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Arminias Finanz-Lücken seit Sommer bekannt

Verhängt die DFL Punktabzug, geht’s nur noch um die goldene Ananas

VON PETER BURKAMP
16.03.2010 | Stand 16.03.2010, 11:05 Uhr
Arminias Finanzlücken seit Sommer bekannt - © ARMINIA 2
Arminias Finanzlücken seit Sommer bekannt | © ARMINIA 2

Bielefeld. Was waren das für positive Gefühle, die Arminias Führung nach dem Rapport am 16. Februar bei der DFL vermittelte. "Ich bin entspannt gekommen und entspannt wieder gefahren", sagte Norbert Leopoldseder. Sowohl der DSC-Aufsichtsratschef als auch der kaufmännische Geschäftsführer Heinz Anders waren wortwörtlich "optimistisch", die Forderungen der DFL erfüllen zu können.

Und es kam sogar noch besser. Am Dienstag vor einer Woche verkündete Leopoldseder, dass die DFL den Arminen mündlich schon einmal "grünes Licht" signalisiert habe. Wenige Tage später wird stattdessen eine Bestrafung durch die DFL immer wahrscheinlicher. In der Bild wird Leopoldseder mit den Worten zitiert: "Ich rechne mit Sanktionen." Dabei hatte er doch gerade erst versichert, dass "die Saison bis zum 30. Juni durchfinanziert ist".

Was war passiert? Arminias Führung hatte bei aller propagierten Offenheit für sich behalten, dass die Deckungslücke für die laufende Saison spürbar höher ausfallen kann und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch wird. Diese Tatsache ist dem Klub bekannt, seitdem im Sommer eine interne Revision durchgeführt worden ist. "Ich habe schon seit Sommer von den Finanzproblemen gewusst", sagte Ex-Trainer Thomas Gerstner dieser Zeitung. Die Revision hatte zutage gefördert, dass der unter dem früheren Geschäftsführer Roland Kentsch erstellte Etat-Ansatz für das Lizenzierungsverfahren mit überhöhten Einnahmeerwartungen arbeitete.

Auf höhere Ticketeinnahmen gesetzt

Damit war auch klar, dass die Einnahmeseite nicht nur bis zum Jahresende 2009 weit hinter den Erwartungen zurückbleiben würde, sondern auch bis zum Saisonende am 30. Juni 2010. Wenn – und davon ist auszugehen – die Zuschauerzahlen weiter unter den Planzahlen bleiben, wird sich das Saisondefizit wohl auf 3 Millionen Euro erhöhen. Grundlage der Berechnungen war ein Ticket-Durchschnittspreis von knapp über 14 Euro. Im Schnitt erreichen die Arminen aber nur 10 Euro, da die im doppelten Sinn teure Haupttribüne von den Fans weiter gemieden wird.

Von der Haupttribüne trauert niemand mit Andre Mijatovic (l.) und Giovanni Federico. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Von der Haupttribüne trauert niemand mit Andre Mijatovic (l.) und Giovanni Federico. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Laut Revisionsbericht wurde sogar befürchtet, die Etatunterdeckung könnte die Vier-Millionen-Euro-Grenze überschreiten. Das alles haben die Verantwortlichen seit Mitte letzten Jahres gewusst, dennoch die wahren Ausmaße der Krise verschwiegen, teilweise sogar abgestritten, dass der Klub finanzielle Probleme hat. Im November nannte ein Vorstandsmitglied Meldungen über Zahlungsschwierigkeiten: "Blödsinn." Der Vorstand lege stattdessen Wert auf die Feststellung, dass der Verein sich auf "geordnetem Terrain" befinde. Bleibt die Frage, warum die Gremien des Vereins – Aufsichtsrat und Vorstand – die Etatplanungen durchgewinkt haben, ohne sie kritisch zu überprüfen.

Die DFL könnte den Etat-Entwurf als "Täuschung im Lizenzierungsverfahren" interpretieren. Dass deshalb Punktabzug und Geldstrafe drohen, ist keine Überraschung. In einem vergleichbaren Fall ist die TuS Koblenz sanktioniert worden – mit acht Punkten Abzug und einer Geldstrafe in Höhe von 200.000 Euro. Nachdem der Rückstand auf Platz drei nun schon sechs Punkte beträgt, dürfte ein weiterer Abzug in der laufenden Saison allerletzte Aufstiegshoffnungen zerstören. Für die DSC-Profis ginge es bis Anfang Mai nur noch um die goldene Ananas.

Ein Teufelskreis droht

Dass unter diesen Voraussetzungen die Zuschauer ausbleiben, ist klar – ein Teufelskreis, der den Klub viel Geld kosten wird. In Kürze wird mit einer Nachricht der DFL zu rechnen sein. Zu einer möglichen Strafe und zu Zahlen bezüglich der Etatunterdeckung äußere sich die DFL nicht, so ein Sprecher.

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