Arminia-Spitze sondiert den Trainermarkt

Gerstners absehbares Ende

VON PETER BURKAMP
Die Vorstandsmitglieder Albrecht Lämmchen (l.) und Frank Kottmann (r.) hören gemeinsam mit Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier den Ausführungen von Thomas Gerstner (spiegelt sich in der Scheibe) nach dem KSC-Spiel zu. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Die Vorstandsmitglieder Albrecht Lämmchen (l.) und Frank Kottmann (r.) hören gemeinsam mit Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier den Ausführungen von Thomas Gerstner (spiegelt sich in der Scheibe) nach dem KSC-Spiel zu. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Arminia-Spitze sondiert den Trainermarkt - © ARMINIA 2
Arminia-Spitze sondiert den Trainermarkt | © ARMINIA 2

Bielefeld. Um 16.30 Uhr brauste Thomas Gerstner vom Trainingsgelände. Die lauernden Fotografen hatte er durch eine List und mit Hilfe einiger Mitarbeiter um das Bild gebracht, das ihn dabei zeigen sollte, wie er seinen Arbeitsplatz für immer verlässt. Zu dieser Zeit hatte Detlev Dammeier Gerstners Platz schon eingenommen. Der Sport-Geschäftsführer springt wieder mal als Trainer ein. So wie zuletzt im Dezember 2007 beim Heimsieg gegen den VfB Stuttgart (2:0), als zuvor Ernst Middendorp entlassen worden war.

Die Beurlaubung als letzte Möglichkeit, vielleicht doch noch die Wende zum Guten einzuleiten - auf diese Hoffnung setzten "die Gremien" des Klubs, wie es so schön heißt, in der Krisensitzung am Mittwochabend. "Einstimmig" habe man sich zu diesem Schritt entschlossen, erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Norbert Leopoldseder. Detlev Dammeier trägt die Entscheidung mit, auch wenn er sie "persönlich sehr schade findet". Letztlich habe man nach der Entwicklung in den vergangenen Wochen die Gefahr gespürt, "dass wir unser Saisonziel mit ihm nicht mehr erreichen könnten", meinte Dammeier.

Grundsätzlich sei der Verein mit Gerstner nicht schlecht gefahren. "Wir haben viele moderne Dinge eingeführt und ich denke, wir waren auf einem guten Weg." Die "ernüchternden Ergebnisse" der jüngeren Vergangenheit hätten dann jedoch zur ultimativen Konsequenz geführt. Auch wenn zuletzt in erster Linie die emotions- und ratlose Vorstellung der Profis in der Kritik stand, war doch klar, dass wie in der Branche üblich, eher der Trainer denn die Spieler entlassen werden würden.

Die stehen nun in der Verantwortung. "Sie können in Aachen beweisen, dass Kerle auf dem Platz stehen", sagte Dammeier, der heute Abend das Sagen hat und das Team zusammen mit den Co-Trainern Frank Eulberg und Jörg Böhme auf die Partie (Anstoß 18 Uhr) einstimmen wird. Der Interimscoach geht davon aus, "dass die Mannschaft Charakter und eine couragierte Leistung zeigt". Bei seiner Verabschiedung hatte auch Gerstner noch einmal an die Spieler appelliert, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Öffentlich wollte er sich gestern nicht äußern, wichtig sei jetzt allein der Auftritt bei der Alemannia.

"Wir haben uns intern auf einen Sieg in Aachen eingeschworen. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr", fand Dennis Eilhoff klare Worte. Arminias Keeper nahm die Nachricht von der Trainerentlassung eher emotionslos hin. "Fußball ist ein knallhartes Geschäft. Da gibt es kein Mitleid." Als Alleinschuldigen für die Misere wollte Rüdiger Kauf Thomas Gerstner nicht dargestellt wissen, "denn da steht schließlich eine Mannschaft auf dem Platz". Die besondere Motivation eines Trainerwechsels hätte das Team nicht gebraucht, meinte der Kapitän. "Wir wären jetzt sowieso gefordert."

Ausschließen wollte Detlev Dammeier gestern nicht, dass er die Saison als Teamchef zu Ende bringt. "Geplant ist das aber nicht. Wir haben am Mittwochabend schon über Trainerkandidaten gesprochen", sagte er. Kontakte seien noch nicht geknüpft worden. "Wichtig ist jetzt, dass wir das Spiel in Aachen erfolgreich gestalten. Dann kommen die anderen Dinge."

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