0

Aus dem Morast gezogen

Beim 1:0-Sieg in Ahlen zeigt Bielefeld in Unterzahl die von Kapitän Kauf geforderten Tugenden

VON UWE KLEINSCHMIDT
15.02.2010 | Stand 15.02.2010, 11:19 Uhr
Gegen Ahlen aus dem Morast gezogen - © ARMINIA
Gegen Ahlen aus dem Morast gezogen | © ARMINIA

Ahlen/Bielefeld. Eine Menge Kröten hatten die rund 1.500 Arminen-Fans zu schlucken, ehe sie den Ahlener Anhang mit einem zackigen "Wir steigen auf - ihr steigt ab!" übertönen durften: Zu leidenschaftslos, unstrukturiert und limitiert in spielerischer Hinsicht waren ihre Aufstiegshoffnungsträger lange Zeit aufgetreten. "Das darf uns nicht passieren, dass wir so unter Druck geraten", meinte Torhüter Dennis Eilhoff zur Anfangsphase in Ahlen.

Die Statistik des 1:0-Erfolges am Freitagabend im Westfalen-Derby war aus Bielefelder Sicht einigermaßen verheerend. Rot-Weiß Ahlen hatte praktisch überall die Nase vorn: 3:0 Ecken, 11:5 Schüsse gesamt, 7:2 Schüsse neben das Tor, 30:12 Flanken, 54 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent gewonnener Zweikämpfe. Ahlens Momar N’Diaye und Alain Ollé Ollé hatten mit je drei Schüssen mehr zustande gebracht als die Arminen Chris Katongo, Dominik Rotter, Michael Delura, Rüdiger Kauf und Giovanni Federico zusammen. Klar die Oberhand verzeichneten die Arminen nur bei den Fouls: 30:16.

Alle auf einen: Chris Katongo, Arne Feick, Markus Bollmann, Andre Mijatovic und Rüdiger Kauf (von oben) feiern den verd(r)eckten Siegtorschützen Giovanni Federico. - © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE
Alle auf einen: Chris Katongo, Arne Feick, Markus Bollmann, Andre Mijatovic und Rüdiger Kauf (von oben) feiern den verd(r)eckten Siegtorschützen Giovanni Federico. | © FOTO: CHRISTIAN WEISCHE

In der Zeile "Schüsse auf das Tor" jedoch lag die Arminia 1:0 vorn. Und da jener Schuss von Giovanni Federico auch exakt passte, wanderten die drei heiß umkämpften Punkte knapp 70 Kilometer in Richtung Ostnordost. "Das hat richtig Spaß gemacht", meinte Eilhoff dann doch gelöst und verwies bei der Einordnung des Geschehens auf den hygienischen Zustand seines Trikots und seiner Haut: "Ein richtig dreckiger Sieg." Die Arminen hatten sich am eigenen Schopf aus dem Morast des Wersestadions gezogen.

Überfällige gelbe Karte für das siebte Foul

Rüdiger Kauf, Kapitän und aufrechter Kämpfer vor der nicht immer stabilen Bielefelder Viererkette, hatte bereits zu Rückrundenbeginn das schnöde Einfahren von Punkten angemahnt. "Es gewinnt nicht immer die bessere Mannschaft", sagte der "Sechser" mit der Rückennummer fünf. "Jeder muss an seine Grenzen gehen." Ob Chris Katongo, damals als Kapitän der Nationalmannschaft Sambias bei der Mission Afrika-Cup unterwegs, das Interview gelesen hat, ist nicht überliefert. Jedenfalls ging er so zur Sache.

In der 55. Minute hatte er die Grenze des Erlaubten bei einem Ellenbogen-Check gegen Ollé Ollé scheinbar überschritten, doch Schiedsrichter Guido Winkmann aus Kerken ließ Gnade vor Recht ergehen. In der 78. Minute bekam Katongo für sein insgesamt siebtes Foul die überfällige Gelbe Karte. Immerhin stand er gegen den mit 100 Ballkontakten erfassten Ollé Ollé besser als Rechtsverteidiger-Vorgänger Michael Lamey, der sein Engagement in der 47. Minute mit Gelb-Rot hatte bezahlen müssen.

"Chris war die interne Alternative. Vom Tempo her und von der taktischen Cleverness", meinte Gerstner zum Schachzug, Katongo nach rechts-hinten zu beordern. Winterzugang Assimiou Touré sei eine Alternative gewesen, "aber ich wollte keinen Spieler von der Bank in diese Situation schicken". Touré kann sich nun vier Tage lang im Training für die vakante Position bewerben. So wie Routinier Radim Kucera.

Heute Abend darf sich Gerstner aber zunächst mit der Ruhe des Trainers, der letztlich doch vieles richtig gemacht hat, den nächsten Gegner anschauen. Der MSV Duisburg spielt beim 1. FC Kaiserslautern vor, ehe er am Freitag in der Schüco-Arena antreten muss.

Jetzt weiterlesen?

Webabo abschließen und 1. Monat gratis lesen

9,90€/Monat
  • Alle Artikel frei
  • Flexibel monatlich kündbar

Jahresabo abschließen und dauerhaft sparen

99€/Jahr
  • Alle Artikel frei
  • 19,80€ im Jahresabo sparen

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group