paderborns Spielweise gefällt mir sehr gut", sagt der 67-Jährige. "Ein erneutes 6:1 für Bielefeld wird es jedenfalls nicht geben", ergänzt Schlichthaber, "dafür ist die Arminen-Offensive viel zu schwach."

Bielefeld – Paderborn-Neuhaus 6:1 

DSC Arminia Bielefeld: Kneib, Meier, Konerding, Simac, Stratos, Knehans, Kopp (73. Tonn), Golombek, Lonnemann, Meinke (57. Geideck), Eigenrauch.
Trainer: Ernst Middendorp.
TuS Paderborn-Neuhaus: Hartmann, Wollitz, Bräuer, Koch, Fuhrberg, Erfkamp (27. Brückner), Hardes, Gnacke, Ropinski, Grahl, Polaczy (55. Borgmeier).
Trainer: Wolfgang Schlichthaber.
Tore: 1:0 Lonnemann (23.), 2:0 Golombek (37.), 2:1 Grahl (41.), 3:1 Knehans (53.), 4:1 Lonnemann (73.), 5:1 Knehans (84.), 6:1 Tonn (86.).
Zuschauer: 18.000 auf der ausverkauften Bielefelder Alm.

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