Arminias Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier findet derzeit viele Ansätze zur Grundsatzkritik. - © FOTO: RUDOLF
Arminias Sport-Geschäftsführer Detlev Dammeier findet derzeit viele Ansätze zur Grundsatzkritik. | © FOTO: RUDOLF

"Die Spieler müssen Überzeugung im Herzen tragen"

Sport-Geschäftsführer Dammeier zu wesentlichen Unterschieden zwischen Aufstiegsjahr 2004 und der aktuellen Lage

Bielefeld. Beim siebten und bisher letzten Bundesliga-Aufstieg des DSC Arminia stand Detlev Dammeier noch als Spieler auf dem Platz. Umso besser kann der heutige Sport-Geschäftsführer beurteilen, welche Eigenschaften vonnöten sind, in Bielefeld erfolgreich Fußball zu spielen. Spätestens mit dem gruseligen 0:1 gegen den Karlsruher SC sind Dammeier erhebliche Zweifel gekommen, ob das hochgesteckte Ziel noch zu erreichen ist, wie im Gespräch mit Rainer Klusmeyer deutlich wird.

Herr Dammeier, stimmen Sie mir zu, wenn ich behaupte, dass letztmals attraktiver Zweitliga-Fußball auf der Alm geboten wurde, als Uwe Rapolder nach einem Spiel gegen Karlsruhe (!) ab März (!) 2004 den DSC aus dem unter Benno Möhlmann erreichten Tal der Tränen in die Bundesliga hievte?
DETLEV DAMMEIER: Attraktiv, weil vor allem aggressiv. Aber, und eigentlich will ich dieses Fass gar nicht aufmachen: Ein solcher Fußball geht nicht, wenn man einen Giovanni Federico in den eigenen Reihen hat. Giovanni, der ja nun wirklich keine schlechte Saison spielt, bringt dafür andere Elemente ein und hat so seinen Teil zu unseren 43 Punkten beigetragen.

Gegen Karlsruhe wirkten diverse andere Spieler außer Federico ähnlich lethargisch und wenig laufbereit, beispielsweise Zlatko Janjic.
DAMMEIER: Ohne es an Namen festmachen zu wollen: Wenn ich in diesem Metier tätig bin, brauche ich Leute, die dem Druck standhalten. Deshalb bin ich ja so sauer - wir haben eine große Chance einfach hergegeben.

Was werfen Sie der Mannschaft konkret vor?
DAMMEIER: Mit fehlt die absolute Überzeugung, das Ding nach einem Rückstand drehen zu wollen. Wenn es spielerisch nicht läuft, muss man wenigstens über besagte Aggressivität kommen. Unsere Spieler aber haben Zuhause nicht das Selbstvertrauen und den Mut, allen Ballast von sich zu werfen. So haben wir im Aufstiegskampf nichts zu suchen.

Dass Arminia bei Heimspielen favorisiert ist und deshalb der Gegner eher defensiv agiert, kann keine wirkliche Überraschung sein. Warum findet das Team von Thomas Gerstner trotzdem keine Mittel?
DAMMEIER: Natürlich wissen wir, dass die gegnerischen Mannschaften tief stehen. Um diese Riegel zu überwinden, muss man Überzeugung im Herzen tragen. Wenn also vorn einer attackiert, muss der dritte und vierte auch mitmachen. Ein Rädchen muss ins andere greifen.

Alles das aber hat wieder einmal nicht funktioniert.
DAMMEIER: Was ich eben nicht verstehe. Wir haben genügend Spieler mit diversen Bundesligaeinsätzen auf dem Buckel. Die müssten wissen, worauf es ankommt. Und bei denen lege ich die Messlatte höher.

Mag es ein Nachteil sein, dass von diesen erfahrenen Führungsspielern zu viele, wie Andre Mijatovic oder Markus Bollmann, in hinteren Reihen agieren?
DAMMEIER: Ja und?! Auch von hinten können Akzente gesetzt werden. Durch Aggressivität, durch Vorschieben der Abwehrkette. Stattdessen kassieren wir immer wieder überflüssige Gegentore, obwohl wir hinten in Überzahl sind.

Trainer Gerstner behauptet, das hinge mit der "Arroganz der Spieler" zusammen.
DAMMEIER: Mit Arroganz hat das nichts zu tun. Langsam aber scheint es mir so, als habe die Mannschaft eine gewisse Angst vor Heimspielen. Die Spieler sind nicht so frei, dass sie trotz eines Fehlpasses gleich wieder den Kopf hoch nehmen. Die Heimspiele sollten unser Trumpf sein - das muss auch schleunigst so werden. Wir brauchen eine andere Grundstimmung in der Mannschaft. Sie muss in jedem Spiel mit Aggressivität und Leidenschaft zu Werke gehen.

Nach dem Spiel gegen Karlsruhe gab es wieder "Gerstner raus"-Rufe. Wie steht es um die Zukunft des Trainers?
DAMMEIER: Unser Plan ist es, am Freitag in Aachen erfolgreich zu sein - mit Thomas Gerstner auf der Trainerbank. Weiter denke ich vorerst nicht. Ich habe kein Ultimatum gesetzt. Es hat vor dem Training am Dienstag eine klare Ansage an die Mannschaft gegeben. Wir haben noch neun Spiele vor uns - da muss man nach einer Niederlage aufstehen, wie das so oft in einem Sportlerleben passiert.

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